Die 30. Präsentation der Schreinergesellenstücke der Schreinerinnung Rottweil fand am Sonntag in Aichhalden statt. Die Lehrlinge dürfen sich nun Gesellen nennen. Hier die Namen und Ergebnisse.
Hier ein Doppelbett mit Bezug zum Probeliegen, dort ein eingerichteter Kleiderschrank mit Accessoires und ein Stück daneben eine Verkleidungs-Truhe in Ahorn und Eiche. Viele interessante und qualitativ hochwertige Möbel in Holz konnten im Foyer der Josef-Merz-Halle besichtigt und bestaunt werden.
Fast schon Meisterwerke
Die Bezeichnung Schreinergesellenstücke war da leicht untertrieben, denn es handelte sich fast schon um Meisterwerke. Schreinerinnungs-Obermeister Arndt Emminger sprach von einer großartigen Veranstaltung, bei der die Vielfalt des Schreinerhandwerks gezeigt werde. Gleichzeitig sei dies eine Wertschätzung der Schreinergesellen und -gesellinnen für deren Leistungen.
Als Obermeister blicke er begeistert ins Foyer. Jeder der Lehrlinge wisse nun, wie kurz oder lang zwei Wochen für die Herstellung der Gesellenstücke sein könne. „Ihr könnt stolz sein, ihr habt ein Handwerk erlernt und die Berufsausbildung abgeschlossen“, nannte der Obermeister sie praktisch zu Jung-Gesellen. Das Bild des Schreiners mit Säge und Hobel sei immer noch fest in den Köpfen vieler eingeprägt, das Handwerk in seiner Vielfalt aber mit nichts vergleichbar.
„Der Umgang mit CNC gesteuerten Maschinen, Planung mit CAD-Programmen, elektronisches Aufmaß und Laptop auf der Baustelle ist heute längst Standard und in unserem Beruf nicht mehr wegzudenken“, bekräftigte Emminger und fügte an: „Bei Netz- und Stromausfall sowie leerem Akku können wir immer noch mit Säge und Hobel umgehen. Diese Werkzeuge brauchen keine Chips aus China und auch keine KI“.
Stücke für Generationen
Die entstandenen Gesellenstücke stünden teilweise noch Generationen in den Wohnungen und Holz sei nach wie vor der nachhaltigste Baustoff, „denn der wächst nach“. Der Aufwand für die Gesellenstücke habe sich allemal gelohnt. Den Innungskollegen empfahl der Obermeister, die Gesellenstücke in ihren Ausstellungen zu präsentieren.
Dank an Berufliche Schulen
Kreishandwerksmeister Ralf Rapp ging beim Anblick an die Möbel das Herz auf. Drei, beziehungsweise dreieinhalb Jahre sei geackert, geschuftet und geschimpft worden, um die Lehre erfolgreich zu beenden. Deutschland sei das einzige Land, das eine duale Ausbildung anböte. Sein Dank gelte den Beruflichen Schulen und den Ausbildungsbetrieben, die einen großen Beitrag hierfür leisteten. Ebenso dem Elternhaus, das ihre Kinder ermutigte, ein Handwerk zu erlernen und nicht zu studieren.
Betriebe suchen Nachfolger
In Deutschland ausgebildete Handwerker seien auf der ganzen Welt begehrt und gefragt. „Machen sie weiter als Meister und Techniker und bleiben sie dem Beruf treu“, bat Rapp im Hinblick, dass bis 2030 circa 30 000 Betriebe von insgesamt 140 000 eine Nachfolge suchen. Michael Heizmann von den Gewerblichen Schulen Schramberg wusste, dass schon 2000 vor Christus wegen der heruntergekommenen Jugend das Ende der Erde prognostiziert worden sei. Und im „Spiegel“ sei 1974 von faulen Azubis die Rede gewesen. „Ich bin kein Schreiner, ziehe aber den Hut vor dem, was ich hier sehe. Wie wurde das geleistet, wenn die Jugend seit 5000 Jahren die Lehrer tyrannisiert?“, sah Heizmann den Gegenbeweis.
Alles Reden sei sinnlos, wenn Vertrauen und Respekt fehlten. Ohne dies funktioniere das nicht, auch nicht im Elternhaus. Manchmal brauche es eben Leitplanken, um die Kurve zu kriegen, betonte der Studiendirektor.
Grundstein für spätere Meister
Bürgermeister Michael Lehrer beklagte in seinem Grußwort, seit der ersten Ausstellung der Schreinergesellenstücke in Aichhalden 2017 habe sich die Anzahl von vier Schreinereien auf zwei halbiert. Von daher mache es ihm Mut, diese Kunstwerke zu sehen. Mit dem Gesellenstück werde der Grundstein für den späteren Meister und die Gründung eines eigenen Betriebs gelegt und er könne die Gesellen nur ermuntern: „Nutzt diese Chancen“.
Im Namen der Lehrlinge dankte Schreinergesellin Hannah Brückner den Lehrern für drei „Hammerjahre“. Im Gegensatz zur Deutschen Fußballnationalelf hätten sie das Finale erreicht und gewonnen. Mit dem heutigen Tag werde bewiesen, „dass wir etwas leisten und zu Ende bringen können“, betonte Brückner.
Ergebnisse und Gesellen
Die Prüfungsergebnisse stellte Prüfungsvorsitzender Rolf Kammerer vor. Prüfungsbester: Christian Haberstroh (Schreinerei Schwarzwälder Burgberg) Gesamtnote 1,4. Innungssieger: Julian Götz (Schreinerei Gebele Schenkenzell) Gesamtnote 1,6. Bestes Gesellenstück: Pauline Scharf (Schreinerei Emminger Deißlingen) Note 1,2. Beste Arbeitsprobe: Julian Götz Note 1,4. Beste Theorienote: Christian Haberstroh 1,3.
Die weiteren Gesellen: Annike Bartmann, (Schreinerei Emminger Deißlingen), Johannes Buchholz, Leon Kopp (beide Schreinerei Flaig Hardt), Bastian Ditsch, Rebekka Rauser (beide Holzmanufaktur Rottweil), Alicia Feuchter, Fabian Gessler (beide Nübel Holz + Form Aichhalden), Brandon Grady (Schreinerei Schneider Deißlingen), Eric Herrmann, Michael Kuner (beide Schreinerei Moosmann Tennenbronn), Marlon Köhler, Leon Kohr, Hanna Brückner, Behzad Zardoost (alle Duravit Schenkenzell), Marlon Maier, Finn Wenzler (beide Maßschreinerei Dunningen), David Munz (Reuss Einrichtungen Dunningen), Iris Rieger (Bauschreinerei Scholz Zimmern-Horgen), Samuel Singer (Schreinerei Grimm Neukirch).