Das ehemalige Hauptpostamt in Schwenningen hat nun endgültig ausgedient. Foto: Jochen Schwillo

Ab dem 9. Oktober sind hier die Pforten dicht: Die Postfiliale in der Friedrich-Ebert-Straße in Schwenningen hat geschlossen. Damit geht auch eine langjährige Geschichte zu Ende – wir blicken zurück.

Das ehemalige Hauptpostamt in Schwenningen ist nun endgültig Geschichte. Nachdem am 11. Juni bereits die Postfiliale an der Friedrich-Ebert-Straße 22 ihren Betrieb einstellte, schließt zum 9. Oktober dort ebenso die Postbank. Hiermit endet eine über 184-jährige Post-Tradition.

 

Im Dorf Schwenningen wurde am 1. April 1840 in der Schützenstraße 22 eine Posthalterei mit Brief- und Fahrpost-Expedition eröffnet. Knapp 4000 Einwohner lebten damals hier. Am 1. Juli 1851 übernahm die Königlich Württembergische Postverwaltung den Postbetrieb. Diese entschloss sich 1901 an der Bahnhofstraße 18, der heutigen Friedrich-Ebert-Straße, ein eigenes Amtsgebäude zu errichten – Schwenningen war wieder gewachsen, die 10 000 Einwohner weit überschritten.

Als gut 25 Jahre später das erste Schwenninger Postamt zu klein wurde, entstand 1925/26 nur einige Meter entfernt, das neue Postamt mit einem Kostenaufwand von über 45 1620 Mark, an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße, Bärenstraße, Jakob-Kienzle-Straße und Karlstraße – dem Postplatz. Da in Schwenningen nun circa 19 000 Menschen lebten und die Industrialisierung in der Stadt immer stärker wurde, nahm das Postamt Schwenningen einen Aufschwung, der kennzeichnend für das ständige Wachstum der Stadt war. Am 31. Dezember 1926 kam Dauchingen fernsprechmäßig hinzu.

Jahre nach dem Weltkrieg brachten den Aufschwung

1935, anlässlich des 43. Schwäbischen Landesturnfestes, unterhielt man am Waldeck ein Sonderpostamt. Immerhin wurden hier über 20 000 Teilnehmer gezählt, sowie Tausende an Zuschauern.

Es wurde das erste Kraftrad mit Seitenwagen zur Telegramm- und Eilzustellung angeschafft und Schwenningen bekam am Marktplatz seinen ersten Münzfernsprecher.

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzungszeiten brachten einen spürbaren Aufschwung des Postbetriebs Schwenningen. Das Wirtschaftswunder kam, 1950 zählte die Stadt 23 500 Einwohner. Die Hauptpost war bis auf den letzten Raum belegt.

Neben den Amtsräumen gab es unter anderem die Sortierräume für Briefverkehr und andere Sendungen. Der Brief- und Paketdienst wurde hier abgewickelt sowie die Aufgaben für die Postsparkassen und der Fernmeldedienst mit Telefonvermittlung. 1962 funktionierte der Selbstwählferndienst zwischen Schwenningen und dem Knotenpunkt Villingen, die Paketbeförderung wurde geändert und eine neue Schalterhalle eingerichtet.

Es entstanden noch neue kundenfreundliche Post-Außenstellen in den Stadtteilen, so wie beispielsweise auf Rinelen, im Rieten oder im Mühlweg. Diese wurde schließlich Ende September 1993 geschlossen. Mittlerweile haben einige Postfilialen in Einzelhandelsgeschäften die Aufgaben der Postämter übernommen, weiterhin gibt es im Stadtgebiet verschiedene Packstationen. Bei den Filialen, den DHL-Paketshops und Verkaufspunkten kooperiert die Deutsche Post bereits seit Mitte der 1990er-Jahre erfolgreich mit Partnern, vor allem aus dem Einzelhandel.