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Schiltach Hohenstein ist Konstante in der Zeit

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Der Hohenstein mit dem Fabrikwegle im Jahr 1863. Vor dem Hohensteiner Wehr liegt ein Floß, im Hintergrund die Nähfadenfabrik. Die Abbildung zeigt ein Aquarell von Heinrich Eyth aus dem Jahr 1923. Foto: Flößerverein / Harter Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kinzig etwa 80 Meter überragend, macht der "Hohenstein" seinem Namen alle Ehre. Kürzlich entwaldet, zeigt er seine ganze Schroffheit. Nun soll er wieder als Aussichtspunkt gestaltet werden.

Schiltach. Der Erste, der sich so um ihn sorgte, war Fabrikant Gustav Karlin, der 1899 "auf dem Hohenstein eine schöne Schutzhütte aufstellte". Er diente auch als Festplatz, wie 1894, als der Schiltacher "Städtetag" mit Teilnehmern aus Wolfach, Hornberg, Alpirsbach und Schramberg "im schattigen Walde auf dem Hohenstein" stattfand.

Fast 20 Jahre ein Verkehrshindernis

Über den Hohenstein verlief seit Römerzeiten die Straße durchs Kinzigtal, mit Steigungen, die für die Fuhren nicht ohne Vorspann weiterer Pferde zu nehmen waren. 1846 schickten Schiltach und Lehengericht eine Petition an den Landtag zwecks " Straßenkorrektion".

Der Abgeordnete Johann Rindenschwender, der eigens herkutschierte, erlebte die Passage über den Hohenstein mit "Anstrengungen und Seufzern". Der "traurige Zustand", der den Verkehr mit Württemberg behinderte und Schiltach in eine verkehrsferne Ecke stellte, wurde erst 1865 durch eine neue Straße beendet. Sie verlief nun im Tal, um den Fuß des Felsens, an dem es zuvor nur einen Pfad für Flößer und Arbeiter gab: das "Fabrikwegle".

Dass der Hohenstein auch ein "Innenleben" hatte, zeigen zwei Eingänge: Auf halber Höhe ein Stollenmundloch, zu ebener Erde eine Eisentür. Eine Inschrift besagt, dass Johann Friedrich Wolber ("Bierfritz") hier 1867/97 einen Eiskeller erbaute. Dies war eine elf Meter tiefe, vier Meter breite und drei Meter hohe Kaverne.

Er nutzte dafür ein altes Bergwerk, das seit den 1720er Jahren als "Rebecca und Justina Fundgrube" in den Hohenstein getrieben worden war. Der mannshohe Stollen folgte einem Fluss- und Schwerspatgang 100 Meter in die Tiefe des Gebirges.

"Edle Erze" fanden sich aber kaum, sodass der Bergbau 1771 aufgegeben wurde. Im zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzbunker der benachbarten Tuchfabrik. Der Felsen war auch Namensgeber für den an seiner Westseite gelegenen Hof, der schon 1491 als "Gut zum Hohenstein" erscheint. "Thoman Sautter uf dem Hohenstein" nutzte die Wasserkraft, die der Prallhang der Kinzig erzeugte, vor 1590 für den Bau eines Sägewerks.

1841 erwarb es der Schweizer Industriepionier Johann Müller mit Schiltacher Bürgern, um darin eine Spinnerei und Zwirnerei zu begründen.

Die "Nähfadenfabrik am Hohenstein" war der erste Industriebetrieb des Kinzigtals. 1870 weilte hier der junge Maler Hans Thoma, für den "der Aufenthalt in Hohenstein wie ein schöner Traum war". 1889 kaufte Gustav Karlin die Fabrik, die als Textilunternehmen bis 1968 bestand.

Den alten Gewerbestandort, der aus der Hohensteinsäge hervorging, übernahmen 1975 die Firmen VEGA und Grieshaber Präzisionsteile der Grieshaber Gruppe in Wolfach.

Bei der Trennung Lehengerichts von Schiltach 1817/18 wurde die Gemarkungsgrenze über ihn hinab zur Kinzig gelegt.

Im März 1933 vollbrachten vier Mitglieder der Kommunistischen Partei an der Felswand eine kühne Tat: Sie seilten sich ab und bemalten sie mit Hammer und Sichel, dem Symbol der KPD – ein Protest gegen den Nationalsozialismus, der ihnen KZ-Haft einbrachte. Noch gefährlicher wurde es am 19. April 1945: Deutsche Pioniere bohrten Sprenglöcher, um die Straße zu verschütten.

Der Mut einiger Bürger verhinderte das Vorhaben, das zu Kampfhandlungen der anrückenden Franzosen und schweren Schädigungen hätte führen können.

So ist der Hohenstein – "d’r Hooschduenerfelse" – eine in jeder Weise herausragende Schiltacher Örtlichkeit. Auf die "Wiedereröffnung" seiner schönen Aussicht darf sich gefreut werden.

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