Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Schiltach "Land unter" vor 30 Jahren

Von

Der 15. Februar 1990 dürfte bei vielen Schiltachern und Schenkenzellern Erinnerungen wecken: Hohe Niederschläge ließen Kinzig und Schiltach über ihre Ufer treten, Straßen und Häuser standen unter Wasser. Rettungskräfte versuchten mit Sandsäcken den Wassermassen entgegenzuhalten.

Schiltach/Schenkenzell. Die Kombination aus lang anhaltendem Starkregen und Schneeschmelze führten im Februar 1990 zu einer Hochwasserlage, wie sie das Kinzigtal lange nicht mehr erlebt hatte. Schwer davon betroffen waren auch Schiltach und Schenkenzell.

Bereits am Vortag, 14. Februar 1990, stiegen die Flüsse Kinzig und Schiltach an und überschwemmten die Ufergebiete. Als der Himmel gegen Abend aufklarte, rechnete niemand mit der Katastrophe, die bald kommen sollte. "Es hieß immer, dass der Wasserstand wieder abfallen würde. Keiner hat so etwas erwartet", erinnern sich Hermann und Beate Brede, deren Campingplatz damals von den Wassermassen völlig zerstört wurde.

Am späten Abend trat Sturm auf, begleitet von heftigen Regenböen. Der Pegelstand der Flüsse stieg kontinuierlich an. In Schenkenzell beobachtete der damalige Feuerwehr-Kommandant Dieter Hauer die Situation besorgt: "Ich bin den ganzen Abend über immer wieder zum Gerätehaus und habe an der Messlatte überprüft, wie schnell der Wasserstand pro Stunde steigt", erzählt Hauer.

Um 1.19 Uhr wurde in Schiltach die erste Schleife der Feuerwehr per Funk ins Gerätehaus gerufen. Sie arbeitete mit Unterstützung der Bewohner im strömenden Regen. Die Möglichkeiten seien allerdings begrenzt gewesen, meint der damalige Schiltacher Feuerwehr-Kommandant Harry Hoffmann. Die Einsatzkräfte bauten Dämme aus Sandsäcken, pumpten vollgelaufene Keller aus und hofften. Hofften, dass der Pegel wieder absinkt.

Familie Brede versuchte mit Unterstützung der Feuerwehr auf dem Campingplatz die Wohnwagen zu retten. "Wir haben uns mit Seilen gesichert und versucht, die Wagen an den Bäumen festzubinden. Aber es war nichts mehr zu machen, die Strömung war unglaublich stark", erinnert sich Hermann Brede, wie er damals hüfthoch im Wasser stand. Die Campingwagen wurden talabwärts von der Flut mitgerissen.

Auch in Schenkenzell habe Hauer noch in der Nacht die Sirene ausgelöst. Die Feuerwehr tat mit der Kaltbrunner Abteilung als Verstärkung ihr Bestes: "Wir haben alles gegeben, was wir aufbieten konnten. Insgesamt wurden 1000 Sandsäcke gefüllt", berichtet Hauer.

In der Gerbergasse in Schiltach wurde derweil trotz Nachlassen der Niederschläge die Hochwassermarke von 1949 überschritten. Im Morgengrauen setzten erneut starke Regenfälle ein: Um 9 Uhr überstiegen die Fluten die Ufermauer auf dem Grün – die Hauptstraße stand unter Wasser. Zur Mittagzeit um circa 12 Uhr erreichte die Schiltach ihren Höchststand und auch die Kinzig schwoll zeitweise auf einen Pegelstand von drei Metern an. Die Stadtbrücke im Mündungsbereich der beiden Flüsse mussten wegen den tosenden Wassermassen für den Verkehr gesperrt werden. Mitten im Stadtgebiet entstand bei der Gerberei Trautwein ein See.

Die Bundesstraße 294/462 in Richtung Schenkenzell stand beinahe einen Meter hoch unter Wasser. Durch die reißenden Wassermassen wurden Uferbefestigungen zerstört. Zahlreiche Waldwege wurden regelrecht "zerfressen", nachdem Geröll die Querdohlen verstopft hatte und sich das Wasser über die Wege ergoss und auch im Dorf sah die Lage nicht besser aus. "Das Gasthaus Waldblick war komplett überflutet. In den Häusern der Kinziganrainer stand das Wasser. Wir hatten auch die ganze Zeit Bedenken wegen der Brücken, größerer Unrat hätte da nicht kommen dürfen", berichtet Hauer.

Gegen 12.30 Uhr konnten alle Beteiligten aufatmen – der Pegelstand sank.

Alles Personal und jedes Gerät, das den beiden Gemeinden zu Verfügung stand, wurde zur Beseitigung der Wasser- und Geröllmassen eingesetzt. In Schiltach allein waren 40 Feuerwehrmänner und das komplette Bauhof-Team im Einsatz. Hilfe kam auch vom Technischen Hilfswerk aus Schramberg. Vom Ausrücken am Morgen um 1.19 Uhr bis 21 Uhr waren die Schiltacher Rettungskräfte pausenlos im Einsatz. "Den enormen Arbeitsaufwand am Campingplatz hätten wir ohne die Unterstützung unserer Freunde und der Stadt nicht geschafft", bestätigen die Bredes. Auch in Schenkenzell waren die Auswirkungen der Unwetterkatastrophe noch lange zu spüren. "Wir waren bestimmt noch eine Woche danach mit den Aufräumarbeiten beschäftigt", erzählt Hauer.

Bis heute ist der 15. Januar den Beteiligten im Gedächtnis geblieben. "Wenn man so etwas miterlebt hat, vergisst man es nicht. Jedes Mal, wenn es stark regnet und das Rauschen der Kinzig lauter wird, erinnere ich mich wieder daran", erzählt Beate Brede. Vorsorglich würden die Campingwagen im Winter nun abgebaut. In Schenkenzell habe auch Dieter Hauer Vorkehrungsmaßnahmen getroffen und die Anrainer der Flüsse zu einem Instruktionsabend, was im Falle eines Hochwasser zu tun ist, eingeladen.

In Schiltach entstanden durch das Hochwasser Schäden in Höhe von einer Million Mark. Fast 30 private Hausbesitzer meldeten einen Hochwasserschaden an. Die Gemeinde Schenkenzell sah sich mit einer finanziellen Katastrophe konfrontiert. Die Bilanz des Hochwassers dort: eine Schadensumme in Höhe von sechs Millionen Mark.

Artikel bewerten
0
loading

Ihre Redaktion vor Ort Schramberg

Stephan Wegner

Fax: 07422 9493-18

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.