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Schenkenzell Kommt Notarzt künftig noch später?

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Im Notfall muss es schnell gehen. Schenkenzell sieht sich hier im Nachteil. (Symbolfoto) Foto: dpa

Schenkenzell - Beunruhigung im Rathaus Schenkenzell: Kommt eine Verlängerung der Hilfsfristen für Rettungswagen und Notärzte oder ist das bloß kalter Kaffee? Bürgermeister Thomas Schenk ist das einerlei. Entlegene Orte wie Kaltbrunn oder Wittichen seien schon jetzt im Nachteil.

In einem akuten Notfall kommt es auf jede Sekunde an. Regelrecht entgeistert war Bürgermeister Thomas Schenk deshalb von Meldungen in verschiedenen Medien, Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) erwäge die Hilfsfrist für Notfallpatienten von 15 auf 18 Minuten zu verlängern, weil die bisherigen Vorgaben ohnehin nicht eingehalten würden. Bundesweit würde Baden-Württemberg mit seinen Hilfsfristen dann auf den vorletzten Platz vor Sachsen-Anhalt abrutschen. Dort hat der Notarzt bis zu 20 Minuten Zeit. "Ich lade den Minister mal zu einer Notfallübung nach Kaltbrunn oder Wittichen ein", war Schenks spontane Reaktion. Eine Verlängerung der Frist würde Schenkenzell, vor allem die Ortsteile, hart treffen.

Die Rettungswache in Schiltach ist nur von 7 Uhr bis 17 Uhr besetzt, zuständig für ein Einsatzgebiet mit 76 Quadratkilometern und 5800 Einwohnern. "Wir sind froh über die Rettungswache in Schiltach", sagt Schenk. Aber außerhalb dieser Zeit kommen Rettungs- und Notarztwagen aus Wolfach oder Schramberg. "Das bedeutet zehn Minuten Fahrzeit von Schramberg bis Schenkenzell und weitere zehn Minuten bis Kaltbrunn, im Winter noch länger, nachts sind also 15 und selbst 18 Minuten Hilfsfrist utopisch", rechnet Schenk vor.

Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten dementiert Andreas Schanz, Sprecher von Innenminister Gall, dass eine Verlängerung der Hilfsfristen geplant sei. Die Berichte vom 25. Mai hätten sich auf eine Pressemitteilung des Innenministeriums vom 8. Mai 2014 bezogen. Darin hatte die "Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg" Modellüberlegungen zu einer zweistufigen Hilfsfrist mit bis zu 18 Minuten angestellt. Dies sei aber überholt. Aktuell gebe es keine Erwägungen des Ministers in diese Richtung. "Der in diesen Tagen den Landtagsfraktionen zur Abstimmung gegebene Entwurf der Novelle des Rettungsdienstgesetzes enthält keine Änderung der Hilfsfristen", versichert Schanz.

Darüber ist Bürgermeister Schenk erleichtert, aber in der Sache noch nicht zufrieden. Denn Herzinfarkt, Schlaganfall und Unfälle passieren auch nach 17 Uhr und nachts – gerade im Sommer, wenn es lange hell ist. Schenk führt Arbeitsunfälle in der Land- und Forstwirtschaft sowie Freizeitunfälle mit dem Fahrrad an. Auch bei der Gartenarbeit könne etwas passieren. "Schon vor 21 Jahren, bei meinem Amtsantritt, war das ein Thema in Schenkenzell und Kaltbrunn", sagt Schenk. Auch die drei "Helfer vor Ort" (First Responder) in Schenkenzell, welche die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungswagen oder Notarzt überbrücken sollen, sind für ihn keine Lösung des Problems, da sie nicht ständig verfügbar seien. Weil sie zum Beispiel ihren Arbeitsplatz in Rottweil haben oder auch mal in Urlaub gingen.

Vergeblich kämpfte Schenk bis heute für eine längere Bereitschaftszeit von 6 bis 22 Uhr der Rettungswache in Schiltach. Unterstützt wird er dabei von den Industriebetrieben vor Ort, wo es immer mal wieder Betriebsunfälle gebe. Bislang vergeblich. Da die Hilfsfrist im Landkreis Rottweil im Durchschnitt in 95 Prozent der Fälle erreicht würde, stellten die Krankenkassen keine zusätzlichen Mittel dafür bereit.

Durch die Diskussion über eine Verlängerung der Hilfsfristen für Notfalleinsätze rückt auch die Arbeit der "Helfer vor Ort" mehr ins Blickfeld. Rettungswagen und Notarzt brauchen im Durchschnitt acht bis zehn Minuten, um bei einem Notfall in Aichhalden oder Rötenberg einzutreffen, bei schwierigen Witterungsverhältnissen kann es auch länger dauern. Um diese Wartezeit zu überbrücken, bietet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auch in Aichhalden-Rötenberg ein "Helfer-vor-Ort"-System an. Ansprechpartner dort ist Manfred Wölfle, der auch Mitglied im Präsidium des Kreisverbandes Rottweil ist.

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