Das offene Treppenhaus der Schlehengäuschule ist derzeit alles andere als brandschutzkonform. Foto: Jeanette Tröger

Jetzt wird es ernst für die Gemeindeverwaltung. Bereits 2018 und 2023 wurden bei Begehungen durch das Landratsamt Mängel festgestellt, die bis heute nicht behoben sind.

Jetzt muss die Verwaltung endlich tätig werden. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der Planer für die notwendigen Maßnahmen bestimmt. Im Brandschutz gibt es keinen Bestandsschutz, informierte Bauamtsleiter Markus Speitelsbach das Gremium. Alle vier Jahre macht das Landratsamt gezielte Begehungen in öffentlichen Gebäuden und bewertet, ob die aktuell gültigen Brandschutzmaßnahmen umgesetzt sind.

 

Bei der Begehung der Schlehengäuschule wurden 2018 schon Mängel festgestellt. Nach der jüngsten Begehung 2023 drängt nun das Landratsamt auf Umsetzung, wie Speitelsbach informierte. Denn das offene Treppenhaus ist nicht mehr brandschutzkonform – es gibt keinen Abschluss zu den Schulräumen und die Rettungswege entsprechen nicht mehr den aktuellen Vorschriften.

Grobkonzept liegt vor

Das Ingenieurbüro für Brandschutz Kuhn und Decker aus Böblingen hat ein Grobkonzept ausgearbeitet, welches bereits mit der zuständigen Stelle im Landratsamt vorbesprochen ist, so Speitelsbach. Mit diesem Grobkonzept fand eine Vor-Ort-Begehung in der Schule mit dem Architekturbüro Stuible-Schlichtig aus Sindelfingen statt als Grundlage für ein Planerangebot. Teilgenommen haben auch Schulleiterin Karin Rittig und Konrektorin Verena Rau.

Die Baukosten

Das Architekturbüro erstellt in Abstimmung mit den Brandschutz-Ingenieuren, der Verwaltung und der Schulleitung die Genehmigungsunterlagen. Die geschätzten Baukosten liegen laut Sitzungsvorlage zwischen 770 000 Euro und 880 000 Euro brutto. Das Honorarangebot der Architekten liegt bei pauschal 32 000 Euro brutto.

Das sagen die Gemeinderäte

Miguel Pires Marques (GFW) forderte, dass die Maßnahmen nicht mit der geplanten energetischen Sanierung von Hallenbad, Turnhalle und in der 1969 gebauten Schule in Konflikt kommen dürfen. Im Haushalt 2025 sind 550 000 Euro für den Brandschutz in der Schule eingestellt und 2026 noch mal 300 000 Euro, informierte Bürgermeister Jens Häußler auf die entsprechende Frage von Marques.

„Die Brandschutzmaßnahme schneit zur Unzeit rein“, fand Bettina Schöttmer (BU) und wollte wissen, was in Bezug auf die verbindliche Ganztagsbetreuung ab 2026 noch auf die Gemeinde zukomme. Die Brandschutzmaßnahmen sind keine energetische und auch keine Innensanierung, betonte Speitelsbach und wurde energisch: „Wir sind schon vier Jahre zu spät dran und müssen das zur Sicherheit der Kinder jetzt machen“. Die generelle Sanierung der 56 Jahre alten Schule sei auch immer wieder aufgeschoben worden, „es regnet grad wieder rein, wir haben die Schule kaputtgespart“, findet Speitelsbach.

Wolfgang Hämmerlin (BU) fragte, wie es sein könne, den Brandschutz sechs Jahre vor sich herzuschieben und welcher Teil davon in den 800 000 Euro stecke. „Ich weiß es nicht, ich bin erst seit 2022 hier und will es jedenfalls nicht weiter verantworten“, sagte Speitelsbach.

Jürgen Groß (BU) stellte einen Geschäftsordnungsantrag zur Vertagung des Tagungsordnungspunktes: „Mir fehlt ein Gesamtkonzept für die Sanierung von Schule, Turnhalle und Hallenbad“. Sein Antrag wurde bei fünf Ja- und acht Nein-Stimmen abgelehnt. Wobei Klaus Böttinger (GFW) auch forderte, sich im Technischen Ausschuss und zusammen mit den Fachleuten mit einem Gesamtkonzept zu beschäftigen.

Simon Klass (BU) hätte gerne vertagt. „Die Vorgaben werden immer restriktiver, da steckt auch eine Lobby dahinter. Ich plädiere dafür, uns dran zu machen, wenn wir uns um alles kümmern.“ Er frage sich, warum der Brandschutz fast eine Million kostet, wenn es doch „nur“ um Türen gehe. „Ich kann das heute guten Gewissens ablehnen, ich habe noch nicht gehört, dass reihenweise Schulen abbrennen.“ Das brachte Speitelsbach auf: „Dann will ich ein schriftliches Statement vom Gemeinderat, weil das kann ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, es geht um Menschenleben“.

So äußert sich die Schulleitung

Ja, das Gebäude müsse saniert werden, beim nächsten Heizungsrohrbruch kollabiere das ganze Heizungssystem, machte Rittig mehr als deutlich. Jedoch kollidiere die Brandschutzmaßnahme nicht mit anderen Sanierungsmaßnahmen. Sie sei bei der Begehung 2018 schon dabei gewesen, „danach wurden die Fluchtwege gemacht, weil Frau Rittig jemand kennt, der das macht, das ist aber nicht meine Aufgabe. Der Brandschutz ist jetzt das dringendste“, sagte sie.

Den Planungsauftrag an die Architekten Stuible-Schlichtig hat der Gemeinderat schließlich gegen die Stimmen von Groß und Klass vergeben.