Nach drei Monaten hat der „Pop-up-Store Rothschicht“ in der Fußgängerzone schon wieder geschlossen. Inhaberin Manuela Roth erläutert die Gründe dafür und wie es jetzt weitergeht.
Nur noch die im Verkaufsraum sichtbaren Strohballen und das Logo auf dem Schaufenster weisen darauf hin, dass hier in der Fußgängerzone der „Pop-up-Store Rothschicht“ nachhaltig produzierte Mode anbot, teils unter dem Thema Schwarzwald, mit Stadt-Land-Motiven und moderne Schnitten. „Nach drei Monaten sagen wir ’Good Bye Schramberg’. Danke an alle, die da waren. Frohe Weihnachten und alles Gute für’s neue Jahre“, ist auf einem kleinen handgeschriebenen Zettel an der Glastür des Ladengeschäfts zu lesen. Manuela Roth aus Lauterbach hatte das sogenannte Pop-up-Programm der Stadt angenommen und dort zusätzlich zum schon bestehenden Online-Shop ihrer Mode (www.rothschicht.de) ab Oktober 2024 einen realen Laden bezogen und ansprechend gestaltet. Drei Monate lang hatte die Stadt die Miete übernommen, damit Roth ihre „analoge Geschäftsidee“ testen konnte.
Gründe für Schließung
Unsere Redaktion hat Inhaberin Roth gefragt, warum sie den Laden nicht weiterführte und wie ihre Erfahrungen in den drei Monaten waren. „Es hat sich abgezeichnet, dass etwa 90 Prozent der Kundschaft gezielt gekommen sind. So habe ich geschlussfolgert, dass der Standort für einen Laden nicht zwingend in der (Schramberger) Innenstadt sein muss. Für Laufkundschaft gibt es in Schramberg sehr wenig Leute, die unserer Zielgruppe entsprechen“, begründete Roth ihre Entscheidung. „Den Fokus werden wir wieder mehr auf das Online-Geschäft richten, wobei ich einen Laden bzw. Showroom in Lauterbach in Betracht ziehe“, ergänzte sie.
Die finanzielle Unterstützung der Stadt in Form der Mietübernahme sei „super“ gewesen. Die Organisation im Vorfeld sowie die Hilfe bei der Suche nach einem passenden Objekt seien auch sehr gut gewesen. „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn mal jemand nachgefragt hätte, wie es läuft oder ob Unterstützung benötigt wird“, erklärte sie weiter. Die Interaktion mit dem HGV zum Beispiel oder der Austausch mit weiteren Ladenbesitzern seien weitestgehend ausgeblieben. „Ich finde das Projekt nach wie vor sehr bemerkenswert und bereichernd für die Stadt und hoffe, dass sich weitere Gründer bzw. Labels trauen, ihre Geschäftsidee in Schramberg zu präsentieren“, ermunterte sie Nachahmer.
„Als Wirtschaftsförderung der Stadt Schramberg bedauern wir natürlich, dass der Pop-up-Laden Rothschicht nach Ablauf des städtischen Förderprogramms seine Pforten schließen muss“, erklärte Manuela Klausmann vom Eigenbetrieb Wirtschaftsförderung auf Anfrage unserer Redaktion.
Ziel des Förderprogramms „Schramberger Pop-up-Läden“ sei es, Existenzgründern und innovativen Geschäftsmodellen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen in der Praxis zu erproben. Die dreimonatige Mietförderung sei bewusst unbürokratisch gestaltet, damit die Unternehmen herausfinden können, ob am jeweiligen Standort eine ausreichende Nachfrage für ihre Produkte besteht und wie sich ihr Geschäftsmodell in der Praxis bewährt.
„Im Falle des Pop-up-Stores Rothschicht in der Hauptstraße 38 hat die Betreiberin festgestellt, dass die Laufkundschaft in der Innenstadt nicht zur Zielgruppe des Ladens gehört und insgesamt in Schramberg keine ausreichende Nachfrage für die angebotenen Produkte besteht“, stellte Klausmann fest.
Hervorzuheben sei, dass die Beantragung und Auszahlung des Mietzuschusses unkompliziert ist, was von allen Pop-up-Betreibern bestätigt werde. „Im Austausch mit der Betreiberin des Ladens in der Hauptstraße haben wir jedoch erfahren, dass der Kontakt und die Kommunikation mit der Wirtschaftsförderung während der dreimonatigen Förderung intensiver hätte sein können. Wir nehmen dieses Feedback sehr ernst und werden in Zukunft versuchen, den Austausch mit den Pop-up-Betreibern noch stärker zu fördern“, versicherte Klausmann.
Darüber hinaus stehe die Wirtschaftsförderung bereits mit dem Eigentümer der Immobilie in der Hauptstraße 38 in Kontakt, um eine mögliche zukünftige Nutzung der Ladenfläche zu prüfen.
Als positives Beispiel für das Pop-up-Konzept führte Klausmann die Naturheilpraxis „Tansi“ in Waldmössingen an, die nach Auslaufen der Mietförderung erfolgreich weitergeführt werde.
Neuer Saftladen öffnet
Auch in Sulgen starte Ende Januar ein neuer Pop-up-Laden im ehemaligen Modegeschäft Steinhilber, der mit Bodenseeprodukten wie Säften und Likören eine wertvolle Bereicherung für den Stadtteil darstelle. „Wir sind zuversichtlich, dass das Pop-up-Programm auch weiterhin dazu beiträgt, neue Ideen zu fördern und kreative Geschäftsmodelle zu testen“, betonte Klausmann.