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Schiltach Rauschendes Fest mit höfischem Glanz

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Schlemmen wie anno 1474 im Schloss Bad Urach. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Lothar Bertrams Foto: Schwarzwälder Bote

Als im Juli 1474 der Schiltacher Schultheiß mit drei anderen Bürgern nach Urach ritt – damals südliche Residenz der Grafschaft Württemberg – erwartete sie ein Spektakel sondergleichen.

Schiltach. Ihr Landesherr, Graf Eberhard V. "im Bart", den er sich nach einer Jerusalem-Pilgerfahrt hatte stehen lassen, hatte zur Hochzeit geladen: Fürsten, Bischöfe, Äbte, Adlige und Reichsstädte.

Die 31 Städte seines eigenen Landes entsandten ebenfalls Delegationen, neben Schiltach auch Hornberg, Dornhan, Nagold, Calw und Balingen. Man zählte bis zu 2000 Gäste, die mit Gefolge und Pferden Unterkunft finden und versorgt werden mussten.

Opulente Genüsse: Wild und Krebse statt Schwarzbrot und Brei

Sie erlebten ein viertägiges "Fest der Superlative": Tänze im neu erbauten Tanzhaus, Bankette im Uracher Schloss, Ritterspiele und Schaukämpfe auf dem Marktplatz. 52 Köche bereiteten die Festmahle: Bis zu 22 Gänge für die Fürsten, zwölf für Adlige und sechs für Bürgerliche – jeder Gang auserlesen und opulent: Geflügel, Wild, Spanferkel, Fische, Krebse. Den "Gemeinen", die meist nur Schwarzbrot, Haferbrei und gekochte Erbsen oder Linsen kannten, war es höchster Luxus und Genuss.

Auf dem Marktplatz spendeten vier Brunnenrohre Weiß- und Rotwein. So erlebte man eine Art Schlaraffenland, das dem Landesherrn zur Ehre gereichte – weil er in der Lage war, den Untertanen ein derartiges Glück zu bescheren, auch wenn es zeitlich begrenzt war. Am Ende waren 150 000 Liter Wein durch die Kehlen geflossen, 165 000 Brote und 13 000 Essensportionen vertilgt worden.

"Erlesen" war auch die Braut, die 19-jährige Barbara Gonzaga aus dem Hause der vornehmen Markgrafen von Mantua: Nicht nur, dass "sie mit allen schönen Frauen Italiens zu vergleichen war" und eine reiche Aussteuer mitbrachte, mit ihr zog in Württemberg auch die italienische Renaissance-Kultur ein: Mode, feine Lebensart, Mobiliar, "welsche Bilder", Schmuck und edle Stoffe.

Auch ihr Auftreten beeindruckte: "Fürwahr, die Leute in Württemberg haben meine gnädige Herrin Barbara so lieb als wäre sie heilig", wie ihr Sekretär nach Mantua berichtete. Das Zeremoniell war das der Fürstenhochzeiten: Feierliche Einholung der Braut, Ehegelöbnis vor dem Bischof, Festmahl und Tanz, das unter Zeugen erfolgte "Beilager", tags darauf Überreichung der Morgengabe, Hochamt, Präsentation der Geschenke – und zwei weitere Tage voller Festivitäten, den Tag und Nacht fließenden Weinbrunnen nicht zu vergessen.

Die Darbringung der Hochzeitsgeschenke erfolgte in strenger Hierarchie: zuerst die Fürsten und Prälaten, danach Adlige, Reichsstädte, zuletzt die Amts- und Landstädte Württembergs. Während die hohen Herren Edelsteine, Goldschmuck und Rassepferde darboten, überreichten die Städte Silbernes: mit Wappen verzierte Kannen, Pokale oder Becher.

Schultheiß Hans Schäuber mit den zwölf Richtern vor Ort

Da traten auch die Schiltacher vor. Namentlich sind sie nicht erwähnt, doch konnten sie nur von der Stadtobrigkeit gewesen sein. Diese bestand aus dem Schultheißen, damals Hans Schäuber, und zwölf Richtern, in der Regel die vermögendsten Bürger.

1471 waren sie "geschätzt" worden, wobei Claus Arnold mit 300 Gulden der "Bestbemittelte" war, gefolgt von Claus Wernlin und Hensli Wolber, dem Besitzer der Kirchensäge. Wohl bildeten sie die Delegation, die der Gräfin Barbara auch das Schiltacher Präsent überreichte. Im Verzeichnis der Geschenke ist es nicht genau erwähnt, passen würde jedoch ein "silberns Becherlin", verziert mit "einem vergoldeten Widlin" – einer Wiede, dem Symbol der in Schiltach schon damals betriebenen Flößerei.

Nachzuprüfen ist es nicht mehr, der gesamte damalige Silberschatz wurde später verkauft oder eingeschmolzen.

Ihre Redaktion vor Ort Schramberg

Stephan Wegner

Fax: 07422 9493-18

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