Richy Müller (Mi.) ist seit Jahrzehnten ein begeisterter Radfahrer. Foto: Radsportakademie/cf

Der sportaffine Tatort-Kommissar Richy Müller (66) radelt am Sonntag für den guten Zweck. Früher hatte er sogar mal die Olympischen Spiele in Montreal als Ziel – als Turner.

Stuttgart - Fußball-Legende Guido Buchwald, Biathlon-Weltmeisterin Simone Hauswald, Ex-Radprofi Dietrich Thurau – das Feld, das sich an diesem Sonntag (ab 9 Uhr) in Gäufelden-Öschelbronn einfinden wird, ist prominent besetzt. Auch „Tatort“-Kommissar Richy Müller gehört zu den Stars, die mit rund 1000 Freizeitradlern für den guten Zweck unterwegs sind – der Erlös der Charity-Bike-Veranstaltung geht an das Kinderhilfsnetzwerk Star Care.

 

Herr Müller, Sie sind bei der Veranstaltung in Öschelbronn einer der Teamkapitäne. Was bedeutet es für Sie, mit dem Rad unterwegs zu sein?

Ich habe Radfahren auf einem Herrenrad gelernt, unter der Stange, im Rahmen hin und her pendelnd. Seither ist diese Art der Fortbewegung für mich ein Abenteuer geblieben.

Fahren Sie so wild?

Nein (lacht). Radfahren bedeutet für mich ein Stück Freiheit. Es ist die Möglichkeit, den Stress des Alltags hinter mir zu lassen, abseits von vorgeschriebenen Pfaden, ohne fremdgesteuert zu werden. Ich genieße es, mich in der Natur zu bewegen und unabhängig zu sein – und das schneller als zu Fuß.

Wie schnell?

Ich bin noch ohne E-Unterstützung unterwegs, meist mit dem Rennrad. Mein Ziel ist, mich körperlich zu betätigen und dabei die Natur zu genießen.

Wo?

Wir wohnen im Chiemgau, eine bevorzugte Strecke führt rund um den Chiemsee, das sind ungefähr 55 Kilometer. Und öfter mal fahren wir zu unserem Stammlokal zum Mittagessen. 25 Kilometer hin, 25 Kilometer zurück – das ergibt bei den verbrauchten und zu uns genommenen Kalorien ein Nullsummenspiel. Das passt, und es bringt noch eine Menge Spaß.

Verfolgen Sie die Tour de France oder andere Profirennen?

Ich würde mich nicht als Fan bezeichnen, aber ich schaue schon gerne mal rein, wenn es zeitlich passt. Und frage mich dann, ob es möglich ist, dies alles aus eigener Kraft zu schaffen.

Wie fällt die Antwort aus?

Ehrlich? Ich weiß nicht, ob das geht. Zugleich bin ich jemand, der stets an das Gute glaubt. Es wäre ja fatal, nur daran zu denken, dass so etwas nicht gehen kann.

Wer den Namen Richy Müller und den Begriff Sport googelt, landet automatisch bei schnellen Motoren. Liegt dort Ihre wahre Begeisterung?

Klar, Motorsport betreibe ich gerne. Ich fahre gerne Rennen, bin gerne bei Rennen dabei. Aber für mich persönlich grenze ich nichts aus. Ich würde auch zu einem Tennisturnier gehen, obwohl ich selbst nicht spielen kann.

Woher kommt diese Offenheit?

Ich habe gemerkt, dass Neugierde jung hält.

Und fit ganz offensichtlich auch.

Danke. Ich bin in der glücklichen Lage, von meinen frühen Jahren zehren zu können.

Sie waren Turner.

Stimmt. Ich bin in Mannheim aufgewachsen und habe mit acht Jahren begonnen, viermal die Woche drei Stunden zu trainieren. Mein Fernziel waren die Olympischen Spiele 1976 in Montreal.

Was wurde aus diesem Vorhaben?

Es blieb ein weit entferntes und letztlich unerreichbares Ziel. Nach acht Jahren Leistungssport habe ich aufgehört, die Belastung parallel zur Ausbildung als Werkzeugmacher war zu extrem. Aber das intensive Training kommt mir noch heute zugute.

Sie könnten als Kommissar Thorsten Lannert auch mit dem Rad in Stuttgart von Tatort zu Tatort fahren?

(lacht) Puh, das wäre bei den vielen Anstiegen ganz schön heftig. Und auch nichts Neues – es gab in Max Palu im Saarland ja schon mal einen radelnden „Tatort“-Kommissar.

Aber?

Wenn die Geschichte und das Drehbuch stimmen, kann ich mir sehr gut vorstellen, eine Rolle zu spielen, in der ich viel mit dem Fahrrad unterwegs bin.

Der nächste Stuttgarter „Tatort“ . . .

. . . ist schon im Kasten. Er wird im Frühjahr 2022 ausgestrahlt. Ohne Fahrräder.

Die spielen nun in Öschelbronn eine große Rolle. Wie wichtig ist es Ihnen, sich sozial zu engagieren?

Sehr wichtig. Und viel wichtiger, als darüber zu sprechen. Ich mache es einfach, weil an vielen Stellen Hilfe nötig ist. Und weil es mir leichtfällt.

Was tun Sie?

Ich unterstütze zum Beispiel das Kinderhospiz in Stuttgart, ich bin Botschafter von Arche Intensiv, einer Einrichtung für dauerbeatmete Kinder in Kusterdingen, jetzt bin ich mit dem Rad für das Kinderhilfsnetzwerk Star Care unterwegs. Wenn ich gefragt werde, gibt es meist kein langes Nachdenken. Und wenn ich dabei noch in einer illustren Runde ehemalige Topsportler sowie andere nette Leute kennenlerne und selbst an meine körperliche Grenze gehen muss, dann passt alles zusammen.

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Zur Person

Mime
 Hans-Jürgen, genannt Richy, Müller wurde am 26. September 1955 in Mannheim geboren und als Schauspieler 1979 mit dem Fernsehdreiteiler „Die große Flatter“ bekannt. Als Stuttgarter „Tatort“-Kommissar Thorsten Lannert ermittelt er seit 2008 regelmäßig vor einem Millionenpublikum.

Pilot
 In seiner Freizeit begeistert sich Müller für Autorennen. Er besitzt die internationale C-Lizenz und trat im Porsche Cup zwischen 2011 und 2013 in einem 911 GT3 an. Zudem war er 2011 und 2014 Experte bei Eurosport bei den 24 Stunden von Le Mans.