Sagen den Feuchttüchern den Kampf an: Thomas Kriz (rechts) und Mathias Vierthaler mit „Bula“-Produkten. Foto: Anilex GmbH

Das Lahrer Unternehmen Anilex wirbt seit 2021 mit einer nachhaltigen Alternative zu Feuchttüchern. Mit „Bula“ setzt das Team um Gründer Thomas Kriz auf Schaum. Die Verkaufszahlen steigen, Kriz plant bereits den Markteintritt in England.

Am Anfang stand eine lahmgelegte Toilette. Als Vater zweier Töchter hat Thomas Kriz unzählige Feuchttücher verbraucht – und einmal einen Abfluss im Hotel verstopft. Nachdem er sich tiefergehend mit den Produkten beschäftigt hatte, entwarf der Lahrer Chemie-Industriemeister einen Schaum, der eine nachhaltige Alternative zu Feuchttüchern darstellen soll.

 

Ein Fan der Tücher war Kriz nie. Die Handhabung der oft ausgetrockneten und aneinander klebenden Produkte habe ihn genervt. „Irgendwann habe ich zudem festgestellt, dass in den Tüchern viele schädliche Inhaltsstoffe stecken“, berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Konservierungsstoffe können beispielsweise Allergien auslösen.“

Auch die Auswirkungen auf die Umwelt sieht der Unternehmer kritisch. Mehr als eine Milliarde der Tücher landeten Schätzungen zu Folge in Toiletten – auch jene, die eigentlich über den Hausmüll entsorgt werden müssten. Selbst „spülbare“ Tücher verstopften häufig Leitungen. „Sie verursachen deutschen Gemeinden einen jährlichen Schaden von mehr als 100 Millionen Euro“, so Kriz.

„Anilex“ ist nach den beiden Töchtern benannt

„Ich habe mir 2019 im Keller ein kleines Labor eingerichtet“, erinnert sich der Lahrer. Dort kreierte er das Grundrezept für einen Schaum, der Feuchttücher ersetzen soll. Ziel sei es gewesen, möglichst viele Stoffe natürlichen Ursprungs und so wenig Konservierungsstoffe wie möglich zu verwenden. Das Rezept ließ Kriz von einer Fachfirma verfeinern und zur Marktreife entwickeln. „Ich habe mich daran orientiert, was mich aus Verbrauchersicht an bisherigen Produkten stört“, erklärt er.

Das fertige Produkt hört auf den Namen „Bula“. Der Vorschlag kam von Kriz’ Frau Amabel, einer gebürtigen Philippinerin. Übersetzt heißt es „Schaum“. Design und Zeichnungen für Flaschen und Verpackung übernahmen die Töchter Annika und Alexis, nach ihnen hat Kriz die hinter „Bula“ stehende Firma Anilex benannt.

Das Konzept ist recht simpel: Mit einer Pumpflasche wird Schaum auf herkömmliches Toilettenpapier aufgetragen und nach Verwendung in der Toilette entsorgt. „Der Schaum dringt nur sehr langsam ins Papier ein, damit es stabil bleibt“, erklärt Kriz.

Der Schaum kommt mittels Pumpe aufs Papier

Zudem gibt es eine patentierte Schaumpumpe mit selbstklebendem Edelstahlhalter. Damit wird der Schaum in Form einer Blumenblüte aufs Papier gegeben. Mit einem Stellrad wird die Menge dosiert. „Der Schaum verwandelt Toilettenpapier in sanft reinigende Feuchttücher“, ist Kriz überzeugt. Er gibt an, dass 750 Milliliter seines Produkts 1000 bis 1500 Tücher ersetzen.

Auf dem Markt ist „Bula“ seit Ende 2021. Anilex verkauft das Produkt deutschlandweit und nach Österreich. Verpackt und versendet wird es von Familie, Verwandten und Bekannten aus einem Lager in Kürzell. Aktuell hat das Unternehmen auch ein Baby- und ein Body-Spray im Programm. Doch in Zukunft will sich Kriz auf den Schaum konzentrieren. „Er ist unser Verkaufsschlager“, freut er sich.

2023 wurden 29.000 Flaschen verkauft

Für den Webshop wandte sich das Team an das Barth-Medienhaus aus Ettenheim. Kurz nach Markteinführung stieß Mathias Vierthaler als Spezialist für Online-Handel dazu. „Zu Beginn mussten wir um jede verkaufte Flasche kämpfen“, erklärt er. 2022 seien dann schon 4600 Bestellungen eingegangen, 2023 waren es knapp 29 000. „Dieses Jahr wird es etwa das Doppelte sein“, prognostiziert Kriz. Noch für 2024 plant er den Markteintritt in England (siehe Info).

Anilex bietet den Schaum in zwei Größen an, beide sind wieder auffüllbar. Laut Vierthaler wurden seit Markteinführung rund 50 000 Kunden beliefert. Auf Amazon schneidet der Schaum mit durchschnittlich viereinhalb von fünf Sternen gut ab. Mit einer Glasflasche soll der Plastikanteil nun noch weiter reduziert werden.

Kriz und sein Team planen bereits weitere Produkte

Verkauft wird „Bula“ aktuell im Lahrer „Budni“, dem E-Center in Kehl sowie dem „Marktkauf Kohler“ in Freiburg. „Wir würden gerne stärker in den Einzelhandel gehen“, sagt Kriz. „Das ist aber unwahrscheinlich schwer und braucht seine Zeit.“

Überzeugt hat das Team schon einmal Maximilian Kohler, Geschäftsführer von Kohler Lebensmittelhandel. „Als Edeka-Kaufleute sind wir frei im Sortiment“, erklärt er. Neue Produkte könnten schnell ausprobiert und auf Kundenwünsche eingegangen werden. Dabei stünden besonders regionale Produkte im Fokus. Daher freue man sich, den Kunden mit „Bula“ ein innovatives Produkt aus der Region anbieten zu können.

Kriz betont, dass er trotz seiner Arbeit mit Anilex seine Stelle als Geschäftsführer einer Verpackungsfirma für Klebebänder nicht aufgeben will. Dennoch plant er, „Bula“ weiter auszubauen. „Es sind bereits weitere Produkte in Planung“, verrät er. Der Bedarf sei da: „Auf die Toilette muss schließlich jeder.“

Feuchttücher in England

Das Königreich hat große Probleme mit Feuchttüchern: So sammelte sich beispielsweise bei der Londoner Hammersmith-Brücke in der Themse eine Insel aus feuchtem Toilettenpapier. In England ist gar ein Verbot plastikhaltiger Feuchttücher im Gespräch.