Durch das offene Treppenhaus würde sich derzeit im Brandfall der Rauch in der ganzen Schule ausbreiten. Foto: Jeanette Tröger

Seit Jahren werden Verbesserungen beim Brandschutz in der Bildungseinrichtung auf die lange Bank geschoben. Jetzt wird das Projekt wieder aktuell – und wesentlich teurer.

In der jüngsten Sitzung billigte der Gemeinderat mehrheitlich die Brandschutzplanung für die Schlehengäuschule. Auch wenn die Baupreise heute wieder deutlich niedriger liegen als noch vor zwei Jahren, muss die Kommune tief in die Tasche greifen.

 

Die Architekten Holger Schlichtig und Volker Kittelberger vom Büro Stuible Schlichtig aus Sindelfingen stellten dem Rat die architektonische Brandschutzplanung vor, die sie auf Grundlage des Brandschutzkonzepts des Fachbüros Kuhn | Decker aus Böblingen entwickelt haben. Die vorgelegte Planung wurde laut Sitzungsvorlage in mehreren Abstimmungsrunden mit eben diesen Fachleuten, dem Landratsamt sowie der Schulleitung und der Verwaltung vorberaten und abgestimmt.

Im Notfall ist überall Rauch

„Heute verteilt sich der Rauch im Brandfall in der ganzen Schule“, sagte Kittelberger, geschuldet der Bauweise mit dem zentralen, offenen Treppenhaus. Nach der neuen Planung wird die Schule mit Brandabschnittswänden in sieben abgeschlossene Nutzungseinheiten aufgeteilt.

Zwei große außenliegende Fluchttreppen erweitern die Evakuierungsmöglichkeiten, dazu kommen Brandschutztüren und Maßnahmen an Böden, Wänden, Decken und der Elektrik. Und weiter unter anderem Warnmelder, Hinweisschilder und Jalousien. Die Kostenschätzung, die sich auf aktuelle Referenzpreise und den aktuellen Baupreisindex bezieht, so Holger Schlichtig, beläuft sich inklusive der Planerhonorare auf rund 816 000 Euro brutto. Er betonte, dass die Preise um 15 bis 20 Prozent niedriger liegen als noch vor zwei Jahren.

Architekt ist ziemlich verwundert

Sowohl die beiden Architekten als auch Bürgermeister Jens Häußler lobten die Zusammenarbeit mit der Baurechtsbehörde. Da die Schule ein Bestandsgebäude ist, beharrte der Sachbearbeiter nicht auf Brandschutzanforderungen wie bei einem Neubau, was auch dem Budget gut tut. Es gebe allerdings keinen Bestandsschutz für den Brandschutz, der beim Bau der Schule Standard war. „Mich hat überrascht, dass das Gutachten – aus den Begehungen durch das Landratsamt 2018 und 2023 und die daraus abgeleiteten Forderungen (Anmerkung der Redaktion) – erst heute aufschlägt“, sprich, dass sich die Gemeinde so lange Zeit lassen konnte, wunderte sich Schlichtig.

Das sagen die Gemeinderäte

Leonard Wilhelm (BU) wollte wissen, ob alle Maßnahmen Pflicht sind. Dies bejahten sowohl Schlichtig wie auch Bauamtsleiter Markus Speitelsbach. Ob man nicht wie bisher die ganze Schule als einen Brandschutzbereich beibehalten könne und ob es unbedingt die sieben abgeschlossenen Abschnitte sein müssten, war eine weitere Frage von Wilhelm. „Ja, „es gibt keine Möglichkeit, größere Abschnitte zu bilden als jetzt“, sagte Kittelberger. Er hatte in seinen Ausführungen erläutert, dass Türen wieder so gestaltet werden sollen, wie sie jetzt sind. Das störte Wilhelm, „den Kindern ist es wahrscheinlich egal, wie die Türen aussehen“. Es gehe darum, die Maßnahmen so kostengünstig wie möglich umzusetzen. „Die Aufgabe ist klar: Günstig machen, aber gut machen“, bestätigte Speitelsbach für die Verwaltung und dem pflichtete auch Klaus Böttinger (GFW) bei: „Günstig ist die Prämisse.“ Schlichtig stellte klar: „Wir machen alternative Ausschreibungen zu den Türen, optisch schöner oder nicht, dann können Sie entscheiden.“

„Immer wieder Stückwerk“

„Wir kommen nicht drum rum, deshalb müssen wir heute den Beschluss fassen“, war für Gerhard Mörk (SPD) klar. Trotz der „guten Arbeit wie immer“ der Planer werde er dagegen stimmen, sagte dagegen Jürgen Groß (BU), „weil mir das Gesamtkonzept für Schule, Hallenbad und Turnhalle fehlt“. Es werde immer wieder Stückwerk gemacht. Als Beispiel nannte er die vor zwei Jahren in der Schulturnhalle eingebauten Garagentore, bei denen sich jetzt herausgestellt hat, dass die zwingend Schlupftüren brauchen. „Die bauen wir jetzt wieder aus und machen neue rein mit Schlupftüren.“ Nina Benz (GFW) ließ sich von den Planern erläutern, auf welcher Grundlage die Kostenschätzung fußt. „Es sind bis jetzt berechnete Preise, nach den Ausschreibungen haben wir reelle Preise“, sagte Schlichtig.

So wurde abgestimmt

Bei den Gegenstimmen von Groß, Wilhelm und Simon Klass (BU) billigte der Gemeinderat die Planung. Mit dem Beschluss wurde gleichzeitig das Büro Stuible Schlichtig mit den weiteren Leistungsphasen 5 bis 7 (Bauantrag, Ausschreibungen und Auftragsvergaben) oder, falls die Bauaufsicht nicht von der Verwaltung selbst in Person von Markus Speitelsbach übernommen werden kann, mit den gesamten Leistungsphasen 5 bis 9 bis zum Abschluss der Maßnahmen beauftragt.