Kommunales: Strukturgutachten für den Anschluss im Außenbereich vorgestellt / Mischform aus verschiedenen Varianten denkbar

Das lang ersehnte Strukturgutachten zur Wasserversorgung im Außenbereich ist am Mittwoch im Schiltacher Gemeinderat vorgestellt worden. Damit sei "erster, aber notwendiger Schritt" getan, sagte Bürgermeister Thomas Haas.

Schiltach . Etliche Zuhörer fanden den Weg in die Friedrich-Grohe-Halle. Darunter auch Ortschaftsräte, die von der Stadt zur Sitzung eingeladen worden waren, denn das Thema ist für das Lehengericht mit seinen teils weit verstreuten Gehöften, die oft nicht an die städtische Wasserversorgung angeschlossen sind, besonders relevant.

Die Versorgung sei ein "hochkomplexes Thema", bei dem es nach der Vorstellung des Gutachtens weiterer Beratung bedürfte, so Haas. Es sollten zunächst verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, übergab er das Wort an Naomi Barabas vom Ingenieurbüro Wald und Corbe, die das Gutachten mit ihrem Kollegen Ulrich Bischler vorstellte.

Zuerst war eine Bestandsaufnahme erfolgt. Außerdem ermittelte das Büro den kurz-, mittel- und langfristigen Handlungsbedarf. Daraus leiteten die Experten Varianten für den Anschluss aller Anwesen im Außenbereich ab, "die untersucht wurden", erklärte Barabas etwa hinsichtlich der entstehenden Kosten.

Bestandsaufnahme

D ie Wasserversorgu ng in Schiltach hat zwei Standbeine – Quellwasser über die vier Quellen Herrenwald, Waldbrunnen 1 und 2 sowie Kaibach und die Wasserversorgung Kleine Kinzig (WKK). Zur Verfügung stehen im Schnitt jährlich knapp 500 000 Kubikmeter aus den Quellen und 680 500 Kubikmeter von der WKK. Die Versorgung ist gegliedert in fünf Zonen, die über fünf Hochbehälter versorgt werden.

Rund einmal wöchentlich werde die Schüttung der Quellen gemessen. Für das Gutachten wurden die Werte von 2015 bis 2019 herangezogen. Im Diagramm "ist optisch kein Rückgang zu erkennen, was gut ist", erklärte Barabas. Allerdings steige die Schüttung bei starkem Niederschlag deutlich an – wodurch die "Quellen hygienisch anfällig" seien, beim Rohwasser würden Grenzwerte oft überschritten. Aber: Nach der Aufbereitung habe das Wasser eine "einwandfreie und gute Qualität".

Das Gutachten beinhaltet auch eine Prognose für das Wasservorkommen im Jahr 2050. Grundsätzlich sei aufgrund des Klimawandels von einem Rückgang der Schüttung auszugehen. Weil das Quelleinzugsgebiet in Schiltach sehr groß ist, sei dort nur mit einem geringen Rückgang zu rechnen – etwa ein Prozent pro Jahr.

Der Bedarf wird laut Barabas zu 63 Prozent über Quellwasser und zu 37 Prozent über die WKK gedeckt – damit werde von der WKK deutlich weniger Wasser bezogen als die Stadt berechtigt wäre. Durch den hohen Wasserverbrauch durch Industrie (44 Prozent) liege der Pro-Kopf-Verbrauch mit 220 Litern am Tag "sehr hoch". Die Prognose für 2050 ergebe einen geringen Anstieg des Wasserbedarfs, für die das Volumen der Hochbehälter ausreiche.

Berechnet wurde außerdem, ob das Wasser auch an einem heißen, trockenen Tag mit geringer Quellschüttung ausreicht und die Versorgung sichergestellt ist. An einem Beispiel aus 2018 zeigte Barabas, dass die Auslastung mit 61 Prozent einen "ausreichenden Puffer" biete. Für 2050 prognostizierte sie eine Auslastung von 87 Prozent, der "Puffer verringert sich also deutlich".

Insgesamt sei in Sachen Wasserversorgung "vieles in gutem Zustand". Dennoch müssten etwa die Hochbehälter (HB) Schlossberg und Balderswald saniert werden. Letzterer ist sehr groß, es gebe aber nur geringe Abnahmemengen. Deshalb müsse abgewägt werden, ob eine Sanierung für 480 000 Euro oder eine Stilllegung für 80 000 Euro gewünscht werde. "Das ist eine politische Entscheidung" darüber, wie hoch die Versorgungssicherheit einzustufen sei, stellte Barabas klar.

