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Schiltach Das Ende wird nicht verraten

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Die letzte Veranstaltung in der Reihe "Kultur im Stadtgarten" findet im "Adler" statt. Fotos: Herzog Foto: Schwarzwälder Bote

Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen, die sich an die Zeit um 1924 erinnern. Einen tiefen Einblick gibt der Roman "Hausierer-Sophie" von Helga Harter, der auf wahren Begebenheiten basiert.

Schiltach. Obwohl der Schlussakkord der Reihe "Kultur im Stadtgarten" aufgrund des regnerischen Wetters ins Obergeschoss des Gasthauses Adler verlegt wurde, war er nochmals gut besucht.

Darüber zeigte sich Stadtarchivar und Museumsleiter Alexander Morgenstern erfreut und überrascht. Die Lesung mit der Autorin Helga Harter und deren Tochter Sara aus Furtwangen passe sehr gut zum diesjährigen Jubiläum von Lehengericht. Bei der authentischen Geschichte um die Hausiererin Sophie aus Lehengericht werde die Zeit um rund 100 Jahre zurückgedreht, stimmte Morgenstern auf einen spannenden Abend ein.

In Bauerntracht kommen Helga und Sara Harter in den Saal, setzen sich an einen mit alten Fotos und Büchern geschmückten Tisch und legen los. Sophie, die Uroma von Helga Harter, wird 1879 geboren und heiratet 1906 den Hausierer Mathias Bossert. Das Ehepaar bekommt vier Kinder. Als die 16-jährige Tochter Anna vergewaltigt und schwanger wird, erfährt die in kärglichen Verhältnissen lebende Familie schlimme Zeiten, Ungerechtigkeiten und Vorurteile. Im Dorf geht das Gerücht um, dass Bossert der Vater sein soll und es dauert nicht lange, da wird er von der Ortspolizei in Handschellen abgeführt und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Ab da bleibt Sophie, deren einziger Lichtblick ihr kleiner Enkel Ernst ist, keine andere Wahl: Sie schlägt sich als Hausiererin durch, um das nötige Geld zum (Über)-Leben zu verdienen.

Auch wenn sie anfangs an fremden Haustüren abgewiesen wird, kämpft sie gegen das Klischee der Frau, die an den Herd gehört, und gibt nicht auf.

Karges Leben

Den Autorinnen gelingt es, mit ihrem lebendigen Vorlesen das Publikum zu fesseln. Dieses kann sich bildlich ganz gut vorstellen, wie damals der populär gewordene Charleston und die wie Pfifferlinge aus dem Boden sprießenden Lichtspielhäuser das karge Leben, das stark wandelnde Bild der Frau sowie die rasende Inflation überlagerten.

Während Helga Harter ihrer Tochter Sara einen großen Anteil zuschreibt, dass das Buch entstanden ist, beschreibt Sara ihre Mutter als vielseitig begabt und kreativ, die unter anderem auch schreibe. Ihr Opa, Helgas Vater, habe sehr gut erzählen können und so sei die Geschichte der Hausiererin Sophie nicht verloren gegangen, wusste die Tochter.

Wie Helga Harter erläuterte, habe sie bei der Recherche für den Roman sehr viele gute Ideen und Unterstützung erhalten, unter anderem von der Stadt Schiltach. Hilfreich seien auch das Internet und der Stukenbrok-Katalog von 1926 gewesen. Da die Geschichte um Sophie in Wirklichkeit ein trauriges Ende genommen und sie sich die Frage gestellt habe: "Wer will so ein Buch lesen?", habe sie den Roman zu einem guten Abschluss gebracht, räumte die Autorin ein.

Sie hat bereits ihr nächstes Werk im Visier. Dabei soll es sich wieder um eine alte, wahre Geschichte einer Isabelle Harter handeln, die im Dachsloch in Schenkenzell lebte. Wie Morgenstern resümierte, sei in den 1920er-Jahren die Welt ein bisschen härter gewesen als heute. Bewusst hätten die Autorinnen das Ende der Geschichte um Sophie nicht verraten. Aber dies könne man mit dem Kauf des Buchs herausfinden, sagte der Archivar mit einem Augenzwinkern. 2019 werde es mit "Kultur im Stadtgarten" mit bestimmt neuen Ideen weitergehen, stellte Morgenstern in Aussicht.

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