Zum Monatsende schließt die Notfallpraxis in Oberndorf dauerhaft. (Symbolbild) Foto: dpa/ Weißbrod

Trotz Wellen der Entrüstung und Kritik: Die Oberndorfer Notfallpraxis schließt zum 30. Juni. Nun meldet sich eine Stadträtin zu Wort.

Am Wochenende öffnet die Notfallpraxis am SRH Krankenhaus in Oberndorf ein letztes Mal, offiziell stellt die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg den Service zum 30. Juni ein. Gremien und Parteien haben sich für den Erhalt eingesetzt – ohne Erfolg. Und auch beim Info-Abend am Montag machten Bürger ihrem Ärger und ihrer Angst, von der Versorgung abgehängt zu werden, Luft. Im Nachgang erreicht uns eine Stellungnahme von SPD-Stadträtin Ruth Hunds.

 

Sie hoffe, dass für den Erhalt der Bereitschaftspraxis am SRH Krankenhaus im Dialog mit der KV doch noch eine Lösung gefunden werde. Für Doris Reinhardt und Kai Sonntag von der KV sei die Schließung Teil einer „Reform“ des Gesundheitswesens.

Hunds wirft nun die Frage auf: „Leistet, wer so argumentiert und den ländlichen Raum schwächt, noch den Sicherstellungsauftrag für ambulante Versorgung?“ Jetzt hätten alle den „Schwarzen Peter“, auch die Patienten, deren Beiträge stiegen, und die überfüllte Arztpraxen, lange Wartezeiten für Facharzttermine und einen Aufnahmestopp in manchen Praxen zu ertragen hätten.

Düstere Aussichten für Patienten

1000 Praxen in Baden-Württemberg seien unbesetzt, und 20 Hausärzte fehlten im Landkreis. „Eine Ruhestandswelle kommt auf uns zu: düstere Aussichten für die gebeutelten, zunehmend ungehaltenen Patienten“, meint Hunds. Und fragt sich, ob das noch schlimmer werde.

„Überfüllte Hausarztpraxen sind am Limit, kämpfen mit überbordender Bürokratie, suchen händeringend Nachfolger für ihre Praxen. In der Bedarfsplanung der hausärztlichen Versorgung liegt Rottweil bei 71,3 Prozent am unteren Ende der Liste und ziert die rote Laterne bei der Versorgung mit Kinderärzten mit einer Quote von 66,8 Prozent.“

Verzweifelter Versuch

Die Landarztquote scheine wie ein verzweifelter Versuch, die Anstrengungen der Landespolitik in gutem Licht erscheinen zu lassen. „Wenn sich 75 Absolventen über diese Quote pro Jahr verpflichten, in unterversorgte Regionen zu gehen, ist dies ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Hunds dazu.

„Sind mehr Studienplätze, Medizinische Versorgungszentren mit Teams angestellter Ärzte, geregelten Arbeitszeiten und separierter Verwaltung die Lösung ? Wenn Kommunen wie Furtwangen ein MVZ betreiben, um die medizinische Versorgung von Kindern zu gewährleisten, ist es ein Armutszeugnis für die KV“, lautet ihr Urteil – und stellt eine für sie zentrale Frage: „Sind Strukturen wie die KV noch zeitgemäß? Wie gelingt’s, dass Ärzte im ländlichen Raum Arztsitze übernehmen oder angestellt in MVZ oder Praxen arbeiten?“

Bezüglich der Anstrengungen, die Allgemeinmediziner Gottfried Widmann leiste – er bilde neben all den Problemen noch Hausärzte weiter und organisiere den Bereitschaftsdienst für Oberndorf – könne man nur „Hut ab“ sagen.