Sehen sich als Waldschützer und nicht als Windkraftgegner: Anja Messerschmitt und Martin Vollmer Foto: zVg

Pro – IG Lebensraum Blauen:
Die drei geplanten, 266 Meter hohen Windräder bedeuten einen massiven Eingriff in das wertvolle Ökosystem.

Das bestehende und teils dafür neu anzulegende Wald-Wegenetz muss für den Schwerverkehr ausgebaut werden. Dies bedeutet Wegeverbreiterung und -neubau durch Rodung, Entwässerung, Aufschotterung und teilweise Asphaltierung. Für die Stellflächen der Windräder müssen zirka drei Hektar Wald gerodet und entwässert werden. Je Windrad wird ein Fundament von 30 Meter Durchmesser und 6000 Tonnen Stahlbeton im Boden verankert werden. Die gesamten Baumaßnahmen führen dauerhaft zu rund sechs Hektar baumfreien, entwässerten, verdichteten und durch Felssprengung begradigten Stellen und Schneisen mitten im Wald.

 

Waldboden trocknet aus

Diese Zerstückelung bedeutet für das geschlossene Ökosystem am Blauen eine extreme Schwächung mit weitreichenden und dauerhaften Folgen: Veränderungen des Wasserhaushalts am Blauen, großflächige Austrocknung des Waldbodens, verminderte Wasserspeicherfähigkeit, Zerstörung von Flora und Fauna, Veränderung des lokalen Klimas, Reduktion der natürlichen Kohlendioxid-Speicherung, Zerstörung der Landschaft als Naherholungsgebiet für uns Menschen.

Der Gemeinde Schliengen werden angeblich jährliche Einnahmen von zirka zwei Prozent des Jahreshaushaltsetats vorhergesagt. In Anbetracht der kommunalen Verantwortung zur Infrastruktur-Erhaltung für die Waldpflege und zur Eindämmung aller zu erwartenden Folgeschäden sind diese Einnahmen eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Nicht dabei berücksichtigt sind die nach 20 Jahren Laufzeit anfallenden Rückbaukosten von rund 1,1 Millionen Euro pro Windrad. Ob für diese Kosten die Gemeinde aufkommen muss, ist bis heute nicht geklärt.

1800 Lkw-Fahrten

Dem Bürger werden ein aktives Beteiligen am Klimaschutz und dazu noch finanzielle Gewinne durch „Strom aus Bürgerhand“ vorhergesagt. Abgesehen von starken Beeinträchtigungen während der Bauphase (allein 1800 Fahrten an Schwerlastverkehr für die Betonfundamente) erwartet den Bürger unwiederbringlicher Verlust von klimastabilisierender Natur und Lebensraum über Generationen hinaus. Gewinne aus der Bürgerbeteiligung bleiben beim Investor. Die Genossenschaft und der Verein Bürgerwindrad sowie einzelne Gemeinderäte plädieren für die Windräder im Schwachwindgebiet, um Klimaneutralität zu erreichen. Diese Sichtweise ist sehr eingeschränkt, da durch Stromproduktion alleine keine Klimaneutralität erreichbar ist. Mit dem Bau der Windräder wird der letzte Schritt vor den ersten gestellt. Um Klimaneutralität zu erreichen, muss zuerst ein Konzept vorliegen: Bestandsaufnahme aller energierelevanter Bereiche, Einsparungspotenziale und Effizienzsteigerungsmöglichkeiten. Erst danach ist es sinnvoll, über den Bau von Windrädern oder Alternativen zu entscheiden. Eine unvermeidbare Restmenge an Kohlendioxid wird immer bleiben und gebunden werden müssen. Wer wäre dafür besser geeignet als unser ökologisch wertvoller Mischwald am Blauen? In seiner Gesamtheit dient er als geschlossenes Ökosystem eher der Klimarettung, als wenn er lediglich als Stellfläche genutzt wird für ineffizient arbeitende, auf Subventionen gestützte Windräder.