Jetzt geht es einem Naturdenkmal an den Kragen: Weil die Schillertanne eine Gefahr für Passanten ist, wird sie etwa auf halber Höhe abgetragen. So soll zumindest ein Teil des Baums erhalten werden.
33,8 Meter hoch, rund 350 Jahre alt – die Schillertanne im St. Georgener Röhlinwald, direkt an einem Wanderweg gelegen, ist ein imposantes Naturdenkmal. Doch die Tage, in denen die Tanne in ihrer vollen Größe inmitten anderer Bäume thront, sind gezählt. Denn die Schillertanne stellt eine Gefahr für Spaziergänger dar – das hat nun ein Gutachten des Baum-Sachverständigen Christof Hilbert ergeben. Der Technische Ausschuss sprach sich in seiner Sitzung am Mittwochabend knapp mit fünf zu vier Stimmen dafür aus, den Baum auf halber Höhe abzutragen. Auch eine komplette Fällung stand im Raum.
Das Thema, blickte Bürgermeister Michael Rieger zurück, beschäftige Stadtverwaltung und Gemeinderat „schon seit Jahren immer wieder“. 2010 hatte ein Gutachten noch ergeben, dass von der Tanne keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Heute sieht das Urteil anders aus, nachdem Revierförster Thomas Leser bei der Waldbegehung des Gemeinderat im Mai des vergangenen Jahres Bedenken angemeldet hatte. Seine Befürchtung: Weil die Schillertanne nicht mehr gesund ist, könnten herunterfallende Äste Spaziergänger gefährden.
Man habe immer versucht, den Baum so lange wie möglich zu erhalten, betonte Bürgermeister Rieger. „Aber eins muss klar sein: Die Sicherheit muss vorgehen. Der Baum steht an einem Wanderweg“, weshalb man kritisch hinterfragen müsse, ob die Verkehrssicherheit an dieser Stelle noch gewahrt sei. Sie ist es, wie das Gutachten nun zeigte, nicht mehr, erklärte Alexander Tröndle, Leiter des städtischen Bauamts.
Zwei Vorschläge zur Wahl
Dass die Schillertanne nicht in ihrer aktuellen Form stehen bleiben kann, war mit dem Ergebnis des Gutachtens klar. Diskussionen gab es im Technischen Ausschuss dennoch – nämlich über die Frage, was nun mit der Schillertanne geschehen soll. Baum-Sachverständiger Hilbert hatte dazu zwei Vorschläge gemacht: Einerseits könnte man den Baum auf etwa halber Höhe absägen, um die Tanne noch als Nist- und Brutplatz für Vögel zu erhalten. „Die Stammwalze wäre bis zu ihrem weiteren Zerfall für mindestens ein Jahrzehnt als hochwertiges Habitat gesichert“, heißt es dazu in dem Gutachten. Andererseits könnte man die Schillertanne komplett fällen.
Rat sieht Parallelen zur Klosterlinde
Die Stadtverwaltung hatte sich in ihrem Beschlussvorschlag für Variante eins – und damit gegen die komplette Fällung des Baums – ausgesprochen. Ein Vorschlag, mit dem ein Teil der Räte gut leben konnte. Anders sah das Georg Wentz (FDP): Er sprach sich dafür aus, die Schillertanne zu fällen – und zwar mit Blick auf die Klosterlinde im Schulhof der Robert-Gerwig-Schule, bei der man vor etwa einem Vierteljahrhundert einen Rettungsversuch unternommen hatte. „Damals hat man wirklich viel Geld ausgegeben, und es war eigentlich für die Katz’“, erinnerte sich Wentz. Er befürchtete, dass die Schillertanne, nachdem man nun viel Geld und Zeit in ihren zumindest teilweisen Erhalt investiert, ein ähnliches Schicksal erleiden wird.