Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Schenkenzell Währungsreform bedeutet 1923 das Aus

Von

Die Ausbaupläne des Schenkenzeller Fabrikanten Heinrich Kautzmann in den 1920er-Jahren für die Großwasserkraftanlage im Kaltbrunner Tal sind weiter vorangetrieben worden – auf Kosten der Stadt Karlsruhe wurden die Pläne ausgearbeitet.

Schenkenzell. Das Großprojekt, dessen Kosten auf den neuesten Stand gebracht, im Einzelnen: Im Kaltbrunner Tal sollen zwei Staubecken mit einem Fassungsvermögen von je 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser entstehen. Gesamteinzugsbereich 106 Quadratkilometer. Das untere Staubecken in Höhe des östlichen Burgfelsens soll eine Staumauer von 35 Metern Höhe erhalten. Gespeist wird das Becken mit Wasser aus der Reinerzau, dem Kaltbrunner Bach und dem Klosterbach Wittichen. Die Zuführung von der Reinerzau und dem Klosterbach soll durch Stollen erfolgen. Die beiden Höfe Bürlehof und Seppleshof müssten weichen. Stauende wäre im Bereich des jetzigen Sportplatzes.

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit befürwortete die Stadt Karlsruhe im Gegensatz zu Heinrich Kautzmann den Bau eines zweiten Staubeckens ab dem Bereich Bühlhof mit einer noch höheren Staumauer, aber dem gleichen Fassungsvermögen. Gespeist worden wäre dieses Becken mit Wasser aus dem Roßbergbereich, Grüß-Gott-Tal und dem Wolftal. Die Fassung der Wolf wäre unterhalb Rippoldsau zusätzlich mit dem Gebirgsbächen Seebach, Wildschapbach und weiten kleineren Quellbächen erfolgt Die Überleitung sollte über Freispiegelstollen und teils hölzernen Hangrohren erfolgen. Das Waldhüterhaus in Hinterkaltbrunn hätte ebenfalls, wie schon die beiden Höfe im vorderen Teil des Tals, dem Stauwasser weichen müssen.

Vom Bühlhofspeicherbecken wäre dann das Wasser in einer Hangdruckrohrleitung zum Wasserschloss am Kapellenberg geleitet worden. In einem Kraftwerk mit Turbinen und Generatoren mit einer Leitstung von 6000 PS wäre Strom erzeugt worden. Das Restwasser ging dann weiter in das untere Talbecken.

Das Nutzen des Wassers vom unteren Staubecken im Tal sollte dann letztendlich im einem Kraftwerk an der Kinzig, südlich von Schenkenzell, oberhalb des sogenannten Haldenwinkels erfolgen, und zwar eine Verbindung mit Druckstollen und zum Schluss mit einer eisernen Fallleitung.

Im Kraftwerk Haldenwinkel waren Generatoren und Turbinen mit 12 000 PS-Leistung vorgesehen. Am Schluss landete das Überwasser der Reinerzau, des Kaltbrunner Baches und der oberen Wolfach in einem Ausgleichsbecken im Bereich des Haldenhofes und dann in der Kinzig.

Der Plan für das Großprojekt stand soweit. So langsam war in Anbetracht des erheblichen Kohlemangels im Raum Karlsruhe und Mannheim Eile geboten. Es kam Bewegung auf. Die fortgeschriebenen Gesamtkosten wurden zwischenzeitlich auf rund 155 Millionen Mark veranschlagt. Für beide Stufen wurde eine Jahreserzeugung von 32,9 Millionen Kilowattstunden errechnet. Davon gingen noch 4,5 Millionen Kilowattstunden ab für Ablösungen – eine enorme Summe.

Zwischenzeitlich kamen weitere Geldgeber zur Finanzierung des Projekts ins Boot. Mitte 1923 stieg die Stadt Karlsruhe aus, während die Badische Elektrizitäts-Gesellschaft Mannheim und ein Bankhaus aus Berlin ihr Interesse bekundeten. Letztendlich ging es auf die Bildung einer Aktiengesellschaft hinaus, bei welcher Heinrich Kautzmann und Gustav Jahn ein Sechstel Anteil gehabt hätten.

Was kam, war die Währungsreform im November 1923. Das war dann ganz schnell das Ende des von der Schenkenzeller Firma Schwarzwälder Textil-Werke betriebenen Projekts. Alle Anstrengungen von Fabrikant Heinrich Kautzmann und seinen "Geldgebern" über die Jahre waren umsonst.

Die ganze Geschichte lebte aber im Juni 1939 auf. Von der Reichsregierung kam wiederholt die Aufforderung zur Einsparung von Kohle. Diese hätte in der chemischen Industrie wichtigere Aufgaben zu erfüllen. Das Nutzen von Wasserkraft kam wieder ins Spiel. Spitzenkraftwerke sollten angelegt werden. Die Reichsregierung verlangte eine Inventarisierung der noch nicht vergebenen Wasserkräfte im Schwarzwald. Darunter zählte auch die 1921/1922 von der Stadt Karlsruhe näher bearbeiteten Werke im Flussgebiet Reinerzau-Wolf-Kinzig. Dieses Großkraftwerk erwies sich damals als ausbauwürdiges Spitzenwerk. Geeignet, der Stadt billige Grund- und Spitzenkraft zu liefern.

Dass die Stadt Karlsruhe damals vom Ausbau dieser Wasserkraft absah, "lag in der langen Bauzeit und den damaligen finanziellen Verhältnissen und der unsicheren Lage begründet". Nochmals wurden die Kosten hochgerechnet – auf zwölf bis 15 Millionen Reichsmark bei einer Jahreserzeugung von 24 Millionen Kilowattstunden. Mit noch größeren Staubecken könnte die Erzeugung und Wirtschaftlichkeit weiter erhöht werden, so die Überlegungen der Fächerstadt.

Dann kam der Zweite Weltkrieg und nichts war mehr von einer Weiterverfolgung des Großprojekts zu hören.

Ihre Redaktion vor Ort Schramberg

Stephan Wegner

Fax: 07422 9493-18

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.