Mit der Förderzusage des Landes hat der Planungskrimi des Gärtringer Schlachthofs ein Happy End. In Rottenburg ist nach wie vor weder die Finanzierung noch ein Standort gesichert.
Die Erleichterung im Böblinger Landratsamt muss riesig gewesen sein. Mit der Förderzusage des Landes, die nun formal einging, ist die Finanzierung des Schlachthofumbaus in Gärtringen unter Dach und Fach. „Nach einem langen und steinigen Weg hat der Schlachthof-Krimi von Gärtringen nun sein wohlverdientes Happy End gefunden“, so der Böblinger Landrat Roland Bernhard.
Gärtringen fünf Jahre zu
Seit über fünf Jahren ist der Gärtringer Schlachthof geschlossen. Nach Verstößen gegen das Tierrecht soll er grundlegend umgebaut werden, Tierwohlkriterien stehen dabei ganz oben. Die Ausschreibungen sind bereits gelaufen, die Angebote der Firmen sind eingegangen. „Die Baufirmen stehen in den Startlöchern“, sagt Landrat Bernhard.
Derzeit auf Standortsuche Während in Gärtringen wohl in Kürze die Bagger anrücken, kommen die Pläne für den Umbau des Rottenburger Schlachthofs oder vielmehr dessen Neubau an einem anderen Standort nur schleppend voran. Mitglieder der Betreibergesellschaft hatten bereits 2025 gesagt, dass die Sanierung des alten Schlachthofs aus wirtschaftlichen Gründen eher nicht in Frage komme. Derzeit sei man „auf Standortsuche“.
Noch kein Standort
Bei der Stadtverwaltung ist das Thema dem Dezernat der neuen Finanzbürgermeisterin Manuela Beck zugeordnet. Mit ihr sind die Metzger und Landwirte, die die Betreibergesellschaft gründen wollen, „im Gespräch“. Zu möglichen Standorten wollen derzeit weder Verwaltung noch Betreiber konkrete Angaben machen. Eine Eignungsprüfung der Standorte müssten die künftigen Betreiber bezahlen.
Wer zieht noch mit?
Die potenziellen Nutzer eines neuen Schlachthofs werden sich nach der Fasnet erneut treffen, sagt deren Sprecher Markus Maier. Dabei geht es auch darum, herauszufinden, wer noch hinter der Idee eines regionalen Schlachthofs in Rottenburg stehe – und sich finanziell engagieren will und kann.
Einfacher ohne Gärtringen
Die Vollzugsmeldung aus Gärtringen spielt dabei eine Rolle. Der Gärtringer Schlachthof, an dessen Wiedereröffnung es immer wieder Zweifel gab, könnte Kunden des Rottenburger Schlachthofs abziehen, da beide unter dem Label „Tierwohl“ zumindest teilweise um dieselbe Klientel werben. „Einfacher gewesen wär’s ohne den Gärtringer Schlachthof“, sagt Maier.
Bindungsfrist abgelaufen Seit Ende Januar ist zudem die Bindungsfrist des Bürgerentscheids abgelaufen, bei dem vor drei Jahren mehrheitlich für den Erhalt des Rottenburger Schlachthofs am bisherigen Standort abgestimmt wurde. Die Verwaltung muss den Bürgerentscheid nun nicht mehr umsetzen. Sie sei aber weiterhin interessiert an einer guten Lösung. „Sonst wären wir nicht mit den Betreibern im Gespräch“, so die städtische Sprecherin Birgit Reinke auf Anfrage.
Neuer Planer, neuer Plan Im Böblinger Landratsamt rechnet man mit dem baldigen Beginn des Umbaus. Dieser hatte sich mehrfach verschoben, zuletzt, weil die Planung des Büros Falkenstein (das auch die große Variante der Rottenburger Schlachthofsanierung entworfen hatte) nicht mit den zur Verfügung stehenden zehn Millionen Euro umzusetzen war. Deshalb übernahm ein neues Planungsbüro: Kuon Architekten und Ingenieure aus dem bayrischen Ingoldingen. Diese setzten eine Planung auf, die den Kostenrahmen einhielt. Damit hatte sich der Baubeginn jedoch erneut verzögert. Dabei war der zugesagte Vier-Millionen-Zuschuss des Landes an die Falkenstein-Planung und den Baubeginn 2025 geknüpft.
Bauzeit von einem Jahr
Mit der erneuerten Förderzusage des Landes (vier Millionen Euro) kann nun gebaut werden. Drei Millionen Euro finanziert der Landkreis Böblingen per Zuschuss, weitere drei Millionen Euro per Kredit an die Betreibergenossenschaft. Im Landratsamt geht man von einer Bauzeit von etwa einem Jahr aus. Landrat Bernhard: „Die meisten hatten den Schlachthof schon abgeschrieben, aber wir haben es geschafft. Jetzt blicken wir nach vorn und freuen uns auf einen schnellen Baustart.“