Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Schenkenzell Whirlpool, Yacht oder neues Auto?

Von
Ein kunterbuntes Feuerwerk bringt das Narrenvolk zum Staunen. Foto: Schwarzwälder Bote

In der Schenkenzeller Gemeindekasse sieht es alles andere als rosig aus. Grund genug für den neuen Narrenvater Luis Kaufmann, sich über den Verbleib des Geldes Gedanken zu machen – und dem Bürgermeister die Macht im Rathaus zu entreißen.

Schenkenzell. Bevor es zwischen dem Narrenvater und Rathauschef Bernd Heinzelmann am Abend des Schmotzigen Donnerstags hoch herging, versammelten sich die Schenkenzeller Narren zum gemeinsamen Umzug an der Mühlenwiese. Von dort zogen die Schenkenhexen, Haldenhexen, Kobalthexen, Wustelegeister und viele Hemdglunker unter den närrischen Klängen des Musikvereins die Reinerzaustraße entlang zum Rathaus.

Dann ließ Narrenvater Luis Kaufmann (fast) kein gutes Haar an Bürgermeister Bernd Heinzelmann, der sich im Rathaus vor den Narren versteckt hielt. "Dort hockt vom Dorf des Oberhirn, mit mächtig Angstschweiß uff da Stirn", meinte Kaufmann –­ und zwar: "Zurecht, weil i mit Ordnungssinn heit net nur Narrenvater bin. Sondern au no Chefankläger von unserm höchsten Schlipslesträger." Kaufmann machte die Narren zu seinem Schwurgericht und forderte Heinzelmann auf, sich zu zeigen: "Also Schultis, trausch di raus? Oder bisch da Hintereingang naus?"

Dann nahm er Heinzelmann ins launige Kreuzverhör und ging dem "mächtigen Aderlass" der Gemeindekasse auf den Grund. "S’isch nix meh drin, doch war’s mol viel – und Schultis, do kunnsch du ins Spiel", machte Kaufmann klar. Er stellte diverse Vermutungen an, was Heinzelmann mit dem Geld gemacht haben könnte: Hat er sich ein neues Auto bestellt, war er im Urlaub, hat er sich gar eine Yacht im Mittelmeer gekauft, sein Dach mit einem Whirlpool ausgestattet oder beim Roulette verloren?

"Also, Schultis, klär’ uns auf, sunsch nimmt des Unheil seinen Lauf. Was hosch gega die ganza Klage zu deiner Verteidigung zu saga?", übergab der Narrenvater das Wort an den Bürgermeister. Der konterte: "Wo au immer die Reichtümer, von denen du fabulierst, gewesen sind. Im Rathaus wared se ned, des isch gsagt ganz gschwind." Denn "das Geld steckt tief vergrabe und isch weg –­ in da Mühlewiese und im Wieseweg und au im Rothalde-Dreck." Damit wieder Geld in die Kasse komme, forderte er die Narren auf, im Ort zu bauen: "Viel Sonne, nette Nachbarn, lauter rechte Leit", warb er für Oberdorf-West.

Außerdem sei kein Geld mehr sicher, bevor das "Finanzamt net endgültig sein Okay geit". Heinzelmann bedauerte: "So gibt’s immer wieder, dass die Firme das Geld holet zruck, bevor mir’s stecke kennet in a Straß oder a neue Bruck." Aber auch Kaufmanns Anschuldigungen wollte der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen: "Privat hätt’ ich so manchen Euro verprellt. Nix war’s mit neuem Auto durch kommunales Geld", stellte er klar. Außerdem habe das Geld gerade mal für eine Woche Urlaub gereicht –­ "un net mal an d Ballermann". Eine Yacht im Mittelmeer, "des gibt da Geldbeutel scho gar net her", jammerte Heinzelmann.

Der Narrenvater wollte diese Erklärungen nicht ganz gelten lassen, überließ dem Schwurgericht aber die Aufgabe, ein Urteil zu fällen: "Wer glaubt, dass unser Gmeindeleiter und alle seine Mitarbeiter mit ihrem Gschäft auf Kurs no liege" wurden zum Johlen aufgefordert. Trotz Animationsversuchen von Heinzelmann blieben die Narren eher verhalten. "Wer aber glaubt, dass heut konträr a Machtwechsel vonnöten wär, der muss endlich jetzt uffwacha und sich laut bemerkbar macha", meinte Kaufmann –­ und bekam lauten Jubel entgegen. Damit war die Sache klar und Heinzelmann musste den Schlüssel rausrücken, zumindest vorerst. Denn der Narrenvater ließ sich ein Hintertürchen offen: "Mir probierat’s für a Woch’, befreiet uns von eurem Joch. Und wenn’s nix wird, s’Regierungsglück, dann kriegat ihr da Schlüssel zrück."

Nach diesem Erfolgserlebnis zogen die Narren weiter Richtung Halle. Unterwegs feuerten die Halden-Hexen ein großes Feuerwerk ab – und ernteten Szenenapplaus für das minutenlange Spektakel am Nachthimmel. Einige Meter weiter stellten die Schenkenhexen gekonnt den Narrenbaum, bevor es für die bunte Narrenschar beim Hemdglunkerball in der Halle weiterging.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.