Im Friseursalon des Gottlob-Freithaler-Hauses ist eine Corona-Teststation eingerichtet. Gekennzeichnete Laufwege und Sitzplätze lassen Testpersonen den notwendigen Abstand einhalten.Foto: Sozialgemeinschaft Schiltach/Schenkenzell Foto: Schwarzwälder Bote

Corona: Sozialgemeinschaft Schiltach/Schenkenzell hat hauseigene Teststation

Schiltach/Schenkenzell. Anstatt sich mit dem Friseur im hauseigenen Salon gleich neben der Eingangstür zu einem schicken Haarschnitt zu beraten, gibt es im Pflegeheim Gottlob-Freithaler-Haus der Sozialgemeinschaft Schiltach/Schenkenzell (SGS) eine Abreibung – mit dem Wattestäbchen in Rachen und Nase. Denn seit rund zwei Wochen werden alle Besucher auf das Coronavirus getestet und niemand besucht dort seine Angehörigen, der nicht ein negatives Testergebnis vorweisen kann.

Zum Schutz der Senioren stehen jedem Bewohner eines Pflegeheims aktuell 30 Schnelltests monatlich zur Verfügung. Diese werden nicht nur zur Testung von deren Besuchern verwendet, sondern auch für die der Bewohner selbst und der Pflegekräfte sowie aller weiteren Mitarbeiter der Einrichtung –mehrfach in der Woche.

Damit reagierte die SGS nach eigenen Angaben als eine der ersten Pflegeeinrichtungen im Landkreis Rottweil auf stetig steigenden Corona-Infektionszahlen und setzt die neuen Strategien, die die Regierung wie selbstverständlich von Pflegeeinrichtungen erwartet, um – zu einem hohen Preis. Denn die ohnehin höhere Arbeitsbelastung durch die Pandemie steigt mit jeder weiteren Corona-Verordnung.

Die Mitarbeiter und Bereichsleitungen tun ihr Bestmögliches um für Schutz und Sicherheit der Bewohner und sich selbst zu sorgen, heißt es in einer Mitteilung. Es müsse ein praktikabler Testraum vor Ort eingerichtet und Personal für das Besuchs- und Terminmanagement sowie die eigentliche Testung bereitgestellt werden. Damit seien Fachkräfte der Einrichtungen gebunden und der Pflege oder Verwaltung entzogen. "Das muss man in einer angespannten Personalsituation, wie in der Pflege üblich, auch erstmal stemmen können", so die geschäftsführende Leitung der SGS Uli Eßlinger.

Politische Lösungen gefordert

Zum "normalen" Personalmangel kämen Engpässe durch Quarantänezeiten von Mitarbeitern, die bei dem auch nur geringsten Verdacht eingehalten werden müssten. Leitungspersonal aus anderen Arbeitsbereichen sowie weitere Mitarbeiter der Verwaltung seien für die Tätigkeit vom Betriebsarzt unterwiesen worden und sprängen für Testungen ein, um das Pflegepersonal auf den Wohnbereichen für ihre dort dringend benötigte Arbeit halten zu können. "Wir schaffen das nur, weil alle über die Maßen mithelfen, was eben nicht selbstverständlich ist", sagt Eßlinger.

Besonders an den Weihnachtsfeiertagen, an denen die Anzahl der Besucher des Gottlob-Freithaler-Hauses besonders hoch gewesen sei, habe es im Friseursalon-Testraum geregelten Dauerbetrieb gegeben. Rund 240 Testungen von Besuchern führten die SGS-Tester seit vergangener Woche durch, zuzüglich den regelmäßigen Testungen aller Kollegen und Bewohner. "Wir sind bereit, alles Nötige für den Schutz unserer Bewohner zu tun. Doch mit gutem Willen allein ist es nicht getan. Es braucht politische Lösungen für eine praktikable Umsetzung. "Wir brauchen mehr Personal um die Vorgaben einhalten zu können", appelliert Eßlinger.

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