Blick in die Ortsteile: Die CDU hat in allen Dörfern die Nase vorn – teils aber nur knapp. Briefwähler geben mehr Stimmen an Grüne als an die AfD.
Die CDU ist in der Gemeinde Schliengen klarer Wahlsieger (30,8 Stimmen). Die AfD landet mit 19,2 Prozent auf dem zweiten Platz. Unions-Kandidat Stefan Glaser holte sogar knapp 35 Prozent und liegt damit deutlich vor dem AfD-Mann Marco Näger (18,6 Prozent). Glaser-Hochburg ist Mauchen (38,4 Prozent).
Sein bestes prozentuales Ergebnis holte AfD-Kandidat Näger in Niedereggenen (27,4%) – dort kann auch die Partei einen Spitzenwert erzielen: 27,7 Prozent (73 Stimmen). Damit ist die AfD fast gleichauf mit der CDU (28,8 Prozent, 76 Stimmen). Die Grünen kommen lediglich auf rund zehn Prozent, die SPD liegt bei 8,3 Prozent und die FDP bei 6,4 Prozent.
„Keine Rechten im Dorf“
„Ich denke, es handelt sich überwiegend um enttäuschte konservative Wähler, die aus Protest ihre Stimme der AfD gegeben haben“, kommentiert Ortsvorsteher Timo Hemmer die Wahlergebnisse. Und ergänzt: „Rechtsradikale haben wir hier im Dorf nicht.“ Hemmer verweist zudem auf den hohen Anteil an Briefwählern, was das Ergebnis in gewisser Weise verzerre, da dort der AfD-Wert deutlich niedriger liege. Von den 505 Niedereggener Wahlberechtigten haben 265 persönlich ihre Stimme an der Wahlurne abgegeben (52,5 Prozent). Knapp 200 hatten Briefwahl beantragt.
Bewährt habe sich in Niedereggenen der neue Wahlraum im Schulneubau, berichtet der Ortsvorsteher. Wegen der Kinderfasnacht wurde erstmals dort gewählt und ausnahmsweise nicht im Weihergärtle. „Alle Wahlhelfer waren sich einig, dass dies der beste Platz für das Niedereggener Wahllokal ist“, hielt Hemmer fest.
Zu den Briefwählern
In der Gesamtgemeinde haben 1515 von insgesamt knapp 4000 Wählern per Brief ihre Stimme abgegeben. Bei 4600 Wahlberechtigten insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei knapp 86 Prozent.
Beim Vergleich von Briefwahl und persönlicher Stimmabgabe zeigen sich deutliche Unterschiede im Wahlverhalten. Bei den beiden Schliengener Briefwahlbezirken landet die CDU beispielsweise bei 34,4% (Bezirk 1, Schliengen Kernort) beziehungsweise 33,2% (Bezirk 2, Ortsteile). Die Grünen fahren bei den Briefwählern ihre Spitzenwerte innerhalb der Gemeinde ein (Kernort 16,8% und Ortsteile 15,8%) – ganz anders als in den Wahllokalen. So stimmten bei den Briefwählern mehr Bürger für grün als für blau. Lediglich 13,8% (Kernort) und 14,2% (Ortsteile) gaben ihre Stimme der AfD. Deren Kandidat Näger kam bei den Briefwählern nur auf 13,1% (Ortsteile) und 12,3% (Kernort Schliengen).
Bester Grünen-Wert
Nichtsdestotrotz ergibt sich im benachbarten Obereggenen ein anderes Bild: AfD-Kandidat Näger erreicht dort nur 16,8 Prozent (49 Stimmen), die AfD holt 20 Prozent. Die CDU verbucht 31,3 Prozent. Die Grünen können in dem Ortsteil ihr bestes Ergebnis innerhalb der Gesamtgemeinde verbuchen: 15,7 Prozent. Grünen-Kandidatin Jasmin Ateia kann diesen Wert noch toppen (18,5%). Auch die Linke holt mit knapp zehn Prozent ihren besten Wert.
„Ergebnis abzusehen“
Ihren zweithöchsten Wert verbucht die AfD in Liel: Dort stimmten knapp 25 Prozent (98 Stimmen) für die Blauen – also jeder Vierte, der am Sonntag seine Stimme an der Lieler Wahlurne abgab. Deren Kandidat kam dort auf 24,1%. Die CDU errang mit 29,2% den ersten Platz. Die SPD erreichte nur noch 13,5%, die Grünen 11,9%.
Das Ergebnis war für ihn abzusehen, „und dass die AfD so viele Stimmen bekommt“, meint auf Nachfrage Liels Ortsvorsteher Ottmar „Henry“ Sprich. Die Bürger wählten aus Frust und Protest, sagt er, wobei viele überhaupt nicht wüssten, wo sie ihr Kreuzchen machen. „Die sind auf das Thema Migration aufgesprungen.“ Verständnis habe Sprich, der 2024 auf der SPD-Liste in den Gemeinderat eingezogen, aber kein Parteimitglied ist, dafür indes nicht. „Da sind Leute darunter, die dreimal im Jahr in den Urlaub fahren und trotzdem unzufrieden sind.“ Er sieht die regierenden Parteien in der Pflicht, „endlich zu handeln, sonst wird es bei der nächsten Wahl brenzlig“. Das Ampelchaos habe es den Wählern schwergemacht zu entscheiden, wem sie ihre Stimme geben. Besondere Mitschuld am Dilemma trägt für ihn Olaf Scholz – er habe als Kanzler mit seiner „Larifari“-Mentalität versagt.
Schwere Schlappen
Die SPD stürzte in der Gesamtgemeinde ab. Beispielsweise stimmten in Mauchen nur noch 13,7 Prozent für die Roten – bei der Wahl 2021 waren es noch doppelt so viele (26,1%). Den höchsten Wert erreichten die Genossen in den beiden Wahlbezirken des Kernorts (15,8% und 15,7%).
Wie bundesweit muss die FDP auch in Schliengen eine schwere Schlappe hinnehmen. Während die FDP 2021 noch knapp 16% holte, scheitert die Partei jetzt knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Kandidat Amir Ismaili bleibt bei unter drei Prozent chancenlos. Der heimische Kandidat Christoph Hoffmann, der nicht mehr antrat, hatte damals noch die meisten Erststimmen für sich verbucht.