Bürgermeister Thomas Haas (links) und Pfarrer Markus Luy wenden sich virtuell an die Bürger.Bildkomposition: Agentur 4Raum Foto: Schwarzwälder Bote

Tradition: Reden werden ins Internet gestellt / Neues in Sachen Radweg und ehemalige Grundschule

Mit Glockengeläut startet der Silvesterzug am Abend des 31. Dezember auch 2020 ­­– und doch ist alles anders als in den vielen Jahren zuvor: Die traditionelle Veranstaltung zum Jahresende findet lediglich digital statt.

Schiltach. Bereits vor Wochen hatte der Gemeinderat entschieden, die Veranstaltung angesichts steigender Infektionszahlen abzusagen (wir berichteten). Stattdessen sollten die Reden von Bürgermeister Thomas Haas und dem neuen evangelischen Stadtpfarrer Markus Luy vorab aufgezeichnet werden. Um 20.30 Uhr dann, also zum Zeitpunkt, an dem sich der Silvesterzug eigentlich immer in Bewegung setzt, wurde das 35-minütige Video ins Internet gestellt.

Pfarrer Markus Luy begrüßt die Zuschauer mit ausgebreiteten Armen in der Stadtkirche – und nicht, wie üblich "aus dem oberen Nordwestfenster im Pfarrhaus". Er steht vor der Krippe, die dieses Jahr "eine ganze Reihe von Geschwistern bekommen" habe, meint er mit Blick auf die Schaufensterweihnacht in Schiltach und Schenkenzell, die er als "besonders schönes Zeichen für das ökumenische Miteinander" bezeichnet.

Luy greift, immer wieder untermalt von stimmungsvollen Aufnahmen aus der Kirche, den Gang auf, zu dem Besucher in der Kirche an Weihnachten eingeladen waren ­– Gottesdienste konnten wegen Corona bekanntlich nicht gefeiert werden. "Dieses Weihnachtsfest und der Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr geben viel Anlass, Danke zu sagen", erklärt der Pfarrer, der Ende Oktober in sein Amt eingeführt wurde. Er bedankt sich etwa bei allen, "die in diesen Wochen und den vergangenen Monaten den Kontakt zu Menschen gesucht und gefunden haben, die kaum aus ihren Häusern konnten oder ganz an ihr Haus gebunden waren" – oder auch bei den vielen, die in der schwierigen Corona-Zeit mit all ihren Einschränkungen "mit ihren Ideen und ihrem praktischen Einsatz und mit ihren Talenten da waren".

Die evangelische Gemeinde erlebe eine Zeit des Umbruchs, sagte Luy mit Blick auf den Abriss des alten Pfarramts und dem bevorstehenden Ende des Martin-Luther-Hauses. Mit Blick auf den Neubau "wächst auch schon ein Stück Vorfreude", so Luy. Für die Zeit des Übergangs "haben wir viel Unterstützung seitens der Stadt Schiltach und des DRK wie auch durch unsere katholische Schwestergemeinde erfahren", ist er dankbar für das Raumangebot für Jugend- und Gremiumsarbeit.

Personell viel passiert

Auch personell habe es in beiden Kirchengemeinden Umbrüche gegeben. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Kaplan Georg Henn, der sich besonders um die Belange der katholischen Seelsorgeeinheit kümmere. Er bedankt sich bei Marlene Schwöbel-Hug, die "den Stab an mich übergeben" hat und die "bleibende Spuren in unserer Gemeinde und unserer Stadt" hinterlasse.

