Dass es mit der Trossinger Druckerei nicht mehr weitergeht, lässt bisherig Beschäftigte enttäuscht zurück. Die Firmenleitung nennt den Schritt „unausweichlich“.
„Letzte Auflage – Lienhard druckt nicht mehr“ – so berichteten wir vergangene Woche über die Einstellung der Produktion des Trossinger Betriebs, der zuletzt als Lienhard Print Medien firmierte.
Thomas Lienhard, bisher technischer Leiter und Anteilseigner, hatte der Redaktion bereits bestätigt, dass man die Produktion zum 30. November einstelle. Jetzt erläuterte er auf Nachfrage, was die Gründe dafür gewesen seien: „Ganz einfach: keine Nachfolge“.
Sowohl extern als auch intern im Betrieb habe man über ein Jahr lang nach einer Nachfolgelösung gesucht. „Auch die Kinder wollen es nicht“, betont er.
So sei ihm und seinem Bruder Wolfgang, der ebenfalls noch Anteilseigner ist, aber operativ offiziell bereits vor eineinhalb Jahren ausgeschieden sei, letztlich nichts anderes übrig geblieben, als den Betrieb zu schließen.
Liquidation ist beschlossen
Am Freitag hatten die zuletzt in der Firma Beschäftigten ihren letzten Arbeitstag – seitdem steht die Produktion still, die Liquidation ist beschlossene Sache. „Wir sind gerade am Abwickeln“, bestätigte Thomas Lienhard auf Nachfrage. Mitarbeiter seien keine mehr vor Ort.
Nach Informationen der Redaktion gingen die Beschäftigten in ihre sofortige Freistellung – in kurzen Gesprächen am vergangenen Freitag seien ihnen die entsprechenden Unterlagen überreicht worden.
Thomas Lienhard betont unterdessen, dass die Entscheidung, zu schließen, nicht von heute auf morgen gefallen sei. „Dass etwas am Köcheln ist, wusste jeder“, meint er, allein schon, weil wegen einer Nachfolgersuche auch Gespräche mit Teilen der Belegschaft geführt worden seien – „dass es so oder so ausgehen kann, war bekannt“, so Lienhard. Die Mitarbeiter seien im Juni in einer Betriebsversammlung über die geplante Schließung informiert worden.
Der Schritt tut weh
15 Festangestellte und Aushilfen habe man zuletzt gehabt, so Lienhard. Sie alle verlieren mit der Schließung ihren Arbeitsplatz. Bislang bei Lienhard Beschäftigte machten jetzt im Gespräch mit der Redaktion deutlich: Der Schritt tut weh – und er lässt sie in gewisser Weise auch ein Stückweit fassungslos zurück.
Einer von ihnen ist Ismael-Mutlu Kocabiyik. Er sagt: „ Für uns, die dort gearbeitet haben, ist diese Schließung ein menschliches Drama. Alle Mitarbeiter waren mindestens zehn Jahre, viele sogar über 20 oder 30 Jahre im Betrieb. Wir haben gemeinsam durch Höhen und Tiefen gearbeitet, oft weit über das normale Maß hinaus – mit Stolz und Loyalität.“
„Emotional belastend“
Umso schwerer sei es zu verstehen, „wie abrupt und ohne wirkliche Perspektive für die Beschäftigten“ die Geschäftsführung den Betrieb nun zum 30. November geschlossen habe.
„Noch im letzten Jahr hieß es immer: Alles gut, weitermachen!“, sagt er. Viele empfänden den Umgang in den letzten Monaten als „unklar, widersprüchlich und emotional belastend.“
Zwar habe der kaufmännische Leiter und Mehrheitsgesellschafter Ulrich Gottlieb klar kommuniziert, dass der Betrieb schließen müsse, wenn man keinen Nachfolger finde, haber das insbesondere Thomas Lienhard nicht immer so eindeutig dargestellt.
„Unsicherheit hautnah erlebt“
Gerade langjährige Mitarbeiter, die große Teile ihres Arbeitslebens bei Lienhard verbracht hätten, hätten sich in dieser Situation schlicht zurückgelassen gefühlt.
„Als einziger Außendienstmitarbeiter und Bindeglied zwischen Unternehmen und Kunden habe ich die Unsicherheit hautnah erlebt“, sagt er und spricht von „Kunden, die nicht wussten, wie es weitergeht, Kollegen, die plötzlich ohne Zukunft dastanden“, und einer „Belegschaft, die nach Jahrzehnten im Betrieb von heute auf morgen vor einem Scherbenhaufen steht“.
„Unausweichlicher Schritt“
Natürlich verstehe er die Enttäuschung der Belegschaft, sagt wiederum Thomas Lienhard. Aber für ihn und seinen Bruder Wolfgang sei der „schwere Schritt“ letztlich „unausweichlich“ gewesen.
„Ich bin jetzt selbst 47 Jahre in der Branche, davon 45 Jahre in diesem Betrieb, glauben Sie mir, es fällt mir nicht leicht“, sagt er.
Natürlich sei es auch für die Mitarbeiter „schlimm“, aber sie müssten auch seine Entscheidung akzeptieren. Mit 63 Jahren sehe er die Zeit gekommen, aufzuhören.
Ismail-Mutlu Kocabiyik wiederum sagt, dass er den Brüdern wirklich wünsche, dass sie in den Ruhestand gehen können und er hoffe, dass sie diesen nun tatsächlich „auch in Ruhe antreten können“.
„Gebeutelte Branche“
„Dass die Branche sehr gebeutelt ist, ist altbekannt“, gibt derweil Thomas Lienhard zu bedenken. Viele Druckereien gäben auf, weil es sich wirtschaftlich nicht mehr rentiere. Durch die fortschreitende Digitalisierung gehe der Bedarf an Druck-Erzeugnissen immer weiter zurück. „Es ist schade drum“, sagt er, „aber die Wertschätzung ist nicht mehr da.“
Stich ins Herz
Was er hier auf die Druck-Erzeugnisse bezieht, beziehen bislang in dem Unternehmen Beschäftigte wiederum auf ihre eigene Lage: Ihr Engagement für den Betrieb sehen sie nicht wertgeschätzt – nach Jahrzehnten der Beschäftigung am letzten Arbeitstag einfach nach Hause zu gehen und das war’ s – das war für sie nicht weniger als ein Stich ins Herz.
Ismail-Mutlu Kocabiyik macht selbstständig weiter
Beziehungen aufgebaut
Ismail-Mutlu Kocabiyik war 13 Jahre im Unternehmen, davon die letzten drei als Außendienstler – und er hat sich entschlossen, selbst in der Branche als Dienstleister weiterzumachen. Er habe viele der Kundenbeziehungen aufgebaut oder über Jahre gepflegt. Neue Firma
„Genau aus diesen Gesprächen mit langjährigen Geschäftspartnern ist klar geworden: In der Region wird jemand gebraucht, der zuverlässig weitermacht.“ Also startet er jetzt mit seiner Firma „Black Forest Print + Promotion“, einem Dienstleistungsbetrieb für Druck-Erzeugnisse und Werbemittel, mit dem er möglichst mit regionalen Druckereien zusammenarbeiten wird, wie er betont.