Frust pur: Ramon Hendriks (li.) und Deniz Undav während der 0:5-Pleite gegen den FC Bayern. Foto: Baumann/Volker Mueller

Eine gute halbe Stunde reicht nicht, um den FC Bayern zu gefährden: Der VfB kassiert nach einer schwachen Leistung die erste Heimniederlage – Harry Kane trifft dreifach.

Eines muss man den VfB-Profis zugute halten: Es fehlte ihnen nach der 0:5-Pleite gegen den FC Bayern nicht an der nötigen Selbstkritik. „Nach der Pause sind wir nur hinterher gelaufen, waren immer einen Schritt zu spät“, sagte Angelo Stiller, „es war eine bodenlose zweite Halbzeit.“ Und Deniz Undav meinte: „Wir wollten eins gegen eins spielen, das haben wir nicht hinbekommen – die haben uns einfach fertig gemacht. Es war ein Zwei-Klassen-Unterschied, das ist echt traurig gewesen.“

 

Hätten die VfB-Kicker auch nur annähernd so gut gespielt wie hinterher analysiert, die Partie wäre anders verlaufen. Doch eine gute halbe Stunde reichte nicht, um den FC Bayern in Verlegenheit zu bringen. „Wir haben zwar vorübergehend in der ersten Hälfte das Momentum verloren“, sagte Gäste-Coach Vincent Kompany, „doch wir haben dank unserer Körperlichkeit und unserer Tiefe eine wesentlich bessere zweite Halbzeit gespielt.“

Sebastian Hoeneß: „Das war total unnötig“

Da konnte Sebastian Hoeneß schwerlich widersprechen. „Das erste Gegentor hätten wir besser verteidigen können, das war nicht der Start, den wir gerne gehabt hätten“, sagte der VfB-Trainer nach der ersten Heimniederlage der Saison, „ab der 20. Minute war die Partie offen, da haben wir dem FC Bayern Probleme bereitet – doch mit dem zweiten Gegentor haben wir das Spiel aus der Hand gegeben, das war total unnötig. Den Rest zu sehen, war dann kein gutes Gefühl mehrt.“

Sebastian Hoeneß hatte in der Defensive auf Schnelligkeit gesetzt, die Innenverteidigung in der Viererkette bildeten Ramon Hendriks und Ameen Al-Dakhil, Abwehrchef Jeff Chabot und Finn Jeltsch saßen draußen. Doch der Plan ging nicht auf: Hendriks und Al-Dakhil rannten – wie auch ihre Kollegen – ihren Gegenspielern zu oft hinterher. Dabei hatte FCB-Trainer Vincent Kompany nicht nur Serge Gnabry, Alexander Pavlovic und Lennart Karl zunächst einen Platz auf der Bank verordnet, sondern auch Superstar Harry Kane. Trotzdem gingen die Bayern nach einer dominanten Anfangsphase in Führung: Konrad Laimer veredelte einen Pass von Michael Olise (11.) mit der Hacke.

Der Treffer von Nikolas Nartey zählt nicht

Anschließend ließen es die Gäste ruhiger angehen. Der VfB war eine gute halbe Stunde lang ebenbürtig, erzielte durch einen Kopfball des überzeugenden Nikolas Nartey den vermeintlichen Ausgleich, der jedoch wegen einer ganz knappen Abseitsstellung vom Video-Assistenten annulliert wurde. Danach vergab Chema Andres die beste Chance, nach Vorarbeit von Nikolas Nartey strich sein Schuss aus elf Metern kurz vor der Pause knapp am Pfosten vorbei. Das machte Hoffnung für die zweite Hälfte – die jedoch zu einem Debakel wurde.

Beim ersten seiner beiden Patzer hatte VfB-Torwart Alexander Nübel Glück: Der Ball trudelte am Tor vorbei. Foto: Baumann/Volker Mueller

Der VfB war nach dem Wechsel bis auf einen abgefälschten Schuss von Deniz Undav, den FCB-Torwart Jonas Urbig, der Manuel Neuer vertrat, gut parierte, absolut chancenlos. Dafür wurde das Defensiv-Chaos von Minute zu Minute größer. Die Gastgeber hatten keinerlei Zugriff mehr aufs Spiel und verloren viel zu viele Zweikämpfe, was der Tabellenführer gnadenlos ausnutzte. „In der letzten halben Stunde“, sagte Harry Kane, „haben wir den VfB bestraft.“ Woran der Torjäger nicht ganz unbeteiligt gewesen ist.

Obwohl Harry Kane erst in der 60. Minute eingewechselt worden war, gelangen ihm noch drei Treffer. Zunächst machte der Engländer per Weitschuss das 2:0 (66.), dann leistete sich VfB-Keeper Alexander Nübel den zweiten schweren Patzer der Partie. In der ersten Hälfte war der Ball nach einem Olise-Schlenzer, den er hatte durchrutschen lassen, noch am Tor vorbeigetrudelt. Der Schuss von Josip Stanisic, den Nübel hätte halten müssen, landete dann aber zum 0:3 im Netz (78.) – mit solchen Leistungen riskiert der VfB-Torhüter seinen Platz im Kader des Nationalteams. Einen ähnlich unglücklichen Auftritt hatte Lorenz Assignon.

Der eingewechselte Rechtsverteidiger leistete sich in der 80. Minute eine ziemlich sinnlose Aktion. Kurz vor der Torlinie wehrte er einen Schuss, der das 0:4 bedeutet hätte, mit dem Arm ab. Assignon sah die Rote Karte, Harry Kane verwandelte den Elfmeter. Und wenig später setzte der Engländer nach Vorarbeit von Michael Olise mit dem 0:5 (88.) den Schlusspunkt. Nach dem Abpfiff stellten sich die VfB-Profis reichlich niedergeschlagen vor ihren Fans in der Cannstatter Kurve auf. Sie waren total enttäuscht, vor allem von sich selbst. „Es ist“, sagte Deniz Undav, „eine sehr, sehr schwache Leistung von uns gewesen.“