Bevor Bürgermeister Thomas Haas das Wort ergreift, folgen, wie schon zu Beginn des Videos Foto- und Gesangsaufnahmen von früheren Silvesterzügen. "Vermutlich ist es das erste Mal seit rund 200 Jahren, dass der Silvesterzug ausfällt", weist Haas auf die besonderen Umstände in der Corona-Krise hin, die Selbstständige und ältere Bürger "besonders hart" träfen. Haas kritisiert aber auch die zunehmende Zahl der "Superempörten", die sich "lautstark über notwendige Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus beschweren". Er hofft darauf, dass "uns die Corona-Krise dann doch ein wenig den Blick aufs Wesentliche" lehre – denn: "Wir sehen vor lauter Wohlstand den Wohlstand nicht mehr", meinte er auch mit Blick darauf, dass es "80 oder 90 Prozent der Weltbevölkerung auch ohne eine Pandemie weitaus schlechter geht als uns mit diesen Corona-Maßnahmen".

In seinem Rückblick, ebenfalls untermalt von Fotos, geht er auf Projekte ein, die 2020 umgesetzt wurden oder 2021 vorangetrieben werden ­­– etwa die Straßenerneuerung im Baugebiet Bühl oder die Sicherungsarbeiten nach Felsstürzen wie in "Vor Erdlinsbach", die die Stadt "noch auf Jahre hinaus begleiten werden". Das Strukturgutachten zur Wasserversorgung im Außenbereich liege nun vor. Auch "die Diskussionen über verschiedene mögliche Varianten und die Umsetzung der Maßnahme werden uns noch über Jahre beschäftigen", erklärt Haas. Konkreter wird es indes bei der Sanierung der Quellsammelleitung Egenbach ­– sie soll für knapp eine Million Euro erneuert werden. Beim Baugebiet "Hinterm Schloss" ist weiterhin Geduld gefragt: Zum einen seien die Planungen des Landes zur Lage des neuen Fluchttunnels des Schlossbergtunnels noch unklar, zum anderen sorgten die "umfassenden und teilweise nicht nachvollziehbaren Einwendungen des Naturschutzes" für Behinderungen.

Neuer Kindergarten

Dann wendet sich der Bürgermeister "erfreulicheren Entwicklungen" zu: In Sachen Radweg Richtung Wolfach tue sich demnach etwas. Das Land habe nun eine Förderung für den Bau eines Radwegs auf der "Sommerseite" – also weg von der Bundesstraße – in Aussicht gestellt. Die Stadt Wolfach, auf deren Gemarkung sich der neue Radweg zu 90 Prozent befinde, habe sich bereit erklärt, die planerische und bauliche Umsetzung zu übernehmen. "Die Stadt Schiltach übernimmt dafür die Kosten, die nicht von der Förderung gedeckt sind", freut sich Haas, dass das Radfahren zwischen Schiltach und Halbmeil "deutlich sicherer wird".

Die Nutzung der alten Grundschule in der Bachstraße ist ebenfalls einen großen Schritt weiter: Das Unternehmen Hansgrohe will laut Haas einen Teil des Gebäudes anmieten, um dort einen Kindergarten – nicht nur für den Nachwuchs von Mitarbeitern – zu betreiben und für interne Fortbildungen zu nutzen. Auch der Volkshochschule, der Stadtkapelle und weiteren Vereinen soll das Gebäude weiter zur Verfügung stehen. Dafür solle das Dach des Anbaus ausgebaut werden, außerdem solle durch einen Aufzug Barrierefreiheit geschaffen werden, erläutert Haas die Umbaumaßnahmen.

Der Bürgermeister bedankt sich abschließend bei Gemeinde- und Ortschaftsrat, bei den vielen Vereinsverantwortlichen und ehrenamtlich Tätigen im Städtle sowie bei seinem Schenkenzeller Amtskollegen Bernd Heinzelmann für die "gute Zusammenarbeit". Außerdem appelliert er an die Bevölkerung, besonnen und verantwortungsvoll zu handeln, denn "der Verlauf der Corona-Pandemie wird vor allen von unserem Handeln abhängen".

Mit den Wünschen von Nachtwächter Hans-Jürgen Krischak für ein "glückseliges neues Jahr" schließt der Silvesterzug, der bis zum Neujahrsnachmittag bereits mehr als 400 Mal aufgerufen wurde.

Weitere Informationen: https://www.youtube.com/watch?v=PA0GuZK3I2w

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