Nach monatelanger Sperrung ist ein Wanderer-Highlight in der Region dank einer neuen Brücke jetzt wieder durchgängig begehbar. Und an der Schlichem in Epfendorf gibt es tatsächlich viel zu entdecken.
Den Terminplan gab die Witterung vor. Sonst wäre man mit der neuen Brücke über die Schlichem schon früher fertig gewesen. Jetzt ist es aber so weit: Die Verbindung ist wieder problemlos durchgängig, der Wanderweg im Epfendorfer Schlichemtal ist nicht mehr unterbrochen.
Streng genommen ist die Brücke nicht neu. Widerlager und die stählerne Tragbalkenkonstruktion erwiesen sich als immerhin zukunftsfähig. Ganz im Gegensatz zum Holzbohlen-Belag. Der war rott.
Sperrung drohte
Zwar war zuletzt durch teilweise Absperrung, Materialablage und Öffnung für Fußgänger immerhin noch ein Durchschlupf ermöglicht worden, doch drohte nach der routinemäßigen Begutachtung durch den TÜV die Sperrung: Die Note 4,2 – „5“ wäre das schlechteste – kann man nicht schönreden. Die Brücke ist, um in Funktion bleiben zu können, grundlegend sanierungsbedürftig. Deshalb wurde sie aus der Funktion genommen.
Großes Interesse
Sehr zum Missvergnügen der Wanderer übrigens. Die vielen Nachfragen auf dem Rathaus und auch beim Schwäbischen Albverein, von denen Bürgermeister Mark Prielipp und Uwe Mei, Natur- und Wanderführer und Naturschutzwart für das Naturschutzgebiet Schlichemklamm vom Schwäbischen Albverein, berichten, zeigen das große Interesse an den Wanderwegen.
Da ist zum einen der Schlichemwanderweg, der sich über 33 Kilometer von der Quelle bei Tieringen auf etwa 880 Metern bis zur Mündung der Schlichem in den Neckar rund 400 Meter tiefer in Epfendorf erstreckt. Von Mai bis Mitte Oktober ist an Sonn- und Feiertagen für den Schlichemwanderweg ein eigener Shuttle-Bus unterwegs Das erhöht die Attraktivität, weil aufwendige Transfers entfallen und man gegebenenfalls die geplante Wanderstrecke spontan verkürzen oder verlängern kann – mit Anschluss an den Ausgangspunkt.
Pittoreske Passagen
Zum anderen hat der Landkreis eine „Paradiestour“ ausgewiesen, die das Schlichemtal und die pittoreske Schlichemklamm einschließt, als Rundweg aber auch über die Höhe führt und deshalb denkbar unterschiedliche Landschaftseindrücke zu vermitteln vermag. Sie führt übrigens auch über den „Mündungsblick“, einen Aussichtspunkt über der Mündung der Schlichem in den Neckar, der sonst nicht zu erreichen ist. Auf dem Schlichemwanderweg führen Hinweisschilder mit dem Vermerk „Abstecher Mündungsblick“ zu diesem Ort.
Ob so oder so: Beide Wege führen durch das Naturschutzgebiet Schlichemtal, das „Vielfalt auf engem Raum“ bietet. Sowohl Fauna als auch Flora sind genauerer Betrachtung wert. Das wissen Besucher weit über die Region hinaus zu schätzen, wie Mei von seinen Einsätzen auf der Tourismusmesse CMT weiß.
Der Brückenschlag an dieser Stelle ist also wichtig. In Betracht kam die Wiederherstellung der Brücke oder deren kompletter Rückbau und den Bau eines rein für Fußgänger zu begehenden Stahlstegs. Da der Übergang allerdings auch landwirtschaftlich genutzt wird und eine Sperrung unverhältnismäßig große Umwege bedeuten würden, habe man sich für die Wiederherstellung der Brücke entschieden.
Das bedeutete zunächst eine Untersuchung der gesamten Struktur. Wie sich zeigte, waren Widerlager und Träger der rund 20 Jahre alten Brücke noch gut zu gebrauchen. Also wurde das Stahltragwerk komplett neu grundiert und dann lackiert. Daraus ergab sich nach der Sperrung im November auch die Verzögerung: Man musste die frostfreie Zeit abwarten und dann ein paar niederschlagsarme Tage erwischen. Das hat jetzt gepasst.
Kosten bleiben im Rahmen
Nachdem der Bauhof diese Arbeiten erledigt hatte, ging es an den Belag. Hierfür verwendete man solide, zusätzlich imprägnierte Bohlen mit recht großem Querschnitt. Am neuen Geländer sind auch schon die Wegweiser für die Wanderwege angebracht. Rund 100 Arbeitsstunden, so schätzt Prielipp, hat der Aufbau gebraucht, hinzu kommen zwischen 5000 und 6000 Euro für Holz, Grundierung, Farbe und die Befestigungsmittel. Damit sei man auch im Rahmen des Haushaltsansatzes.
An alles gedacht
Was Mei, abgesehen von der Wiederherstellung der Brücke und des Einsatzes des Bauhofs – „Da dürfen wir schon ein wenig stolz sein!“ – besonders gefällt, ist ein Detail. Man habe sogar daran gedacht, das Geländer am südlichen Teil um die Ecke zu ziehen, um die absturzgefährliche Böschung zu sichern.
Übrigens: Am Samstag, 26. April, startet um 14 Uhr in der Ortsmitte Epfendorf eine naturkundliche Wanderung des Albvereins auf der „Paradiestour Schlichemklamm“.