Nach seiner Insolvenz 2020 geht es für den Felgenhersteller BBS unter dem Dach der KW Automotive Group weiter. Foto: BBS Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: KW Automotive Group übernimmt BBS ab Juni

Schiltach-Hinterlehengericht. Die Unternehmensgruppe KW Automotive übernimmt den Felgenhersteller BBS. Die Standorte Schiltach und Herbolzheim bleiben erhalten. Das geht aus einer Mitteilung hervor. Trotz Corona-Krise und schwieriger Rahmenbedingungen entwickelten sich die Gespräche zwischen KW Automotive als Investor, Insolvenzverwalter Thomas Oberle und den beteiligten Verhandlungspartnern seitens BBS, dem Betriebsrat und den beteiligten Automobilherstellern positiv.

KW Automotive und Oberle haben demnach bereits im Dezember 2020 einen Vertrag zur BBS-Übernahme abgeschlossen. Sie stehe noch unter einigen vertraglichen Bedingungen, die nun kurzfristig erfüllt werden sollen. Im Juni wird die KW Automotive Group unter der Führung von Klaus Wohlfarth, Inhaber und Geschäftsführer der KW Automotive Group, zusammen mit Unternehmer Mathias R. Albert als Minderheitsgesellschafter die Fortführung von BBS übernehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Zur Erinnerung: BBS musste im vergangenen Jahr am Standort Schiltach Insolvenz beantragen (wir berichteten). Der als Insolvenzverwalter bestellte Thomas Oberle führt seitdem den Geschäftsbetrieb fort und startete eine Restrukturierung und Sanierung. Der folgende Investoren-Suchprozess habe sich aufwändig gestaltet.

Die Arbeitnehmervertretung und die Gewerkschaft IG Metall seien bereits über den Kauf informiert worden. Der Investor habe sich im Vorfeld den Arbeitnehmervertretern präsentiert und sich in einem Anschreiben den BBS-Mitarbeitern vorgestellt. Stefan Prutscher, Politischer Sekretär bei der Geschäftsstelle Freudenstadt der IG Metall, erklärte auf die Anfrage unserer Zeitung zur Übernahme: "Einen besseren Investor hätte BBS nicht finden können, denn die Produkte von BBS und das Geschäft von Klaus Wohlfarth ergänzen sich sehr gut." Die IG Metall rechne damit, dass Wohlfahrt die BBS so umstrukturieren wird, dass sie sich gut entwickeln und in Zukunft am Markt behaupten kann.

"Ich bin stolz, dass eine solche Traditionsmarke zukünftig zur KW Automotive Group gehört", wird Klaus Wohlfarth in der Mitteilung zitiert. Man wolle "die Marke BBS zur alten Stärke zurückzuführen" und mit einer "einer wohl überlegten Erweiterung des Sortiments" sowie Investitionen in Vertrieb und Digitalisierung an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen.

Der Investor bekennt sich laut Mitteilung zum Standort Deutschland und sichere mit seinem Zukunftskonzept "BBS 2024" große Investitionen in neue Fertigungsverfahren, flexible und wettbewerbsfähige Strukturen zu.

Die KW Automotive Group gehört zu den Marktführern im Segment für individuelle Fahrwerksysteme und ist neben dem Hauptstandort in Fichtenberg mit weiteren Produktionsstandorten in den Niederlanden und den USA aktiv. In allen wichtigen weltweiten Märkten verfüge man über eigene Vertriebs- und Serviceniederlassungen. Durch die zur Mitte des Jahres erfolgende Integration von BBS wächst die KW Automotive Group auf weltweit mehr als 750 Mitarbeiter, die ein Umsatzvolumen von mehr als 160 Millionen Euro erwirtschafteten.