Martin Ruch (von links), Markus Armbruster, Hans Harter und Klaus-Ullrich Neeb vom Historischen Verein Mittelbaden stellten das diesjährige Jahrbuch "Die Ortenau" im Badmuseum von Hansgrohe in Schiltach vor – begrüßt wurden sie dort von Andrea Rombach. Foto: Armbruster

Jahrbuch: Historischer Verein stellt "Die Ortenau" 2021 vor / Flüsse, Badekultur und Fluten sind Thema

Der Historische Verein Mittelbaden hat am Freitag sein Jahrbuch "Die Ortenau" zum Thema Wasser vorgestellt. Auf rund 600 Seiten setzen sich die Autoren mit dem flüssigen Element und seiner historischen Bedeutung für die Region auseinander.

Schiltach. Der Historische Verein lädt wieder zur Zeitreise ein – in diesem Jahr rund um das Thema Wasser. Passend dazu fand die Vorstellung der neuen Veröffentlichung im Badmuseum des Brausen- und Armaturenherstellers Hansgrohe in Schiltach statt. Im Firmenarchiv, umringt von deckenhohen Regalen mit Büchern rund ums Thema, gab Redakteur Martin Ruch einen Einblick in die Jahresschrift seines Vereins.

Zunächst erläuterte er die augenscheinlichste Veränderung: "Eine ›Zeitschrift‹ ist es nun nicht mehr", so Ruch. Der Verein nenne seine Veröffentlichung nun "Jahrbuch" – angesichts eines Umfangs von rund 600 Seiten ein passender Name. Ob Fähren über den Rhein, die Flussläufe als Verkehrswege, Hochwasserkatastrophen oder Badekultur – auch unter neuem Namen fänden sich in der 101. Ausgabe der historischen Jahresschrift wieder "eine Fülle an Themen", freut sich Ruch.

Schülerin berichtet von Flucht übers Mittelmeer

Nach einem Grußwort von Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz widmen sich zwanzig Aufsätze der Ortenau als "Wasserland", den Flüssen im Kreis, der Flößerei und dem Leben entlang der Ufer. Die Texte werden ergänzt durch – oft auch historische – Fotografien und Karten. "Und es ist auch was von Schiltach drin", betonte Markus Armbruster von der Ortsgruppe Schiltach/Schenkenzell bei der Buchvorstellung. So spüre beispielsweise Autor Helmut Horn der Herkunft des Namens der Schiltach nach.

Der ehemalige Geschichtslehrer Hans Harter, der bereits seit 1969 Beiträge zu "Die Ortenau" beisteuert, widmete sich als gebürtiger Schiltacher dem Thema Flößerei. Am Freitag gab er einen kurzen Abriss über seinen Beitrag: Harter berichtet darin, wie Flößer aus Schiltach und Wolfach Baumstämme über die Kinzig nach Kehl an den Rhein brachten, wie sie dort zu "Rheinflößen" umgebaut wurden und wie der ein oder andere Kinzigtäler mit seinem Holz sogar bis in die Niederlande gereist war. Davon würden auch heute noch Mitbringsel aus Holland im Heimatmuseum Wolfach zeugen, berichtete Harter.

Ebenfalls mit dem Thema Wasser beschäftigt sich die Schülerin Yosra Al Waheibi: Unter dem Titel "Mein Weg nach Nordrach" beschreibt die junge Frau die Flucht ihrer Familie aus Syrien über das Mittelmeer. Mit ihrem Aufsatz belegte sie den dritten Platz des Bildstein-Preises der Stadt Zell am Harmersbach im vergangenen Jahr. Darüber hinaus finden sich aber auch dreizehn weitere Beiträge, die sich nicht mit Wasser beschäftigen: Da reichen die Themen von der Hexenverfolgung in Offenburg über die Blattern in Zell bis zum historischen Kindsmord.

Andrea Rombach von der "Hansgrohe-Aquademie" begrüßte den Historischen Verein Mittelbaden bei Hansgrohe. Das diesjährige Thema passe ja perfekt, freute sie sich, denn: "Das Herz von Hansgrohe schlägt schon seit 1901 für das Wasser."

Das 101. Jahrbuch "Die Ortenau" gibt es im Buchhandel für 35 Euro zu kaufen. Als elektronische Ausgabe – also E-Book – kostet das Buch 32 Euro. Die Mitglieder des Vereins bekommen ihre Ausgabe für den Jahresbeitrag von 26 Euro. Der Verein wurde 1910 in Offenburg gegründet und zählt mit 28 Gruppen und rund 2200 Mitgliedern zu den größten Geschichtsvereinen Deutschlands.