Mit Ablauf der Legislaturperiode scheidet die FDP aus dem Landtag aus. Timm Kern blickt auf seine 15 Jahre als Abgeordneter für den Landkreis Freudenstadt zurück.
Nach 74 Jahren durchgehender Zugehörigkeit zum Landtag scheidet die FDP mit Ablauf der Legislaturperiode erstmals aus dem Parlament aus. Damit endet auch die 15-jährige Abgeordnetentätigkeit von Timm Kern, der den Landkreis Freudenstadt seit 2011 in Stuttgart vertreten hat. Davon berichtet Kerns Büro in einer Pressemitteilung.
Den ersten Anlauf, ein Mandat zu erringen, nahm der in Horb-Ihlingen aufgewachsene Kern schon bei der Landtagswahl 1996 – damals im Alter von 24 Jahren. Zum Einzug reichte es damals noch nicht. Fünf Jahre später erlangte dann der Horber Oberbürgermeister Michael Theurer für die FDP das Mandat im Wahlkreis Freudenstadt.
2009 wechselte Theurer ins Europäische Parlament und gab sein Landtagsmandat auf. Timm Kern erinnert sich, wie der langjährige Horber OB ihn damals angerufen hatte, ob er sich vorstellen könnte, ihm im Landtag nachzufolgen: „Ich war damals Lehrer in Reutlingen und hatte zwei kleine Kinder. Da überlegt man natürlich schon, ob man das wirklich machen soll oder ob das Familienleben zu sehr darunter leidet. Nach Rücksprache mit meiner Frau war der Entschluss aber klar: Ich mache das!“.
In Wahlkreis Hechingen-Münsingen gewechselt
So zog Kern 2011 in den Landtag ein. 2013 wurde er parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion, was er bis 2021 blieb. Zudem war er bis zuletzt stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP/DVP-Fraktion. Zur diesjährigen Wahl kandidierte Kern im Wahlkreis Hechingen-Münsingen. Die FDP schaffte die Fünf-Prozent-Hürde nicht.
Zum Ende seiner Abgeordnetenzeit äußerte sich Kern dankbar für die Möglichkeit, den Landkreis Freudenstadt und die Menschen in Baden-Württemberg zu vertreten. „In den vergangenen 15 Jahren habe ich unzählig viele, sehr schöne Momente, spannende Gespräche und interessante Menschen erleben dürfen.“
Mehr als 330 Reden im Plenum
In den 15 Jahren hat der FDP-Abgeordnete fast 250 Anträge sowie knapp 130 Kleine Anfragen gestellt und mehr als 330 Reden im Plenum gehalten. Doch was waren die Highlights über die reinen Zahlen und Fakten hinaus? „Da denke ich zum Beispiel an die zahlreichen Kern-Gespräche, wie erst kürzlich mit Harald Schmidt, aber auch mit vielen anderen tollen Gästen. Oder an den einstimmigen Beschluss des Landtags, auf meine Initiative hin ein Jugendwerk zwischen Baden-Württemberg und Israel einzurichten. Das war besonders schön, weil es gezeigt hat, dass man auch als Oppositionsabgeordneter konkrete Initiativen voranbringen kann“, bilanziert Kern.
Zur Zukunft der FDP gibt sich Kern zuversichtlich: „Es ist eine äußerst schwierige Lage für meine Partei – aber eine liberale Kraft, welche die aktuelle Reformunfähigkeit der Politik aufbricht, wird eigentlich dringender gebraucht denn je. Entscheidend wird sein, dass die FDP wieder verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnt. Dann bin ich mir sicher, dass die Liberalen bei Wahlen auch wieder stark werden können.“