Die „Klingende Bergweihnacht“ mit Stefan Mross, Alexandra Hofmann, Nadin Meypo und den „Trenkwaldern“ in der Balinger Stadthalle wird zum Heimspiel.
Die „Klingende Bergweihnacht“, die Revue mit Stefan Mross und Stars der Schlager- und Volksmusik in der gut gefüllten Stadthalle, ist auch in diesem Jahr ein großes Familienfest geworden, denn die Balinger Fans volkstümlicher Musik sind eine eingeschworene Gemeinde.
Es wird gelacht, geklatscht, geschunkelt und mitgesungen. Alle Sorgen und Probleme, sagt gleich zu Beginn schon Nadin Meypo, die durch den Abend führt, solle man für ein paar Stunden draußen lassen. Danach könne man sie ja dort wieder einsammeln und nach Hause mitnehmen. Dem guten Rat folgen die Zuschauer gerne und feiern gut drei Stunden lang mit.
Locker-flockig kündigt Nadin Meypo die „Trenkwalder“ an, die seit Jahren Stammgäste der Show sind. „Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder“, singen die Tiroler „Buam“, die unter anderem auch die Titelmelodie für die TV-Serie „Der Bergdoktor“ geschrieben haben, und sorgen gleich darauf mit Hits wie „Halli, hallo, die Räuber“ und „Sein Tiroler Liebeslied“ für Stimmung im Großen Saal.
Seit 35 Jahren stehe er auf der Bühne, erzählt Frontmann „Hubsi“ Trenkwalder. Als kleiner Junge habe er sein erstes Akkordeon geschenkt bekommen und seither immer Musik gemacht. Und ja, er sei gerne wieder in Balingen. Nebenbei erzählt er auch, dass er auf der Herfahrt in zwei Blitzer-Fallen geraten sei.
Nadin Meypo erzählt von ihrer Tochter
Nicht nur der „Hubsi“ plaudert aus dem Nähkästchen. Nadin Meypo erzählt von ihrer Tochter, die 20 ist und in Österreich lebt und die sie gerne bei sich hätte, singt von einem 17-jährigen Mädchen mit blauen Augen und Liebeskummer („Donna Blue“ von Andreas Fulterer) und verrät, wie sie selbst vor ein paar Jahren in einer Disco ihre große Liebe gefunden habe: „Es hat ‚Bumm!‘ gemacht!“ Und dabei gehe sie normalerweise gar nicht in Diskotheken. Und sie verrät auch, wie es zwischen ihr und Alexandra Hofmann zu einer „Ost-West-Liebe“ zwischen einer Brandenburgerin und einer Schwäbin gekommen sei: „Im Herzen warn wir immer eins“, singen sie gemeinsam in dem Titel „Über den Dächern von Berlin“.
Alexandra Hofmann, in Balingen spätestens seit den gemeinsamen Auftritten mit ihrer Schwester Anita bestens bekannt, hat das Publikum rasch auf ihrer Seite – nicht nur mit Titeln wie „Weil du bist, wie du bist“ und „Die kleine Kneipe am Ende der Straße“, sondern auch mit bekannten Italo-Hits wie „Bello e impossibile“ von Gianna Nannini oder „Volare, cantare“ von Domenico Modugno, wobei sie auf ihre italienischen Wurzeln väterlichseits verweist.
Nadin Meypo versucht sich als Chansonistin
Nicht nur sie singt in einer anderen Sprache. Auch Nadin Meypo versucht sich als Chansonistin mit „Non, je ne regrette rien“ von Edith Piaf oder swingend mit „Let It Snow“ von Frank Sinatra.
Und dann kommt Stefan Mross. Balingen, sagt er, kenne er bestens. Und erzählt von einer „alten Oma“, die ihn in einer Tankstelle in Balingen erkannt habe und sofort ein Selfie mit ihm machen wollte. Und von seiner Mama, die jede Zeitung der Regenbogenpresse lese, um zu erfahren, was ihr Sohn noch angestellt habe und mit wem er wie viele Kinder habe. Und er verrät auch, dass er zwar 50 geworden sei, aber nie erwachsen werden wollte: „Tief in mir bin ich ein Kind geblieben.“
Aus Nah und Fern
Zwischendurch kalauert der Entertainer und erkundigt sich, woher die Gäste aus der ersten Reihe denn kommen. „Balingen“, hört er. Bei „Belgien“ sprudeln ein paar Worte auf Flämisch heraus. Und dann sitzt da jemand aus Bisingen. Kenne er, sagt Mross, und als es lautes Gelächter aus dem Publikum gibt, fragt er doch noch nach: Wo das denn sei? „Hinter Balingen“, wird er belehrt. Bei der „Burg Hohenzollern“. Nie gehört. Und die Dame daneben? „Aus Dautmergen“. Da wird schon gelacht. „Dautmagen?“, fragt der Entertainer. Das passe ja gut zu Darmstadt oder Pforzheim. Schwierig sei dieser Dialekt, meint der „halbe Österreicher“, schlussfolgert aber, dass Baden-Württemberg und Bayern die „schönsten Mundarten“ haben.
Medley aus großen Hits von Udo Jürgens
Gerne gehört ist das Medley aus großen Hits von Udo Jürgens, bei dem alle Künstler auf der Bühne stehen. Bei „Merci, Chérie“, „Aber bitte mit Sahne“ und „Ich war noch niemals in New York“ wird gerne mitgesungen. Und bei Nicoles Eurovision-Titel von 1982 „Ein bisschen Frieden“ werden nicht wie seinerzeit die Feuerzeuge, sondern die Handy-Lichter geschwenkt. Der Friedenswunsch bekommt in einer Zeit, in der auch zu Weihnachten Bomben auf Wohngebiete fallen und Menschen töten, eine ganz besondere Bedeutung. Zusammengehörigkeit ist wichtiger denn je.
Besinnlich und weihnachtlich
Nach der Pause wird es besinnlich und weihnachtlich. „Leise rieselt der Schnee“, auch wenn das in Balingen im Augenblick gar nicht der Fall ist. Die „Trenkwalder“ marschieren in langen Kutten mit Laternen ein und erinnern an den alten Tiroler Brauch des „Anklopfens“ zur Weihnachtszeit: Jugendliche ziehen durch den Ort, singen Weihnachtslieder und hoffen, „dass irgendwo eine Tür aufgeht“.
Stefan Mross liest eine kurze Weihnachtsgeschichte vor
Stefan Mross liest unter dem Christbaum eine kurze Weihnachtsgeschichte vor, in der es um die vier Adventskerzen geht. Sie stehen für Frieden, Liebe, Glaube und Hoffnung. Die ersten drei erlöschen, weil viele Menschen daran nicht mehr interessiert sind. Aber die vierte und letzte brennt weiter und gibt von ihrem Licht an die anderen ab.
„Immer wieder Sonntags“ in Balingen?
Mit dem bekannten Weihnachtslied „Feliz navidad!“ von José Feliciano endet die Revue. Viel Applaus gibt es. So viel, dass Stefan Mross vorschlägt, seine Schlagersendung „Immer wieder Sonntags“ in den nächsten beiden Jahren aus dem EuropaPark nach Balingen zu verlegen. Und als die Besucher schließlich gehen, bleibt ihnen ein Lied im Ohr. Vielleicht das Lied von „Weihnachten, wie’s früher war“. Für manch einen ist es die Sehnsucht nach den Weihnachten der Kindheit.