Im Oktober 2023 wird Nicole Müller am Ironman-Triathlon auf Hawaii teilnehmen. (Archiv) Foto: Frei

Nicole Müller hat sich selbst mit einem tollen Wettkampf belohnt, nun darf die 24-Jährige beim bekannten "Ironman"-Triathlon auf Hawaii teilnehmen. Das aber ist mit einer gewissen Herausforderung verbunden.

Schramberg - In der kleinen italienischen Stadt Cervia, direkt an der Adria, hat sich im September dieses Jahres für die Sulgenerin Nicole Müller völlig unverhofft ein Traum erfüllt. Da siegte sie in ihrer Altersklasse bei einem Triathlon-Wettkampf. Und das war nicht irgendein Wettkampf – es war ein Ironman-Triathlon.

Dieser Ironman, wofür der Triathlon-Sport weltweit bekannt ist, steht im Grunde für zwei Dinge. Zum einen für die Länge: Die Ironman-Distanz besteht aus 3,8 Kilometern schwimmen, 180 Kilometern auf dem Rad und – als ob das nicht bereits anstrengend genug wäre – abschließend ein knapp mehr als 42 Kilometer langer Marathon-Lauf. Zum anderen steht Ironman für eine geschützte Marke – einer Serie von Wettkämpfen, die von der "World Triathlon Corporation" umgesetzt wird. Wenn ein Sportler einen Wettkampf aus dieser Serie gewinnt, erhält er eine Einladung für die jährliche Weltmeisterschafts-Konkurrenz: den Ironman auf Hawaii. Das hat Müller in Italien geschafft.

Intensive Vorbereitung und Quäntchen Glück

Dahinter steckt viel Arbeit, erklärt die 24-Jährige. "Die intensive Phase der Vorbereitung dauert drei Monate. Da sag’ ich auch mal scherzhaft zu meinen Freunden, dass ich dann mal so lange weg bin", sagt Müller und lacht. Weil man die anderen Sportler aus der Altersklasse kennt und über Social Media verfolgt, ging Müller eigentlich davon aus, dass zumindest eine Konkurrentin in Italien stärker als sie einzuschätzen ist.

Nur: "Ein Triathlon-Wettkampf über diese Distanz ist unberechenbar, weil man den Körper im Training nie einer so langen Zeit dieser Intensität aussetzt. Wie der am Wettkampftag also letztlich reagiert, kannst du nicht vorhersagen." In Italien kam Müller das zugute: Ihre Haupt-Konkurrentin brach beim Lauf in Führung liegend mit Krämpfen ein, während die Sulgenerin einen Top-Tag erwischte. "Nur" knapp zehn Kilometer vor dem Ende des Marathons ging Müller in Führung – und hatte nach knapp zehn Stunden Wettkampf satte 13 Minuten Vorsprung.

Derzeit beim Studium

Der Wettkampf auf Hawaii steht im Oktober 2023 an – zur sportlichen Vorbereitung ist also genügend Zeit. Das passt Müller ganz gut in den Kram – die Physiotherapeutin macht derzeit ein duales Aufbaustudium zum Bachelor-Abschluss "Interprofessionelle Gesundheitsversorgung". Sie arbeitet im Dreimonatswechsel im Schramberger Vitapilio und besucht Vorlesungen in Lörrach – im Frühjahr steht dazuhin ihre Bachelor-Arbeit an. "Im März bin ich damit fertig – hoffentlich", sagt sie und lächelt.

Für den Wettkampf dürfte das ganz gut reichen, "wenn ich dann mit den Grundlagen starte. Ich halte mich bis dahin ja trotzdem fit. Ich treibe, wenn möglich, täglich Sport. Nicht nur aus Ehrgeiz, auch als Ausgleich", sagt sie. Neben Triathlon – den sie inzwischen bei der Bundesliga-Mannschaft in Tübingen betreibt, aber gleichzeitig natürlich ihrem Herzensverein Tria Schramberg die Treue hält – hat Müller früher geturnt, geht gerne klettern oder langlaufen. "Das machen übrigens viele Triathleten im Winter, um sich fit zu halten."

Wie ein Prinzessinnen-Traum

Dass es für sie nun nach Hawaii gehen kann, ist für die 24-Jährige etwas Besonderes: "Mein Papa war dort auch schon Teilnehmer", sagt sie stolz. Wenn sich irgendwann herauskristallisiere, dass man als Triathlet auf den langen Distanzen gut ist, fange "zwar jeder mal ein wenig mit dem Träumen an". Aber dennoch bleibt die Weltmeisterschaft auf dem US-Insel-Bundesstaat für die meisten Sportler ein ewiger Traum: "Es ist, als ob jemand sagt: ›Du wird ’ne Prinzessin.‹ Und jetzt wache ich auf und es passiert. Das ist schon krass."

Teures Geschäftsmodell

Weitaus weniger märchenhaft ist allerdings das Begleitprogramm. Erwähnte "World Triathlon Corporation" ist nicht etwa ein Welt-Sportverband. Es ist ein als solches agierendes kommerzielles Unternehmen. Die Sportler wie Müller, die einen der Vorentscheide gewinnen, müssen sich quasi noch beim Ausschnaufen während der Siegerehrung verpflichtend entscheiden, ob sie die Qualifikation wahrnehmen und einen der wenigen begehrten Starterplätze haben wollen. Drüber schlafen ist nicht. Das Startgeld: 1500 Euro. Am besten, das wird direkt per Kreditkarte überwiesen.

Crowdfunding gestartet

Mit Flug- und Hotelkosten – im Idealfall sind die Sportler eine Woche lang vor Ort, um sich zu akklimatisieren – kostet das Erfüllen des Traums 10.000 Euro aufwärts. Um das zusammen zu bekommen, ist Müller hauptsächlich auf der Suche nach Sponsoren, vor allem Unternehmen. Geraten werde den Sportlern, die sich die Teilnahme nicht aus der Portokasse leisten können, aber, "über alle Kanäle Geld zu sammeln", so die Sulgenerin. Deshalb hat sie nun ein 50-tägiges sogenanntes Crowdfunding gestartet, also eine Art Gruppenfinanzierung freiwilliger Helfer eines Projekts über das Internet. Auf https://www.toyota-crowd.de/ironman-nicole stellt Müller sich und den Grund ihres Sammelns vor und freut sich über jeden, der sich auch mit kleinen Beträgen dazu entscheidet, sie zu unterstützen. Stand Mittwochmittag sind bereits 3185 Euro zusammengekommen.