Ein roter Vollmond? Das Naturschauspiel ereignet sich in der Nacht auf Montag. Ob es jedoch im Kreis Calw zu sehen ist, hängt vom Wetter ab. Meteorologe Marco Puckert gibt Auskunft.
Mit Sicherheit fiebern auch im Kreis Calw einige Astronomiebegeisterte bereits auf den bevorstehenden Sonntag hin. Von ganz Deutschland aus kann man die totale Mondfinsternis beobachten. Der Himmelskörper wird sich dabei in rötlich-braunen Tönen zeigen.
Gegen 17.27 Uhr beginnt der Mond in den Halbschatten der Erde einzutreten. Gegen 19.30 Uhr bis etwa 20.53 Uhr wird der Erdtrabant komplett im Schatten liegen. Gegen 21.57 Uhr endet die Mondfinsternis.
Was beeinflusst die Sichtbarkeit?
Zu sehen ist der Blutmond allerdings nur bei freier Sicht. Genaue Prognosen sind auch zwei Tage vor dem Himmelsschauspiel noch unsicher, erklärt Marco Puckert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart, auf Anfrage unserer Redaktion.
„Sonntag wird ein warmer Tag“, weiß der Meteorologe. Montag könnte es allerdings schon wieder regnen. Bereits in den vergangenen Tagen habe man Tiefausläufer berechnet. Ein Tiefausläufer ist „umgangssprachlich eine Linie, die zwei verschiedene Luftmassen voneinander trennt“, wie man auf der Internetseite des DWD nachlesen kann. Weiter wird hier definiert, dass an solchen Tiefausläufern häufig Wolken und Regen, oder Schauer und Gewitter auftreten.
Puckert sieht auf seiner Karte, dass es sehr wohl Wolken über dem Kreis Calw geben wird. Die sogenannten Cirruswolken sind sehr hohe Schleier- und Federwolken, durch die die Sonne tagsüber milchig hindurchscheinen kann. Der Meteorologe erklärt, dass sie sich in acht bis zehn Kilometer Höhe befinden und kein Niederschlag mit ihnen einhergeht. Sie bestünden nur aus feinen Eiskristallen.
Doch was bedeuten diese Wolken für die Sichtbarkeit des Mondes?
Das sei „schwer zu sagen“. Zwar seien keine tiefen, dichten Wolken zu sehen, die Cirruswolken können die Sicht jedoch erschweren. In einer normalen Nacht könne der Mond oft durch die hohen Wolken hindurchscheinen, allerdings geht der rote Mond am Sonntag bereits vom Halbschatten der Erde verdunkelt auf.
Nichtsdestotrotz schätzt der Wetterexperte, „dass Chancen da sind“. Gerade durch Lücken im Cirrus werden die Chancen auf gute Sicht erhöht. Ob und wie viele Lücken es geben wird und wie dicht die Wolken sein werden, zeigt das Modell noch nicht. Laut Puckert steige die Wahrscheinlichkeit auf Sicht weiter, sobald die hellere Sichel auftauche, wenn die Totalität der Mondfinsternis bereits wieder abnimmt.
Sollte es dieses Jahr mit dem Blick auf die Mondfinsternis nichts werden, hat man im kommenden Jahr am 28. August zumindest die Chance auf eine partielle Mondfinsternis. Auf die nächste totale Mondfinsternis muss noch bis zum 31. Dezember 2028 gewartet werden.
Was geschieht bei der Mondfinsternis?
Das Prinzip einer Mondfinsternis ist im Grunde das Gleiche wie bei einer Sonnenfinsternis, bei der sich der Mond zwischen Sonne und Erde schiebt. In diesem Fall steht eben die Erde zwischen Sonne und Mond, wodurch der Mond durch den Schatten der Erde verfinstert wird, erläutert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ein weiterer Unterschied neben der Konstellation der Himmelskörper ist die Dauer. Die Mondfinsternis dauert länger als eine Sonnenfinsternis, da die Erde etwa viermal so groß ist, wie der Mond und damit auch der von ihr geworfene Schatten.
Woher die außergewöhnliche Farbe des Mondes?
Dass der Mond trotz der Finsternis sichtbar ist, hängt mit der Atmosphäre der Erde zusammen, wie auf der Internetseite der Volkssternwarte Darmstadt erklärt wird. Der Mond bekomme hauptsächlich den roten Teil des Sonnenlichts ab, da der kurzwellige blaue Anteil des Lichts durch Streuung in der Atmosphäre geschwächt wird.
Der genaue Rotton hängt allerdings von den Verhältnissen vor Ort, wie beispielsweise Smog oder Staub in der Luft ab, so Carolin Liefke, stellvertretende Leiterin des Hauses der Astronomie in Heidelberg.