Die geplante Schließung der Notfallpraxis sorgt bei den Bürgern für große Verunsicherung. Auch die Oberndorfer Ärzte treibt das Thema um. Wir fragen den Ärztesprecher und Notfallpraxisbeauftragten Gottfried Widmann, was er zur Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung sagt, und ob die Mediziner ein Alternativangebot in Oberndorf planen.
„Unsere hausärztlichen Praxen werden am Montagmorgen noch voller sein als bisher schon“, teilt Gottfried Widmann mit, als wir ihn nach den Folgen der Notfallpraxis-Schließung für die Oberndorfer Ärzte befragen. Ihn beschäftigt die Thematik in doppelter Funktion.
In seinem Amt als Notfallpraxisbeauftragter sei er gehalten, auf die Einlassungen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) zu verweisen, erklärt er. In seiner Funktion als Sprecher des Ärztlichen Ortsvereins und als langjährig niedergelassener Hausarzt in Oberndorf bedaure er persönlich die Schließung der Notfallpraxis, „für deren Erhalt ich mich nachhaltig eingesetzt habe“, außerordentlich.
Der Widerstand gegen die geplante Schließung der Notfallpraxis ist auf allen Ebenen groß, insbesondere bei den in erster Linie Betroffenen: den Bürgern. Aber auch Kommunalpolitiker, der Landkreis und die Stadt Oberndorf wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Pläne der KVBW. Analog zum Kreistag wurde auch im Oberndorfer Gemeinderat nun eine Resolution verabschiedet.
Seit mehr als zwölf Jahren
Die Notfallpraxis ist räumlich ans SRH Krankenhaus in Oberndorf angegliedert. Ärzte und Mitarbeiter versorgten dort engagiert seit mehr als zwölf Jahren an Wochenenden und Feiertagen ambulant Patienten mit vielfältigen Beschwerden und Erkrankungen, sagt Gottfried Widmann.
Natürlich treibe das Thema also auch die Ärzte um. Bei denen wird der Umstand der Schließung allerdings unterschiedlich wahrgenommen, wie wir von Widmann erfahren. „Ein großer Teil der Kolleginnen und Kollegen im nördlichen Landkreis bedauert die Schließung der Notfallpraxis am SRH-Krankenhaus in Oberndorf sehr, wobei es auch Stimmen gibt, die die dadurch leicht gesunkene Dienstlast schätzen“, erklärt er.
Aufwand wird größer
Für die Patienten werde der Aufwand durch die deutlich längeren Fahrstrecken in die Notfallpraxis nach Rotttweil größer und belastender, macht der Ärztesprecher deutlich. Auch rechnet er mit einer steigenden Belastung für die Hausärzte zum Wochenbeginn. „Wie sich die Schließung auf die zentrale Notaufnahme des SRH-Krankenhauses und den Rettungsdienst auswirken wird, müssen begleitende Erhebungen zeigen.“
Widmann möchte aber keine Panik schüren. „Natürlich fällt nicht die ganze medizinische Versorgung weg“, stellt er klar.
Das SRH-Krankenhaus mit seinen stationären Möglichkeiten und auch seiner zentralen Notaufnahme für schwere Notfälle bleibe erhalten. „Für diese schweren Notfälle steht ja auch der Rettungsdienst flächendeckend bereit.“
Telemedizin wird ausgebaut
Weiterhin gebe es für bettlägerige Patienten, die am Wochenende dringend einen Hausbesuch benötigen, die Möglichkeit, über die Telefonnummer 116117 Kontakt mit dem Bereitschaftsdienstarzt der KVBW aufzunehmen, der diesen Hausbesuch dann durchführt.
„Zusätzlich wird der parallel durchgeführte zunehmende Aufbau der telemedizinischen Versorgung durch die KVBW einem Teil der Patienten übers Wochenende helfen können“, ist er überzeugt.
Belastung schon jetzt maximal
Ein Alternativangebot durch die Oberndorfer Ärzte – nach einem solchen hatte unsere Redaktion gefragt – sei aber aufgrund der bereits maximalen Belastung nicht möglich, macht Widmann deutlich.
„Wir haben in Oberndorf in den letzten 15 Jahren mehr als die Hälfte der hausärztlichen Praxen verloren und versorgen eine älter und kränker gewordene Bevölkerung mit höchstem zeitlichem Einsatz. Durch den großen Mangel an Kinderärzten müssen Kinder häufig auch durch die hausärztlichen Praxen versorgt werden“, erklärt der langjährig niedergelassene Hausarzt.
Abschreckend für neue Ärzte
„Dazu kommt, dass potentielle neue Ärzte durch einen lokalen Zusatzdienst – die KV-Dienste (Fahrdienst, Sitzdienst, telemedizinischer Dienst) müssten ja weiterhin abgeleistet werden – sicher final vor einer ärztlichen Tätigkeit bei uns in Oberndorf abgeschreckt werden würden.“
Sofern der Druck, der nun auf politischer Ebene aufgebaut wird, um ein Umdenken der KVBW bezüglich der Schließung zu erwirken, keine Wirkung zeigt, bleibt den Patienten damit also bei Notfällen am Wochenende oder Feiertag nur der Weg nach Rottweil oder – in besonders schweren Fällen – ins Krankenhaus.