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Schießerei in Konstanzer Diskothek Tödliches Ende einer Partynacht

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Zwei Polizisten vor der Diskothek Grey, in der am frühen Sonntagmorgen ein Mensch erschossen wurde. Der mutmaßliche Täter starb nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Foto: dpa

Konstanz - Die Max-Stromeyer-Straße im Konstanzer Industriegebiet ist weiträumig abgesperrt. In der Luft steht ein Polizeihubschrauber. Die Spezialisten der Kriminaltechnik suchen in weißen Overalls den Tatort ab. Unter einem Busch vor einer Polizeiabsperrung hoffen ein paar junge Frauen Schutz vor der anbrechenden Mittagshitze zu finden. „Wir warten hier, bis wir wieder zu unseren Autos kommen und endlich heimfahren können“, sagt eine der beiden. Über das, was sie in der Nacht Tragisches in der Großraumdiskothek Grey erlebt haben, will sie nicht sprechen. Nur so viel: „Es war genug.“

In der Nacht auf Sonntag gegen 4.30 Uhr war ein 34-Jähriger aus dem Irak stammender Mann in die Diskothek gestürmt und hatte mit einer Maschinenpistole wild um sich gefeuert. Im Eingangsbereich schoss er sich den Weg frei. Er traf einen Mitarbeiter des Security-Dienstes, der den Angreifer aufhalten wollte und erst seit zwei Tagen im Grey arbeitete. Er wurde von dem Schützen tödlich verletzt. Insgesamt drei Personen wurden im Laufe der Nacht schwer verletzt. Nach Angaben des Experten Andreas Stenger vom Landeskriminalamt benutzte der Mann eine US-Kriegswaffe vom Typ M16. Das Sturmgewehr sei die Standardwaffe der US-Streitkräfte.

Massenpanik in der Diskothek

In der Diskothek, die über mehrere Dancefloors verfügt, brach eine Massenpanik aus. Die Gäste versuchten so schnell wie möglich ins Freie zu kommen. Wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Lokalität befanden, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Bei der Notrufleitstelle gingen kurz nach der Schießerei unzählige Anrufe ein. Die Polizei schickte sämtliche verfügbaren Streifenwagen ins Industriegebiet. Als auch der Täter ins Freie rannte, wartete dort schon die Polizei. Der Mann versuchte noch, sich hinter einem Biertransporter zu verstecken. Es kam zu einem weiteren Schusswechsel. Ein Beamter wurde getroffen. Er trug eine schusssichere Weste, dennoch musste er ins Krankenhaus gebracht werden. Auch der mutmaßliche Täter wurde angeschossen. Er starb wenig später trotz einer Notoperation im Krankenhaus.

Für die Besucher, die es nicht nach draußen geschafft hatten, begannen zwei traumatische Stunden. Sie mussten in der Diskothek verharren, ohne zu wissen, ob der Terror zu Ende war. „Wir konnten nicht ausschließen, dass es weitere Täter gibt“, sagte der Polizeisprecher Bernd Schmidt. Aus Göppingen wurde das Spezialkommando angefordert, ein Polizeihubschrauber kreiste am frühen Morgen über der Stadt. Durch ein neues Einsatzkonzept der Polizei seien die Erstinterventionskräfte schnell vor Ort gewesen. Erst Stunden nach der Tat konnte Entwarnung gegeben werden: „Wir können einen Terroranschlag definitiv ausschließen“, sagte der Polizeisprecher.

Bei dem Täter handelt es sich um einen anerkannten Asylbewerber irakisch-kurdischer Herkunft, der als Kind 1991 nach Deutschland gekommen war. Ursache für den Angriff sei wohl ein „Streit im persönlichen Umfeld des Täters“, teilte die Polizei mit. Der Schütze war mit Mitarbeitern der Diskothek in Streit geraten. Dann fuhr er nach Hause, holte das Sturmgewehr und schoss den Türsteher nieder. Der Täter war nach Angaben der Polizei der Schwager des Betreibers der Diskothek. Er war der Polizei wegen verschiedener Delikte bekannt, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Der Tote war vermutlich eine Zufallsopfer

Vor der Diskothek waren am Sonntagmorgen etliche Journalisten aus der Schweiz anzutreffen. Erst im März war ein 19-Jähriger aus dem Kanton Schaffhausen bei einer Messerstecherei in einer ebenfalls im Konstanzer Industriegebiet gelegenen Shisha-Bar ums Leben gekommen. Unter Tatverdacht steht ein 17-jähriger Deutscher. Auch das Grey, das erst vor wenigen Wochen nach einer Umbauphase unter neuem Namen wieder eröffnet wurde, ist vor allem bei Gästen aus der nahen Schweiz und dem Umland beliebt. Viele dürften zuvor auf dem Konstanzer Weinfest gefeiert haben, das in der Nacht zu Ende ging.

In einer kleinen Bäckerei, eine halbe Autostunde entfernt, verkauft eine Frau Sonntagsbrötchen. Doch die Arbeit fällt ihr an diesem Morgen schwer. Ihre Tochter sei in der Nacht auch im Grey gewesen, der Täter sei mit seiner Waffe direkt an ihr vorbeigelaufen, erzählt sie. „Das Kind ist komplett durch den Wind.“ Nach der Schicht will sie mit ihrer Tochter ins Krankenhaus.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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