Wir haben den Villinger Yannick Erath bei seinem bereits 692. Spiel als Schiedsrichter begleitet. Das 4:1 der DJK Villingen beim SV Hinterzarten war eine emotionale Bezirksliga-Partie mit einigen kuriosen Szenen.
Die 38. Spielminute im Bezirksliga-Spiel zwischen dem SV Hinterzarten und der DJK Villingen läuft: Schiedsrichter Yannick Erath pfeift im Strafraum der DJK ein Offensivfoul. „Wir spielen aber Fußball“, schallt es von der HSV-Bank, für die dieser leichte Kontakt nicht für einen Foulpfiff ausreichte. Ein Spieler bricht vor dieser Bank förmlich zusammen, wirft sich auf die Knie und vergräbt sein Gesicht im Boden.
Die 67. Minute: Luca Wehrle liegt am Boden. „Elfer“, fordert die HSV-Bank zum wiederholten Male einen Strafstoß. Einen solchen pfeift Erath im ganzen Spiel nicht, obwohl die Gastgeber insgesamt vier Elfmeter forderten – eine klare Fehlentscheidung war allerdings nicht dabei.
Die Ruhe vor dem Sturm
Es war viel los an diesem sonnigen Samstagnachmittag vor den Skisprungschanzen Hinterzartens. Doch beginnen wir von vorne. Es ist 15.15 Uhr. Yannick Erath, 31 Jahre alt, schaut das Kreisliga B-Spiel der HSV- und DJK-Zweitvertretungen an. Auch seine Eltern sind vor Ort. Mutter Silke war Fußballerin, Vater Markus ist ebenfalls Schiedsrichter.
Yannick Erath, der selbst für den SV Überauchen kickte, hatte 2010 seine Schiedsrichterprüfung abgelegt. Mittlerweile pfeift er für den SV Oberschach.
Entspannt erzählt der Villinger während des Vorspiels noch die eine oder andere Anekdote und überprüft über sein Handy die Spielerlisten, bevor er diese freigibt.
Erste Gespräche
Dann geht es los. Nach dem Umziehen muss der Schiedsrichter überprüfen, ob der Platz bespielbar ist und ob die Tornetze kein Loch haben. Erath stellt sich bei den Trainern vor und läuft sich warm. „Je nachdem wie alt man ist“, mache man dies oder nicht, so Erath. „Ich schaue schon ein bisschen, dass meine Gelenke geschmiert sind.“
Die Mannschaften laufen auf den Platz. Erath eröffnet das Spiel. Es ist von Beginn an ein intensives. Nach fünf Minuten ertönt der erste Foulpfiff, ein HSV-Spieler wird beim Ausführen des Freistoß zurückgepfiffen.
Die 10. Minute: DJK-Spieler Eneas Hermannstädter sitzt am Boden. Erath unterbricht, erkundigt sich kurz, setzt das Spiel dann fort. Drei Minuten später ist zu sehen, wie Erath vor einem Eckball ein paar Worte verliert.
Es sei seine Art, frühzeitig auf auffällige Spieler einzuwirken, erklärte uns der Schiedsrichter bereits im Vorfeld. In der 15. Minute wundert sich die HSV-Bank, weil Jens Tritschler gefoult worden sein soll, was Erath anders gesehen hatte.
Strittige Szenen
Es folgt der erste größere Aufreger (17.): Noah Schade liegt im HSV-Strafraum am Boden. Die DJK fordert einen Strafstoß, diesen gibt es nicht. Schade steht auf, fasst sich ans Sprunggelenk.
„Viel Ball“, sah Erath in dieser Szene. „Klar war da viel Körpereinsatz dabei, aber wenn es im Strafraum nicht zur Sache geht, dann weiß ich nicht wo.“
Der SV Hinterzarten fordert in der 34. Spielminute erstmals einen Strafstoß, als Luca Wehrle frei durch ist und Nino Schwirz ihn von hinten leicht berührt. Tendenz: Das war etwas zu wenig.
Kuriose Tore
Der HSV geht durch einen Heber von der Seitenlinie durch Luca Wehrle (39.) mit 1:0 in Führung. Noah Schade (43./1:1) gleicht durch ein ähnliches Kunststück aus, nachdem sich HSV-Keeper Mirco Steiert verschätzt hatte.
Auch beim 2:1 (51.) sieht Steiert nicht gut aus, lässt eine Hereingabe vor Torschütze Schade abtropfen. Schade trifft in der 54. Minute nach eigener Balleroberung zum dritten Mal (3:1).
Nun beginnt die Phase, in der sich die HSV-Gemüter erhitzten: Sandro Jock setzt gegen Jens Tritschler seinen Körper ein. Hinterzartens Rufe nach einem Elfmeter wirken in dieser Situation eher wie Frust über die Gegentreffer. Die eingangs erwähnte Situation in der 67. Minute hingegen ist deutlich enger. Daraufhin erhöht Sandro Jock für die DJK auf 4:1 (69.).
Teamleitung bei wiha
In der 73. Minute folgt die vermeintlich kurioseste Szene des Spiels: DJK-Spieler Devin Sarikaya gerät mit dem HSV-Trainer aneinander. Sarikaya wollte zum Kopfball, der Trainer den Ball fangen. Erath sucht das Gespräch und entschärft die Situation.
Über die Jahre habe er sich weiterentwickelt, betonte der Villinger vor seinem 692. Spiel als Unparteiischer. Die als Schiedsrichter erlernten Fähigkeiten in den Bereichen „Diplomatie und Deeskalation“ helfen Erath auch beruflich weiter, wie dieser betont. Der 31-Jährige ist bei wiha als Teamleiter in der Metallverarbeitung für 25 Personen verantwortlich.
Deutliche Worte
Damit zurück zum Spiel: Hinterzarten vergibt in der Schlussphase diverse Großchancen und fordert nach einem weiteren leichten Kontakt im Sechszehner erneut einen Strafstoß. Dreifachtorschütze Schade ist von den dauerhaften Reklamationen der Gastgeber genervt: „Was soll er (der Schiedsrichter Anm. der. Red.) machen, wenn alles nichts war“, ruft er.
Nach einem Zweikampf zwischen Jock und Kevin Steiert holt Erath beide zu sich und findet deutliche Worte. Beide Spieler geben sich danach die Hand. So sieht Fingerspitzengefühl aus.
Erath war nicht schuld
Auch wenn viele Sprüche die Seiten wechseln und viele Emotionen im Spiel sind, bringt Erath das Spiel nun souverän zu Ende. „Emotionen machen den Sport aus“, sagt der Schiedsrichter im Nachgang.
Er meint: „Das war mir in diesen Situationen zu wenig, um auf einen Elfmeter zu entscheiden.“ Aber klar gebe es in jedem Spiel auch 50:50-Entscheidungen.
SVH-Kapitän Daniel Martin will keine Ausreden gelten lassen: „Die Schiri-Leistung war völlig in Ordnung. Keine Frage, am Schiri lag es heute nicht. Es sind Emotionen dabei. Wir machen es uns selbst schwer, durch individuelle Fehler verlieren wir das Spiel.“
DJK-Trainer Franceso Milia findet sogar: „Der Schiedsrichter hat eine super Leistung gezeigt. Es war nicht einfach mit den ganzen Zuschauereinflüssen.“
Das Fazit von Yannick Erath lautet: „Für mich war es ein normales Spiel.“ Er genießt jetzt noch ein wenig das schöne Wetter.