Walter Schwer (links) und Berthold Weichert setzen sich gemeinsam mit weiteren Bürgern für den geschädigten Vermieter der Wohnung ein. Foto: Otto

Die Gemeinde sucht Wohnraum für Flüchtlinge. Ein Mann aus Zimmern meldet sich daraufhin wegen seiner freien Wohnung – und ein Alptraum beginnt. Nun braucht er Hilfe.

Der Fall ist komplex. Er zieht sich über Jahre – und zurück bleiben nun eine demolierte Wohnung und jede Menge Schulden. Es geht um die Frage der Verantwortung und um einen Bürger, der sich von den Behörden im Stich gelassen fühlt. Einige Zimmerner haben sich nun zusammengeschlossen, um ihm zu helfen.

 

Sieben Seiten lang ist die Chronologie der jahrelangen Ereignisse, mit der sich Walter Schwer, Berthold und Rita Weichert, Kurt Scherfer und Christina Löffler an unsere Redaktion wenden. Sie sind bekannt und engagiert im Ort. Und sie wollen nicht tatenlos mitansehen, dass ein Zimmerner Bürger, wie sie sagen, „im besten Vertrauen in die Gemeindeverwaltung“ Opfer von Mietnomaden geworden sei und deshalb nun um seine finanzielle Existenzgrundlage fürchten muss.

Seine Hilferufe bei der Gemeinde seien abgewimmelt worden, auch beim Landratsamt fand er niemanden, der sich zuständig fühlte. Jetzt soll ihm geholfen werden.

Aufruf der Gemeinde im Amtsblatt

Doch von vorn. In der Chronologie wird folgendes geschildert: 2018 habe der Zimmermann, der krankheitsbedingt berufsunfähig ist, einen Aufruf der Gemeinde Zimmern im Amtsblatt gesehen. Wohnraum für Flüchtlinge wird gesucht. Eine Gemeindemitarbeiterin habe die Wohnung im Obergeschoss seines älteren Hauses für geeignet befunden. Eine syrisches Ehepaar mit Kind werde einziehen, habe es geheißen.

Ein verlässlicher Partner?

Wie er sagt, glaubte er, in der Gemeinde einen verlässlichen Partner zu haben. Eine für die Flüchtlinge zuständige „Betreuerin“ habe ihm einen ausgefüllten Mietvertrag vorgelegt. Die Miete soll direkt zur Tilgung eines Kredits des Vermieters an die Bank gehen. Weil die Miete vom Landratsamt komme, sei keine Kaution üblich, habe es von der Betreuerin geheißen. Später sei ihm ein neuer Mietvertrag eingeworfen worden – mit Kaution, die aber nie gezahlt worden sei.

Schon da ist die Lage für den Vermieter unübersichtlich – und es zieht dann plötzlich nicht die zunächst von der Betreuerin genannte Familie, sondern andere syrische Flüchtlinge ein.

Irgendwann fehlt die Miete

In Kurzfassung: Über die weiteren Jahre wohnen unterschiedliche Personen in der Wohnung. Nach einem Trauerfall bei den Flüchtlingen hätten über ein Dutzend Menschen die Wohnung „tagelang besetzt“ und sie in verheerendem Zustand verlassen. Irgendwann stellt der Vermieter fest, dass die Miete nicht mehr auf seinem Konto eingeht. Wie sich herausstellt, hat ein Mieter eine Arbeit begonnen und muss nun eigentlich für die Miete selbst aufkommen.

Im Bad wurde die Duschwand herausgerissen, der Boden wohl öfter dauerhaft geflutet. Die Platten heben sich. Foto: Otto

„Diese wurde aber monatelang nicht gezahlt“, sagt Berthold Weichert, der als Nachbar alles hautnah mitbekommen hat. Inzwischen stünden dem Vermieter allein hier noch 5000 Euro aus.

Auszug über Nacht

2024 seien die letzten Mieter dann quasi „über Nacht“ ausgezogen. Den Zustand der hinterlassenen Wohnung nimmt unsere Redaktion gemeinsam mit Berthold Weichert und Walter Schwer – im Einvernehmen mit dem Vermieter, der derzeit abwesend ist – in Augenschein.

