Foto: Timo Deiner

10.000 Fans bejubelten am Montagabend Peter Maffay in der Stuttgarter Schleyerhalle.

Stuttgart -  10.000 Fans bejubelten Peter Maffay am Montagabend bei seinem fast dreistündigen Auftritt in der Schleyerhalle. Zum 40-jährigen Bühnenjubiläum präsentierte er in Stuttgart mit einem Kammerorchester 25 seiner größten Hits.

 

Es spricht für Peter Maffay, dass er nie in kreativem Stillstand verharrte. Im Rock hat sich der Mann aus Siebenbürgen bereits Ende der 70er Jahre etabliert, in die Schlagermusik war er zu Beginn seiner Karriere hineingerutscht. Selbst wer mit seiner Drachen-Saga "Tabaluga" wenig anfangen konnte, musste anerkennen, dass er damit die erfolgreichste deutsche Kinderserie aller Zeiten kreiert hat.

Doppelalbum "Tattoos Live"

Nun also die Veredelung seiner 40-jährigen Karriere mit dem Doppelalbum "Tattoos Live", das er in diesem Jahr gemeinsam mit dem 35 Mann starken VW Philharmonic Orchestra eingespielt hat. Viele sind aus diesem Grund in die Schleyerhalle gekommen: um all ihre Lieblingsstücke live zu hören, um mit der Musik von Peter Maffay im Gefühl alter Verbundenheit zu schwelgen.

Und sie werden nicht enttäuscht. Gewohnt unprätentiös stehen Maffay und seine sechs Mitspieler auf der Bühne und pumpen mit veritabler Lautstärke einen Hit nach dem anderen in die jubelnde Menge. Anders als sonst ist eigentlich nur, dass im Hintergrund über zwei Stockwerke verteilt ein Kammerorchester sitzt, das die Songs unaufdringlich und ohne überbordenden Pomp veredelt.

Maffay trifft den Nerv seiner Fans

Der 61-jährige Frontmann weiß genau, wie er den Nerv seiner Fangemeinde trifft. Und das ist es auch, was Maffay seit der Veröffentlichung seiner ersten Single "Du" im Jahr 1969 so einzigartig gemacht hat: Dem Rock 'n' Roll die Zähne ziehen und trotzdem kräftigen Biss zeigen.

Natürlich ist er auch ein Entertainer allererster Güte. Das Auftaktstück "Steppenwolf" singt er noch mit angezogener Handbremse auf einer kleinen Bühne mitten im Publikum. Danach spurtet er durch die Menge, schnappt sich eine Harley Davidson und entert die Hauptbühne mit aufheulendem Motor. Jetzt wird erstmal richtig abgerockt. Die Show ist imposant illuminiert, drei Videowände übertragen das Bühnengeschehen bis in die letzten Reihen.

Hymnen bringen Stimmung in die Schleyerhalle

Während die Stimmung in der Halle bei unbekannteren Songs gut, aber nicht überschäumend ist, ändert sich das mit Hymnen wie "Bis ans Ende der Welt", "Eiszeit" oder "Über 7 Brücken musst du geh'n". Das Stück "Ewig" spielt er allein mit dem Orchester und gibt ihm damit ein ganz neues Klanggewand. Selbst die lange nicht mehr live präsentierte Ballade "Du" findet ihren Platz .

Dazu flimmern Bilder längst vergangener Tage über die Videoleinwand: Maffay in roten Plateauschuhen und orangenem Hosenanzug. Maffay schief lächelnd und mit schräger Frisur auf Bravo-Covern. Zunehmend singt sich das Kraftpaket in Fahrt und schon bald kommen auch seine alten Schmachtfetzen zu Gehör: "So bist du", "Es war Sommer", "Halt dich an mir fest", "Josie". Alles Songs, mit denen Maffay zwar einen klischeebeladenen, aber unverwechselbaren Sound geschaffen hat.

Vor der Zielgeraden gewinnt das Konzert nochmal richtig an Größe. Da erzählt er feixend kleine Anekdoten, macht Ausflüge ins Publikum und spielt mit diversen Gästen ein längeres Akustik-Set in der Mitte der Halle. Auch das Cover-Medley aus bekannten, englischsprachigen Hits und die beiden Zugaben beweisen, dass Peter Maffay noch längst kein Auslaufmodell ist.