Bis Ende Oktober ist die Notfallpraxis noch in der Wolfacher Klinik zu finden. Foto: Reinhard

Es gab keine Überraschungen, aber Einblicke in die praktischen Sorgen des Klinikpersonals.

Es wurde viel gesagt, aber nichts Neues. Dafür gab es Einblicke in die praktischen Sorgen des Klinikpersonals – so könnte man das nicht-öffentliche Gespräch zusammenfassen, zu dem am gestrigen Freitag die Kassenärztliche Vereinigung (KV) alle Akteure eingeladen hatte, die von der Schließung der Notfallpraxen in Wolfach und Achern betroffen sind. Ende Oktober sollen diese wegfallen. Insgesamt 17 Standorte in Baden-Württemberg sollen hauptsächlich aufgrund von Personalmangel geschlossen werden. Kinzigtäler sollen im Falle eines medizinischen Notfalls am Wochenende, der keinen Besuch in der Notaufnahme erfordert, die Notfallpraxen in Lahr, Offenburg oder Freudenstadt frequentieren.

 

Mit seinem Acherner Amtskollegen Klaus Muttach war auch Thomas Geppert als Bürgermeister bei dem Dialog dabei, neben politischen Akteuren wie Landrat Thorsten Erny, den Klinikleitungen und auch Vertretern von deren Personal.

Wie Geppert im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet, habe Doris Reinhardt als Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV noch einmal die derzeitige Situation dargelegt. Die von Kordula Kovac initiierte Petition für den Erhalt der Notfallpraxis sei bei dem Gespräch zwar nicht Thema gewesen, sei aber am Rande erwähnt worden, berichtet Wolfachs Bürgermeister. Reinhardt habe sie zu Anfang ihrer Ausführungen erwähnt. Sie zeige, dass das Thema Notfallpraxis die Menschen vor Ort bewegt.

Auch Geppert selbst sei zu Wort gekommen und habe die Gelegenheit genutzt, die Brisanz des Themas erneut zu betonen. Er habe sein Missfallen ausgedrückt, dass die Schließung in so kurzer Zeit „durchgedrückt“ werde und auch erneut darauf hingewiesen, dass im ländlichen Raum die von der KV anvisierte Erreichbarkeit einer Notfallpraxis innerhalb von 45 Minuten Fahrtzeit nicht realisierbar wäre. Reinhardt habe politisch argumentiert und erklärt, dass sie ganz Baden-Württemberg im Blick haben müsse. Ausnahmen könne es keine geben. Sie meinte aber, dass Ortsteile wie St. Roman mit einer Fahrt nach Freudenstadt durchaus unter den veranschlagten 45 Minuten blieben.

„Alles in allem wurde nichts gesagt, was ich nicht im November und Dezember des vergangenen Jahres nicht schon einmal gehört habe“, fasst Geppert zusammen. Erstaunt habe ihn jedoch, dass viele Vertreter des medizinischen Personals praktische Fragen hatten und keine Antwort darauf erhielten. So hätten Vertreter der Kliniken in Wolfach und Achern wissen wollen, wie sie nach der Schließung der Notfallpraxis mit Patienten umgehen sollten, die dennoch im Krankenhaus erscheinen. Personal aus Lahr und Offenburg fragte, wie sie mit dem erhöhten Patientenaufkommen umgehen sollten. Ihr Vorschlag, in der ersten Woche nach der Schließung der anderen Standorte mehr medizinische Mitarbeiter vorzuhalten, blieb unkommentiert. Auf ihre Fragen bekamen sie keine praktischen, sondern politische Antworten. „Das Gesundheitssystem in seiner derzeitigen Form wäre nicht mehr tragbar“, gibt Geppert als Beispiel wieder.