Die Pfarrer Markus Luy, Dominik Wille, Joachim Dauer und Dekan Frank Wellhöner (von links) verabschiedeten Pfarrerin Marlene Schwöbel-Hug.Foto: Fritsche Foto: Schwarzwälder Bote

Feier: Landeskirche, Kirchengemeinde und Bürgermeister dankten für 42 Jahre Dienst als Pfarrerin

Pfarrerin Marlene Schwöbel-Hug ist am Sonntagnachmittag in der evangelischen Stadtkirche feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden.

Schiltach/Schenkenzell. Der Posaunenchor der evangelischen Kirchgemeinde hatte auf dem Vorplatz Aufstellung genommen und geleitete mit seinen Klängen die Besucher des Abschiedsgottesdiensts in das Kirchenschiff hinein. Es war ein doppelter Abschied, der in den folgenden Stunden im angemessenen Rahmen begangen wurde: Zwischen Kirchengemeinde und Pfarrerin Marlene Schwöbel-Hug, für diese aber auch gleichzeitig der Abschied aus dem Dienst und der Übergang in den Ruhestand.

"Ganz schnell waren wir uns sehr nahe und haben alle Deine hochengagierte Mitarbeit genossen. Wie könnte ich Deine große Energie hier in kurze Worte fassen? Du predigst und wirst verstanden, eindeutig und deutlich", erklärte Kirchgemeinderatsvorsitzende Ursula Buzzi in ihrer Begrüßung. Dann wurde Schwöbel-Hugs Bruder Hans Hentschel, Dekan im Ruhestand, live über das Internet auf die Lautsprecher im Kirchschiff zugeschaltet. Seine persönlichen Worte berührten sichtlich seine Schwester, die er eine "Botschafterin des Wortes Gottes" nannte.

Die folgende persönlich gehaltene Predigt von Schwöbel-Hug, die herzliche Ansprache im Verabschiedungsteil von Dekan Frank Wellhöner, Dankesworte der Bür-germeister Siegfried Eckert aus Gutach (der zusammen mit einer jungen Trachtenträgerin in der von Schwöbel-Hug geliebten Gutacher Tracht gekommen war) und Bernd Heinzelmann aus Schenkenzell (der diese Aufgabe auch für Bürgermeister Thomas Haas erfüllte) sowie von Kaplan Georg Henn sind zu umfangreich, um sie auch nur in einer Zusammenfassung hier wiederzugeben. Sie können jedoch auf der Internetseite der evangelischen Kirchengemeinde in voller Länge angehört werden.

"Ihr habt es mir leicht gemacht, mich freundlich aufgenommen", sagte Schwöbel-Hug zu ihrem Start in Schiltach. Sie sei glücklich gewesen, die letzten zweieinhalb Jahre in Schiltach gewesen zu sein. Andere Kernsätze ihrer Predigt waren zum Beispiel: "Kirche ist politisch, nicht parteipolitisch, sehr wohl aber politisch als Teil unserer Gesellschaft". Oder über das Christentum: "Der aufrechte Gang, die Standfestigkeit und auch der Mut gehören ebenso dazu wie das Mitfühlen mit Menschen, die in Not sind, die traurig sind".

Kirche ist Gemeinschaft

Was sie zum Ende ihrer Predigt mehrfach bekräftigte und ihren Gemeindemitglieder mitgab: "Kirche ist mehr als die Institution, sie ist Gemeinschaft und Gemeinde, über die Grenzen von Sprache, Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Religion hinaus".

Bevor Dekan Wellhöner sie offiziell von ihrem Amt entpflichtete, schilderte er den Werdegang von Schwöbel-Hug in den 42 Jahren ihres Amtes: "Wo immer Du tätig warst, schnell hast Du Wurzeln geschlagen, viele Menschen kennengelernt, die unterschiedlichsten Akzente gesetzt, das wird auch im Ruhestand so bleiben." Das Zeugnis, das er ihr für die vier Jahrzehnte lange Arbeit ausstellte, hätte nicht besser ausfällen können. "Dein Dienst war zuhören und reagieren".

Dekan Wellhöner und die evangelischen Pfarrer Markus Luy, Schwöbel-Hugs Nachfolger, und Dominik Wille (aus Gutach und Hausach) sowie der katholische Pfarrer Joachim Dauer aus Weinheim (ökumenischer Mitstreiter aus ihrer Heidelberger Zeit) segneten nacheinander die vor den Altarstufen stehende Schwöbel-Hug. "Du hast dem Glauben und den Kirchengemeinden treu gedient und jetzt wünschen wir Dir mit unseren Segen einen guten Übergang in die neue Lebensphase", das wurde zwar neben der Segensformel so nicht explizit gesagt, aber bestimmt gemeint.

Das Schlusswort hatte nach den Fürbitten und ihrem letzten Segen für die Gemeinde dann Schwöbel-Hug: "Vielen, vielen Dank, es war eine wunderschöne Zeit, ich war immer gerne Pfarrerin", um dann bewegt fortzufahren: "Ich bin so glücklich, dass meine Töchter und Söhne heute online dabei sein können." Den Bürgermeistern Haas und Heinzelmann dankte sie für die gute Zusammenarbeit bei sozialen Projekten der Gemeinden. "Ich freue mich, dass ich auf Wiedersehen sagen darf und nicht adieu", schloss sie. Die Gemeinde erhob sich und spendete langen Applaus.

Musikalische Gestaltung

Vom Eingangsspiel des Posaunenchors bis zum Schlussstück der Orgel erklang über die ganze Feier hinweg eine schwung- und kraftvolle Musik, mit einer vorwärtsgewandten optimistischen, ja fröhlichen Ausstrahlung. Die Themen "Freude" und "Dankbarkeit" der Ansprachen auch durch die Auswahl und Interpretation der Gesangs- und Orgelstücke aufnehmend. So wurde es ein bewegender, ab er kein wehmütiger Abschied. Zumal sich Schwöbel-Hug als Ruhestandspfarrerin und die Kirchengemeinde bei Gottesdienstvertretungen manchmal wieder zusammenfinden werden. Musikalisch wurde der Abschiedsgottesdienst gestaltet von Bezirkskantor Traugott Fünfgeld (Orgel), Emma Schuffenhauer und Mareike Götz (beide Gesang), Julietta Gaus (Gitarre) und Jona Götz (Schlagzeug). Für die Tontechnik sorgte Michael Buzzi.

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