Das WC scheint zur Dusche umfunktioniert worden zu sein, auch hier hebt sich der durchweichte Boden. Foto: Otto

Nachbar Weichert bittet, beim Rundgang vorsichtig zu sein. Der Laminat im Flur hebt sich, ebenso die Platten im Bad. Die Mieter hätten den Boden wohl immer wieder über lange Zeiten komplett „geflutet“, erklärt Berthold Weichert. Beim Vermieter im Untergeschoss sei das Wasser durch die Decke gekommen, er sei nun dabei, die durchgefaulte Deckendämmung zu ersetzen.

Duschverkleidung herausgerissen

Die Duschverkleidung hätten die Mieter herausgerissen. Auch im separaten WC wurde ohne Absprache ein Duschkopf mit Schlauch ans Waschbecken montiert. Auch hier hebt sich der Boden – Schimmel zieht sich die Wände hoch. Abflüsse sind verstopft.

Der Laminatboden wurde mit Teppichen beklebt. Foto: Otto

Der Laminatboden und die Holztreppe sind von Kleberresten übersät. Hier seien überall Teppiche aufgeklebt worden, erklärt Walter Schwer. Und in der Küche seien alle Geräte kaputt. Alles müsse neu gemacht werden, die Sanierung könne sich der Besitzer aber gar nicht leisten. So vermieten kann er die Wohnung auch nicht – ein weiterer Einnahmeausfall.

Unverschuldet ihn Notlage

„Wenn ein Mensch unverschuldet in so einer Notlage ist – dann muss man doch helfen“, sagt Berthold Weichert. Walter Schwer nickt. Er war selbst schon als Betreuer von Flüchtlingen engagiert. Sie ärgern sich, dass die Gemeinde hier ihrer Sorgfaltspflicht „in keinster Weise nachgekommen“ sei – auch wenn der Vermieter, wie sie einräumen, vielleicht manchesmal zu gutgläubig gewesen sei. An einer gemeinsamen Lösung habe die Gemeinde kein Interesse, so der Vorwurf.

Das sagt das Landratsamt

Und wer fühlt sich bei den Behörden nun verantwortlich? Wir konfrontieren die Gemeinde und das Landratsamt mit dem Fall. Andrea Schmider, Sprecherin beim Landratsamt, erklärt: „Wir hatten von 2018 bis 2024 keinen Mietvertrag für diese Adresse, und dort waren und sind auch keine Geflüchteten untergebracht, die unter der Betreuung des Landkreises stehen.“ Die Unterstützer merken hierzu an, dass die Miete, wie die Kontoauszüge zeigen, zu Beginn vom Landratsamt gekommen sei.

Das sagt die Gemeinde

Anja Schaber von der Gemeinde Zimmern teilt zu dem Fall mit: „Der Gemeinderat hat sich mit den Vorgängen mehrfach befasst. Da es sich um nichtöffentliche Beratungen handelte und personenbezogene sowie haftungsrechtliche Aspekte betroffen sind, können wir dazu keine weiteren Angaben machen. Ein Mietverhältnis mit der Gemeinde bestand jedoch nicht.“

Grundsätzlich gelte, dass nur Mietverhältnisse, bei denen die Gemeinde selbst Vertragspartner ist, auch in die Verantwortung der Gemeinde fallen. Und: „Bei einer Vermietung von Wohnraum an die Gemeinde zur Unterbringung geflüchteter Menschen ist von vornherein klar, dass die Wohnungen für diesen Zweck vorgesehen sind. Die konkrete Zuweisung der Personen erfolgt nicht durch die Gemeinde, sondern durch das Landratsamt.“

Fazit: In der Verantwortung sieht sich hier niemand. Für den Zimmerner Bürger wollen die Unterstützer nun Geld sammeln, damit er die Wohnung sanieren kann. Sie fühlen sich in einer Ortsgemeinschaft durchaus verantwortlich. 

Im Internet ist auf www.gofundme.de unter dem Titel "Damit aus Vertrauen kein Ruin wird" eine Spendenplattform zu finden, Berthold Weichert hat außerdem ein Spendenkonto unter der Nummer DE18642901200060308001 eingerichtet.