Das Restauratoren-Wochenende auf der Burg Hohenzollern macht eine große Aufgabe sichtbar. Es geht um die Rekonstruktion eines besonderen Zimmers.
Experten aus neun verschiedenen Gewerken ließen sich über die Schulter schauen. Beim diesjährigen Hauptprojekt – die Rekonstruktion des Schlafzimmers der Königin – waren vor allem die Holzrestauratoren gefragt.
Baustelle vorm Blauen Salon
Eine raumfüllende Baustelle erwartete die Besucher direkt vor dem Blauen Salon: Das Schlafzimmer der Königin wird derzeit in seinen historischen Originalzustand zurückversetzt. Wie Kurator Stefan Schimmel erklärte, wurde der Raum in den 1950er Jahren in eine Bildergalerie umgestaltet. Dazu habe man damals den Großteil der Wandvertäfelung entfernt und eingelagert.
Die Holzexperten Anja Bachmann und Jörg John vom Restaurierungsatelier Blankenhain nahmen sich der historischen Eichenholz-Paneelen an und besserten Fehlstellen aus, schnitzten und tischlerten verschollene Ornamente und Zierleisten nach und bauten die Wandvertäfelung wieder fachgerecht an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort ein. Inklusive Kleiderschrank und Klosettraum. Und wie Clemens Haußmann, der Vorsitzende des Freundeskreises der Burg Hohenzollern, berichtete, finanziere der Förderverein dieses Großprojekt mit 76.000 Euro.
Wandfassung wieder sichtbar
Max Götter aus Hechingen, Fachmann für Wandgemälde und Stuckarbeiten, war ebenfalls im Schlafzimmer der Königin am Werk. An der Wand über der Holzvertäfelung nahm er eine Sondage vor, indem er im nachträglich aufgebrachten Verputz ein Sichtfenster freilegte, das die historische Wandfassung zum Vorschein brachte. Dadurch ist es dem Restaurator nun möglich, neben der originalen Wandfarbe auch das Wandmuster zu bestimmen, um eine Schablone anfertigen zu können, mit der die ursprüngliche Wandfassung von 1867 nachempfunden werden kann.
200 Jahre altes Gemälde aufgefrischt
In der Fürstenwohnung konnten die Besucher bei Susanne Kleindienst aus Glatt miterleben, wie ein historisches Ölgemälde vom Schmutz der letzten 200 Jahre befreit wird. Währenddessen ließ sich Metall-Restaurator Ulrich Weidauer aus Meerane in der Bibliothek bei der Aufarbeitung der Silberbeschläge der Epauletten der Uniform Kaiser Friedrichs III. über die Schulter schauen. Eben diese Schulterstücke übernahm dann Christine Supianek-Chassey. Die Expertin aus Erfurt hat sich auf die Restaurierung von Textilien spezialisiert und kümmerte sich im Burghof um das fachgerechte Unterpolstern der imposanten Uniformteile.
Nebenan erklärte Torsten Bäz von der Seidenmanufaktur Eschke aus dem sächsischen Crimmitschau spannend und anschaulich, wie ein historischer Stoff so originalgetreu wie möglich nachgewoben wird. Hierzu greift er auf die Hilfe von Matthias Golle aus Plauen-Jößnitz zurück, der sich als Textilrestaurator unter anderem auf das Polstern historischer Sitz- und Liegemöbel versteht. Beim Abnehmen der alten und ausgeblichenen Stoffe achtet er darauf, dass er winzige Fadenreste aus den Nagelkanten sichert, die noch die Originalfarbe aufweisen. Anhand dieser „kleinen Schätze“ kann Torsten Bäz unter dem Mikroskop dann die damaligen Farbtöne eruieren.
Mit Hammer und Meißel
Gegenüber drehte Simone Howe am Rad. Genauer gesagt am Biesen-Rad. Die Textilmustergestalterin fertigte aus Seidenfäden Biesenschnüre, aus denen Fransen für Quasten entstehen, die unter anderem als Vorhang-Posamenten zum Einsatz kommen – besser bekannt als Bommel. Und da Stein ein äußerst wichtiger Baustoff einer Burg ist, zeigten Steinmetze der Firma Zedler Restaurierung aus Ober-Flörsheim, wie mit Hammer und Meißel gearbeitet wird.
Die jungen Besucher konnten sich bei den jeweiligen Restauratoren auch selbst mal handwerklich versuchen, in der Seilwerkstatt des Freiburger Spielmobils ein eigenes Hüpfseil fertigen, sich in der Klötzlebaustelle verwirklichen und kleine Kronen basteln. Außerdem informierte der Freundeskreis der Burg Hohenzollern im Burghof über seine Vereinsaktivitäten.