Anschluss-Möglichkeiten

Acht Prozent der Einwohner beziehungsweise 65 Anwesen sind nicht an die Wasserversorgung angeschlossen. Oftmals haben sie mit einem Rückgang der eigenen Quellschüttungen und Wasserknappheit im Sommer zu kämpfen. Wie das Anbinden des Außenbereichs – auch bei starken topografischen Unterschieden und weiten Wegen – gelingen kann, dafür gibt es drei Varianten:  Variante 1: Förderleitung vom HB Stolgen zum Hochbehälter Hartskäpfle Der HB Stolgen gehört zur WKK und steht in 750 Metern Höhe auf Aichhalder Gemarkung. Es werden die Druckverhältnisse genutzt, um das Wasser über das Schiltachtal auf die andere Seite zu bekommen. Dafür müsste beim HB Eichberg ein Übergabebauwerk gebaut werden. Der Leitungsbau erfolgt Richtung Kienbach, Steigenbach, das Hinterholz, Kienbronn bis auf den Liefersberg. Über einen Anschluss des HB Hartskäpfle der Gemeinde Lauterbach könnten weitere Anwesen mit Wasser versorgt werden.    Variante 2: Anschluss an das Ortsnetz Schiltach  Im Hinterlehengericht wird der Bereich Hinterhof und "Im Hunsel" an den HB Eichberg angeschlossen. Der Liefersberg wird über Vorderlehengericht mit Wasser versorgt. Reichenbächle, Grumpen und Eulersbach können über die Niederzone Schiltach angeschlossen werden.  Variante 3: Insellösungen und den Anschluss an andere Wasserversorger Die Insellösung sieht vor, dass einzelne Quellen im Außenbereich – so das Wasser ausreichend ist – zusammengeschlossen werden und so dicht beieinander liegende Anwesen versorgen. Weitere Häuser im Außenbereich können Wasser über andere Versorger, etwa Aichhalden, beziehen. Die Gemeinde Lauterbach plant laut Barabas den Anschluss des Sulzbachtals an ihre Wasserversorgung über den HB Hartskäpfle. Im Zuge des dafür erforderlichen Leitungsbaus könnten auch die Häuser von Kienbronn bis Kienbach und der Schöngrund angeschlossen werden.

Um alle Anwesen anschließen zu können, sei eine Mischform notwendig, erklärte Barabas. Untersucht wurde daher die Kombi aus Variante 1 (V1) und V2 sowie die Kombi aus V2 und V3.

Bei der Gesamtlösung aus V1 und V2 wird zusätzlich zur Förderleitung vom HB Stolgen aus, über die die meisten Anwesen versorgt werden, das Ortsnetz in Vorderlehengericht verlängert. Darüber kann dann der Erdlinsbach angeschlossen werden. Wegen der hohen Druckverhältnisse ist ein "besonderes Rohrmaterial" erforderlich, so Barabas – außerdem Druckminderanlagen und viele Druckregelanlagen. "Es ist sehr aufwendig, alle Anwesen anzuschließen", erklärte sie.

Bei der Verbindung von V2 und V3 wird das Ortsnetz erweitert, um den Liefersberg, Eulersbach, Grumpen und das Reichenbächle mit Wasser zu beliefern. Der Rohrbach und Rotlach werden über den HB Eichberg versorgt. Das Gebiet Riesen/Rubstock soll an die Wasserversorgung Aichhalden, der Kienbronn und der angrenzende Bereich an den HB Harzkäpfle angeschlossen werden.

Die Kombination V1 und V2 habe den Vorteil, dass sich mit einer möglichen Zusammenarbeit mit Lauterbach Synergien ergeben könnten, außerdem könnten Kanal- und Breitbandleitungen teils mitverlegt werden. Andererseits müssten 38 Kilometer Leitungen verlegt werden. Bei der Kombi V2 und V3 wären es "nur" 27 Kilometer, so Barabas. Außerdem sei dort der schrittweise Ausbau einfacher zu machen. Dafür müssten allerdings 13 Anlagen (bei der Kombi V1 und V2: neun) gebaut und künftig gewartet werden und die Versorgungssicherheit sei bei der Nutzung eigener Quellen geringer als bei einem Anschluss an die WKK.

Eines ist sicher: Günstig ist die Wasserversorgung im Außenbereich so oder so nicht zu haben. Die Kombi V1 und V2 kostet rund 15 Millionen Euro; die Alternative V2 und V3 schlägt mit elf Millionen Euro zu Buche.

Ulrich Gebele erkundigte sich, ob die Insellösungen als private oder städtische Maßnahmen angedacht sind. Dafür würden in der Regel private Wassergemeinschaften gebildet, die – so gewünscht – von städtischer Seite bezuschusst werden könnten, erklärte Ulrich Bischler. Ulrich Kohler wies auf den Rückgang der Schüttungen bei den kleineren Quellen der Insellösung hin. Diese liegt laut Bischler bei etwa zwei Prozent im Jahr. Die für Kombi V2 Und V3 nötigen Anlagen benötigten viel Strom, erklärte Haas auf Nachfrage von Axel Rombach.

Michael Buzzi regte an, wegen des HB Hartskäpfle den Kontakt zur Gemeinde Lauterbach zu suchen – beide Kommunen könnten von einer Zusammenarbeit profitieren. Lehengerichts Ortsvorsteher Thomas Kipp empfahl, auch die Stadt Wolfach hinsichtlich Kirnbacher Bereiche anzusprechen. Thomas Haas versprach, alle Nachbargemeinden miteinbeziehen zu wollen, mit denen sich Synergieeffekte ergeben könnten.

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