Der Sommer ist vorbei, die Temperaturen deutlich gesunken - und trotzdem sind noch immer Stechmücken unterwegs und bereiten uns schlaflose Nächte. Doch sterben die surrenden Plagegeister im Winter nicht eigentlich? Ab wann haben wir endlich ruhigere Nächte?
Jeder kennt es: Man legt sich abends ins Bett, macht das Licht aus und nach wenigen Minuten hört man ein unangenehmes „Ssssss..“. Mist. Eine Stechmücke ist im Schlafzimmer. Aber ist das zu dieser Jahreszeit eigentlich normal? Sterben die nervigen Insekten nicht, wenn es kälter wird?
„Nicht unbedingt“, sagt Doreen Werner, Diplom Biologin und Mückenforscherin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg. In Deutschland gebe es etwa 52 verschiedene Stechmückenarten. „Manche von diesen überwintern als Ei, manche als Larve, manche aber auch als ausgewachsene Tiere“, erklärt die Wissenschaftlerin. Jedoch in der Regel nur die Weibchen, da die Männchen im Herbst sterben.
Die Weibchen verfügen über ein sogenanntes „Spermatheca“. Das sind Samentaschen, in welchen die Spermien der Männchen gelagert werden. Sie können dort mehrere Monate überleben, so dass eine einmalige Paarung ausreicht, bevor die Männchen sterben. Die Diplom Biologin erklärt: „Die Stechmücken kommen dann in die Wohnung, um sich ein kuscheliges Plätzchen zu suchen. Dort bleiben sie dann bis Ende März oder Anfang April.“
Erreger werden auf Menschen übertragen
Zwischendurch nehmen sie gegebenenfalls mal eine Blutmahlzeit, sagt Werner. Im Blut sind wichtige Nährstoffe für die Eier, die während der Winterruhe reifen. „Normalerweise ernähren sich Stechmücken aber von Nektar und Pflanzensäften“, erklärt die Wissenschaftlerin weiter. Im Frühling, wenn die Winterruhe vorbei ist, legen die Stechmücken ihre befruchteten Eier in einer geeigneten Umgebung. Beliebt ist stehendes Wasser: „Die Mücken mögen es feucht und warm“, weiß die Diplom Biologin.
Wenn Stechmücken nicht gerade Winterruhe halten, leben sie meist zwischen vier bis sechs Wochen. Die Insekten, die uns auch in den kalten Monaten in unseren Schlafzimmern heimsuchen, seien meist gewöhnliche Hausmücken, wie die Forscherin erklärt. Die rund 52 verschiedenen Arten können unterschiedliche Erreger auf den Menschen übertragen, wenn sie zustechen. „Meistens haben wir dann grippeartige Symptome mit mildem Verlauf. In der Regel wissen wir gar nicht, dass eine Stechmücke die Ursache für unsere Unwohlsein ist“, weiß Werner.
Wissenschaftler untersuchen eingesendete Mücken
Das kann im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg jedoch untersucht werden: Gelingt es, die Stechmücke lebend mit einem Glas oder einem ähnlichen Gegenstand zu fangen, könne man diese einfrieren und anschließend in einer Streichholzschachtel oder einer Tic Tac-Dose mit dem zugehörigen Formular einsenden.
Vor Ort werde das Insekt dann untersucht, um herauszufinden, welche Mückenarten wo und wann vorkommen und, um gesundheitliche Risiken besser einschätzen zu können. Als Dankeschön antworte das Forschungsteam mit Informationen zur Stechmücke. Zur kalten Jahreszeit bekomme die Gruppe etwa 20 bis 30 Einsendungen im Monat. „Im Sommer sind das aber schon so 120 pro Tag“, berichtet die Wissenschaftlerin.
Viel Arbeit für die Mückenforscher. „Aber wir freuen uns über jede Einsendung und sind froh, wenn wir so neue Erkenntnisse über die Stechmücken gewinnen können.“