In der Region gibt es eine Diskussion um die Ansetzung von Schiedsrichtern Foto:  

Da es in der Region zu wenige Unparteiische gibt, greift der Verband auch auf aus Kräfte Frankreich zurück. Jedoch wirft dieser Austausch oft sprachliche Hürden auf.

Zuletzt wurde das Spiel zwischen dem FV Schutterwald und dem SC Lahr (1:1) von einem französischen Unparteiischen geleitet, der kaum Deutsch sprach. Trainer Dino Piraneo sah den SC Lahr benachteiligt, da seine Mannschaft nicht im selben Maß mit dem Schiedsrichter kommunizieren konnte wie das gegnerische Team, das zum großen Teil französischsprachig war.

 

Auch bei der Begegnung SC Lahr gegen Linx im März, die Lahr mit 0:1 verlor, gab es Unmut im Zusammenhang mit der Spielleitung, ebenfalls wegen Verständigungsproblemen: „Ich kann nicht verstehen, warum der Verband bei einem Spiel, bei dem bei Linx rund zwei Drittel der Spieler Franzosen sind, einen französischen Schiedsrichter ansetzt, der kein Deutsch spricht“, so Petro Müller, sportlicher Leiter des SC Lahr.

„Ich würde selbst nicht gerne als Schiedsrichter arbeiten“, sagt Dino Piraneo. Er trainiert seit Anfang 2025 die Lahrer Verbandsliga-Reserve in der Landesliga. Vor allem die Anfeindungen außerhalb des Spielfelds würden dafür sorgen, dass die Position des Unparteiischen immer unattraktiver werde – auch für Jungschiedsrichter. „Die Fans müssen verstehen, dass das Spiel und die Konflikte nach Abpfiff zu Ende sind.

Anfeindungen während der Partie sind schon unmöglich, aber darüber hinaus geht das gar nicht“, sagt der 49-Jährige. Es fehle grundlegend an Respekt für diese Tätigkeit, so Piraneo. In diesem Verhalten sieht er den Hauptgrund dafür, dass Unparteiische fehlen. Die aktuellen Zahlen bestätigen Piraneos Aussagen: Viele Schiedsrichter, besonders junge, hören wegen Anfeindungen durch Spieler und Zuschauer auf.

Laut Deutschem Fußballbund leiteten in der Saison 2021/22 noch knapp mehr als 50.000 Schiedsrichter Spiele auf deutschen Rasenplätzen, knapp fünf Jahre vorher waren es noch rund 9000 mehr gewesen. Die Zahlen der Austritte seit 2018 sind um einiges drastischer: 63.070 Schiris gaben bis 2022 ihr Amt auf, Neuzugänge sind dagegen kaum zu verzeichnen.

Lösungsansätze hierfür gebe es von Seiten der Vereine einige. Petro Müller, sportlicher Leiter des SC Lahr, wünscht sich vor allem vom DFB mehr Unterstützung. „Der Bund müsste aktiver werben, um die Vereine zu unterstützen. Auch die Landesverbände sollten von dieser Aufgabe nicht befreit sein“, fordert er.

Die derzeitigen Strafen, die ein Verein zahlen muss, sollte er nicht genügend Schiris stellen, sieht er grundlegend als sinnvoll an, wünscht sich aber eher eine Art Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip. „Natürlich muss es eine Art Strafe geben, wenn jemand sein Soll an Schiris nicht erfüllt. Sonst würden die Vereine selber nicht motiviert werden, Schiris zu stellen. Aber wenn es Strafen gibt, muss es auf der anderen Seite auch Belohnungen geben.“

Viele Schiedsrichter hören wegen Anfeindungen auf

Gerade hier in der Region kann der Blick auf die andere Seite des Rheins Inspiration liefern, denn eine Lösung, die dem Problem entgegenwirken würde, wäre der Einsatz von französischen Unparteiischen auf deutschen Spielfeldern. Doch die vermeintlich einfache Lösung entpuppt sich in den vergangenen Jahren eher als eigenes Problem, das vor allem sprachlicher Natur ist, sagt Müller. „Wir hatten es in den vergangenen Jahren mehr als nur einmal, dass Schiris von der anderen Seite des Rheins wenig bis gar kein Deutsch sprechen. Das erschwert die Kommunikation“, so Müller.

Diese Sprachprobleme würden etwa ein- bis zweimal pro Saison auftreten. Allein in jüngster Zeit habe es diese Schwierigkeiten in den Partien gegen Linx und Schutterwald gegeben. Wenn beide Mannschaften durch die sprachlichen Hürden gleich benachteiligt wären, stelle das kein Problem dar, aber wenn beim Gegner die halbe Mannschaft Französisch spreche, sei das für das deutsche Team natürlich von Nachteil.

Heinz Schwab, Vorsitzender des Bezirks Offenburg im Südbadischen Fußballverband, würde sich Angebote wie Sprachkurse wünschen, um dem Problem entgegenzuwirken. Solche Kurse existieren bislang allerdings noch nicht. „Den Austausch von Schiedsrichtern über den Rhein begrüße ich sehr“, sagt Schwab unserer Redaktion und berichtet darüber, dass der Mangel bereits vor mehr als zehn Jahren spürbar gewesen sei.

Es habe aber auch schon Gespräche mit dem elsässischen Schiedsrichterverband gegeben, die Kooperation mit der deutschen Seite einzustellen. Schwab freut sich, dass diese Pläne verworfen wurden. „Wir brauchen den Austausch mit unseren französischen Nachbarn“, betont er.

Großartige Sprachprobleme in seinem Bezirk sieht er nicht. „Ich denke, es handelt sich hier eher um bedauerliche Einzelfälle“, ordnet er ein. Mit Aktionen wie Neulingslehrgängen bietet der Verband einiges an, um das Schiedsrichterwesen auch für Jüngere attraktiver zu gestalten. „Die Spesensätze in Baden-Württemberg sind viel höher als die in anderen Bezirken“, sagt Schwab. Finanzielle Anreize seien da, aber dem Schiri-Nachwuchs fehle es teils einfach auch an der verfügbaren Freizeit.

Das merkt auch Müller. Früher sei es gang und gäbe gewesen, dass Schiedsrichter noch bis 70 gepfiffen hätten. Da habe man die Leidenschaft gemerkt. Aber heute stehe bei den Jüngeren, die nachkommen, meist der Beruf dazwischen. Dazu komme laut Müller, dass viele Unparteiische auch Spieler sind. Das führe in der Praxis häufig zu Terminproblemen.