Zwei Tage lang vermisst, jetzt wieder an Ort und Stelle: Die Straßenmeisterei Sulgen hat die Seedorfer Ortstafel wieder an ihren angestammten Platz gestellt. Foto: Rudolf

Sie ist wieder da. Dabei war die Ortstafel zwischen Seedorf und Dunningen zwei Tage lang verschwunden. Sie lag unbeachtet im Straßengraben, vermutlich herausgerissen oder umgefahren. Jetzt steht sie wieder und die Autofahrer wissen wieder, woran sie sind.

Dunningen-Seedorf - Der Chef der Straßenmeisterei in Sulgen, Sigmund Villing, der das Schild "gehört", berichtet, dass zwei seiner Mitarbeiter nach Seedorf gefahren seien und die Umgebung des Standorts zur Sicherheit abgesucht hätten.

Und da lag es im Graben neben der Straße, zwar leicht beschädigt, aber durchaus noch brauchbar. Die Ortstafel bekam einen neuen Rahmen und wurde flugs wieder aufgestellt.

Zunächst war man von einem Jugendstreich ausgegangen. Kein billiger, wie Villing versichert. So eine Ortstafel kostet mit Aufstellen 400 bis 500 Euro. Die bezahlt natürlich der mutmaßliche Dieb, wenn er erwischt wird. Sogar ein schnöder Leitpfosten schlägt schon mit rund 50 Euro zu Buche.

Denn so eine Ortstafel, in Fachkreisen "Zeichen 310/40" genannt, ist nur für einen einzigen Standort geeignet. Von vorn ist der Text noch genormt. Dort steht der Name des Teilorts (Seedorf), die Hauptgemeinde (Dunningen) und der Landkreis (Rottweil). Auf der Rückseite ist der Teilort rot durchgestrichen und der nächstliegende Ort mit einer Entfernungsangabe genannt. All dies passt natürlich nur an einer ganz bestimmten Stelle des Straßennetzes.

Was ist das Besondere an "Seedorf"?

"Ein solches individuelles Schild haben wird natürlich nicht vorrätig, das wäre gar nicht leistbar. Es muss neu hergestellt werden, und das dauert", so Villing.

Der Landkreis arbeitete hier mit einer Fachfirma in Bruchsal zusammen, die zwar turnusmäßig "normale Verkehrszeichen", Rohrrahmen und Leitpfosten liefert, Ortstafeln jedoch nur auf Bestellung herstellt.

Dabei muss natürlich alles irgendeiner Norm entsprechen vom Rahmen bis zu den Löchern für die Schrauben. Angesichts der zunehmenden Diebstähle von Ortstafeln, seien einige Gemeinden sogar schon dazu übergegangen, die Ortstafeln in den Rahmen festzunieten, weiß Villing. Ob’s hilft, wird man sehen.

Nachvollziehen könne er noch Fälle, in denen beispielsweise die Ortstafel von "Killer" gestohlen wird, aber was ist das Besondere an "Seedorf"? Er erinnert sich, dass der Gemeinde Gunningen vor gar nicht langer Zeit sogar sämtliche Ortstafeln abhanden gekommen sind. Beliebt ist als Maischerz auch der Austausch der Tafeln. "Wir hatten hier schon Tafeln aus der Reutlinger Gegend und aus dem Kreis Freudenstadt", erinnert sich Villing. Trotzdem alles andere als ein Kavaliersdelikt. Villing beobachtet in den vergangenen Wochen auch in seinem Zuständigkeitsbereich eine Zunahme der Fälle.

Im Übrigen hat so eine Ortstafel nicht nur eine Informations-, sondern auch eine verkehrsrechtliche Funktion. Jenseits der Ortstafel gilt Tempo 50, was angesichts des wenige Dutzend Meter entfernt stehenden Blitzers wichtig ist. Auch die Zuständigkeiten enden oder beginnen am Ortsschild. So ist die Gemeinde innerorts für die Beleuchtung und Reinigung der Straße zuständig, einschließlich des Winterdienstes. Die Straßenmeisterei kümmert sich um die Instandhaltung und Kontrolle der Landesstraße.