Die Hohenbergschule könnte eine Alternative für Schillerschüler bieten. Foto: Roth

Ob die Ebinger Werkrealschule Kapazitäten hätte, Schillerschüler aufzunehmen, wurde jüngst im Gemeinderatsausschuss diskutiert. Die Arbeit an der Hohenbergschule überzeugt.

Dass die Schillerschule keine Zukunft hat, ist seit der Oktobersitzung des Albstädter Gemeinderats beschlossene Sache. Die Entscheidung des Gremiums: Die Schüler der maroden Onstmettinger Werkrealschule werden spätestens zum Schuljahr 2028/2029 ihren Bildungsort wechseln. Genügend Raum soll für die derzeit über 200 Schüler am Schulcampus Lammerberg geschaffen werden.​

 

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Kultur, Schule und Sport (SKSS) brachte Freie-Wähler-Stadträtin Ulrike Münster das Gedankenspiel an, ob nicht Teile der Schillerschüler auch in der Ebinger Hohenbergschule unterkommen könnten. Schließlich kämen einige Schillerschüler auch aus Ebingen. Diese Frage richtete Münster direkt an Schulleiter Ertekin Avcilar und seine Konrektorin Erika Lukoseviciute, die im Gremium die Hohenbergschule präsentierten.

Eltern entscheiden

Ertekin Avcilar entgegnete, dass es durchaus denkbar sei, dass Schüler nach der Schließung der Haupt- und Werkrealschule in Onstmettingen an die Hohenbergschule wechseln. „Am Ende entscheiden die Eltern, welche Schule ihre Kinder besuchen.“ Räumliche Kapazitäten hätte die Hohenbergschule; das Gebäude sei riesig.

Aber: Je nachdem, wie viele Schillerschüler tatsächlich an die Hohenbergschule wechseln, müsste das Lehrpersonal aufgestockt werden. „Dieses Jahr sind wir personell vergleichsweise gut aufgestellt“, berichtet der Schulleiter der Hohenbergschule dem Gremium. Das sei in den Vorjahren nicht immer so gewesen. Bei vielen Neuzugängen müsste auch über die Klassenstärke, sprich die Anzahl der Schüler pro Klasse, gesprochen werden.

Zu bedenken gelte es auch, dass nur bis einschließlich des Schuljahres 2029/2030 der Werkrealschulabschluss in Baden-Württemberg abgelegt werden kann. Danach fällt daher auch an der Hohenbergschule die Klasse 10 weg, woraus sich wiederum neue Kapazitäten ergeben. Avcilar wirbt für seine Schule zudem mit der zentralen Lage im größten Albstädter Stadtteil. Für Schüler, die auf den ÖPNV angewiesen seien, optimal. Dazu komme, dass die Hohenbergschule nach dem Wegfall der Schillerschule die einzige Werkrealschule im Umkreis sei, die noch Lernen auf dem sogenannten G-Niveau anbiete. Dieses „grundlegende Niveau“ fördert insbesondere Schüler mit hohem individuellen Betreuungsbedarf.

Wie viele Schillerschüler kann die Hohenbergschule nun aufnehmen? In der Sitzung wurde deutlich, dass in dieser Rechnung viele Faktoren eine Rolle spielen. Eine genaue Zahl könne daher nicht genannt werden, erläuterte Ertekin Avcilar.

Vielfalt wird großgeschrieben

Mögliche neue Schüler dürfen sich an der Hohenbergschule nicht nur auf einen Lernort, sondern auch auf einen Lebensraum freuen, wie die Schulleitung anhand einer Präsentation den Ausschuss-Mitgliedern deutlich machte. Neben dem Lernen stünde das Miteinander und die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Schülers im Mittelpunkt. Individuelles Lernen, die Vermittlung von Werten wie Respekt und Toleranz hätten oberste Priorität.

Ein Fokus liege auch auf der Berufsorientierung. Hierfür baut die Hohenbergschule auf Kooperationen mit regionalen Unternehmen sowie der Agentur für Arbeit. Dazu werden regelmäßig Praktika sowie Besuche von Ausbildungsmessen in den Unterrichtsplan aufgenommen. Nicht umsonst trägt die Hohenbergschule das BoriS-Siegel. Das Zertifikat zeichnet Schulen aus, die sich im Themenbereich Berufs- und Studienorientierung über die geforderten Standards in den Bildungsplänen hinaus engagieren.

Avcilar: Vielfalt ist unsere Stärke.

Ertekin Avcilar und Konrektorin Erika Lukoseviciute berichteten von einem harmonischen Miteinander an der Hohenbergschule. Konflikte zwischen russischen und ukrainischen oder kurdischen und türkischen Jugendlichen gebe es nicht. Das sei auch angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage keine Selbstverständlichkeit, freute sich Oberbürgermeister Roland Tralmer über diese Nachricht. Avcilar betonte: „Vielfalt ist unsere Stärke.“ Der Migrationsanteil unter den Schülern liege bei 75 Prozent. Von Vorteil sei es daher, dass viele Lehrkräfte zweisprachig ausgebildet seien.

Ganztagesbetreuung, ausgeprägte Schulsozialarbeit, AG-Angebote: Das Schulleitungsduo wusste die Ausschussmitglieder mit der Präsentation zu überzeugen. Dementsprechend groß war das Lob aus den Reihen der Stadträte: „Sie leben Werkrealschule mit Herzblut“, sagte Ulrike Münster. Marianne Roth (SPD) hob das lösungsorientierte Arbeiten der Schulleitung hervor. Bürgermeister Steve Mall sprach bei der Hohenbergschule von „einem Musterbeispiel“.

Hohenbergschule

In regelmäßigen Abständen
berichten die Schulleiter der Albstädter Schulen im SKSS-Ausschuss des Gemeinderats über ihre Arbeit. Die Stadt Albstadt ist Schulträger der Hohenbergschule. Derzeit besuchen 284 Schüler die Ebinger Werkrealschule. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und Baujahr 1899. Zunächst war die Hohenbergschule Realschule, ab 1924 wurde sie zum Gymnasium ausgebaut. 1973 zog die Hauptschule ein; 1992 wurde die zehnte Klasse eingeführt. Seit dem Jahr 2009 ist die Hohenbergschule Werkrealschule.