Sich in einer Reihe aufstellen und beim Einsatz der Spezialeinheit zuschauen: Jede Menge Schaulustige begafften am Sonntag teils über Stunden hinweg das Geschehen in der Trossinger Stadtmitte. Foto: Andreas Maier

Ein größerer Polizeieinsatz in Trossingens Hauptstraße hat am Sonntagabend für Aufsehen gesorgt. Das unverfrorene Verhalten etlicher Schaulustiger dabei sorgt für Unverständnis. Der festgenommene 64-Jährige wurde am Montag von der Kripo vernommen.

Mehrere Einsatzwagen der Polizei, etliche Rettungskräfte, ein abgesperrter Bereich mitten in der Innenstadt an einem Sonntagnachmittag und sich rasant auch über Soziale Medien verbreitende Gerüchte, dass man es hier mit einer Geiselnahme zu tun habe: Klar ist, dass eine solche Szenerie, wie sie sich am Sonntag in Trossingen zugetragen hat, für Aufsehen sorgt.

 

Dass sich aber binnen recht kurzer Zeit eine regelrechte Menschentraube hinter dem von der Polizei am Ort des Geschehens an der Straße „Marktplatz“ aufgehängten Flatterband bildete, sorgt allenthalben für eine Mischung aus Kopfschütteln und völligem Unverständnis.

Eine, die dieses Verhalten deutlich kritisiert, ist Bürgermeisterin Susanne Irion. Sie meldete sich am Montag mit einer Stellungnahme zu dem Geschehen zu Wort.

Vernehmung läuft

Die Bürgermeisterin bedankte sich am Montagmorgen zum einen bei allen Einsatzkräften der Polizei und des Rettungsdienstes.

Letztlich hatte die Polizei dafür gesorgt, dass der alkoholisierte 64-jährige Tatverdächtige, der eine mutmaßliche Bedrohungslage ausgelöst hatte, am Abend festgenommen werden und der ganze Einsatz ohne Verletzte zu Ende gebracht werden konnte.

Was genau in der Wohnung geschah, in der sich der Mann offenbar mit einer 43-jährigen Frau aufgehalten haben soll, war am Montag weiter Gegenstand der Ermittlungen der Kriminalpolizei, wie Polizeisprecherin Tatjana Deggelmann auf Nachfrage der Redaktion berichtete. Laut einer Zeugin, die die Polizei alarmiert hatte, soll der Mann die 43-Jährige geschlagen, bedroht und in der Wohnung festgehalten habe.

Ob der zum Zeitpunkt des Einsatzes laut Polizeiangaben stark alkoholisierte Mann bewaffnet war und was der Grund für sein Verhalten war, um diese Fragen ging es in den Vernehmungen am Montag durch die Kripo.

Der 64-Jährige war am Sonntag durch eine Spezialeinheit der Polizei zunächst kontaktiert und dann in der Wohnung widerstandslos festgenommen worden. Zuvor hatte er die 43-jährige, leichtverletzte Frau aus der Wohnung zu den Polizeikräften gelassen. Gegen 19.15 Uhr hatte die Lage laut Polizei beendet werden können.

Wie beim Pfingstmarkt

„Ich bin froh, dass der Täter festgenommen wurde, ohne dass dabei Einsatzkräfte zu Schaden kamen“, betont Bürgermeisterin Irion. Zugleich ist sie aber massiv verärgert über das Verhalten der Schaulustigen. In den Sozialen Medien postete sie ein Foto. Es zeige „die Schar anwesender Gaffer“, kommentierte sie dieses. 

Und weiter: „Mich hat der Auflauf an den Pfingstmarkt erinnert – nur ohne Pommesbude. Mal ehrlich: ein SEK-Einsatz ist kein Rummelplatz. Katastrophentouristen beweisen nicht nur mangelnden Anstand. Sie behindern auch das Einsatzgeschehen. Noch wütender macht mich nur, wenn man dann noch seine Kinder mitbringt. Mal eine Sekunde darüber nachgedacht, dass ein Kind das in keiner Weise verarbeiten kann?“

Info: Das sagt die Polizei

Laut Polizeisprecherin Tatjana Deggelmann standen bei dem Einsatz in Trossingen nach Auskunft der Beamten vor Ort mehrere Personen an den Absperrungen der Polizei. Behindert hätten diese den Einsatz nicht. Grundsätzlich sei es wichtigste Prämisse, dass die Arbeiten sämtlicher Einsatzkräfte, egal, ob Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei, nicht behindert werden. Sollten noch keine Einsatzkräfte vor Ort sein wie zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall, gilt „Helfen anstatt Gaffen“, also Notruf absetzen, Unfallstelle absichern, Erste Hilfe leisten. Gaffen, Filmen oder Fotografieren, womöglich ohne notwendige Hilfe zu leisten, sei nicht nur schlimm, sondern auch strafbar, so die Sprecherin. Sie betont: „Jeder einzelne sollte auch bedenken: Wie würde ich mich als Opfer fühlen, wenn ich in dieser Lage von fremden Menschen begafft und gefilmt werde. . .“