In den Lokalen freut sich das Publikum über die Vorträge der Schantle, die das Geschehen im Städtle erst so richtig verständlich machen. Foto: Wagner

Für den Oberndorfer Talplatz ein neues Wahrzeichen und als Hochwasserschutz ein galaktisches Mäuerchen? Die Schantle ordnen das Geschehen in der Stadt am Neckar ein.

Der interne Oberndorfer Informationsdienst zwischen Bevölkerung und den Schantle hat offensichtlich auch im vergangenen Jahr bestens funktioniert: Die warzigen Gesellen zeigten sich bestens informiert über Missgeschicke diverser Bürgerinnen und Bürger und scheuten sich auch nicht, diese am Schantlesonntag einer breiten Öffentlichkeit in den Oberndorfer Lokalen preiszugeben.

 

Dort, im Don-Bosco-Haus und bei der Feuerwehr, wurden sie sehnlichst von einem bestens aufgelegten Publikum erwartet, das sich an diesem Abend prächtig amüsierte.

Das Modell kommt an. Der Talplatz war auch dieses Jahr ein Thema. Etwas Besonderes soll er werden, und so können sich die Schantle vorstellen, dass man – dem Beispiel Brüssels folgend – einen urinierenden Knaben als Wahrzeichen aufstellt! Sie präsentierten auch ein Modell, das sie „Seichender Sigi“ tauften und damit die einhellige Zustimmung des Publikums fanden.

Die Ämter auf dem Rathaus wurden glossiert und Elferräte für die Amtsleitungen vorgeschlagen, wobei man den Zeremonienmeister der Zunft wohl für das Kulturamt geeignet hält. Mit Ferngläsern ausgestattet, suchten zwei Schantle Frauen für die Elferräte und warben mit dem Slogan: „Werde Elferratsgattin!“ Sie hatten auch die Geschichte von einem stattlichen Mann parat, der seinen Geldbeutel in Rottweil und Tuttlingen suchte, ihn aber nach Wochen im Lüftungsschlitz seines Autos fand.

Seiner Gattin indessen, einer begnadeten Köchin, kam der Deckel des Kerntemperaturmessers abhanden – und kam zu einem späteren Zeitpunkt in einer „Delikatesse“, dem „Falschen Hasen“, wohl wieder zum Vorschein.

Blick aus dem All. Auch über die Hochwasserschutzmaßnahmen im Neckartal machte sich manch einer der hinkenden Gesellen so seine Gedanken. Das Schiff vor der Zimmerei in der Neckarstraße fehlt seit einiger Zeit: Hochwasserschutz eingestellt, oder reicht die chinesische Mauer entlang der Austraße, die wohl gut und gerne auch ein tausendjährliches Hochwasser aufhalten kann? Er habe mit dem Astronauten Alexander Gerst telefoniert, behauptete ein Schantle. Man sehe aus dem Weltraum fast nichts von der Erde, außer eben die mächtige Mauer an der Dollau.

Gut gerüstet. Die Schantle fragten sich auch, was wohl im Katastrophenfall geschehen würde. Man sei gut vorbereitet, denn Bürgermeister und Feuerwehrkommandant würden seit geraumer Zeit eh nur noch Planspiele veranstalten. Kein Strom in Oberndorf sei nicht denkbar, da sei man gerüstet, stellten sie fest. Lediglich bei einem Verpflegungsengpass könne es schwierig werden, habe doch der Bürgermeister bereits in der Adventszeit verboten, den Wald zu betreten. Beeren und Wurzeln zu sammeln, um sich zu ernähren sei also nicht möglich.

Natürlich war auch die Schantlekapelle präsent, die für mächtig Stimmung in den Lokalen sorgte und die Gäste mit Schunkelliedern zum Schwitzen brachte. Dirigent Christoph Seidel hatte allerhand zu erzählen und begeisterte mit dem Gedicht vom Ritter Fips. Ein Politikum der besonderen Art erlebte eine Postbotin vor dem Jubiläum des „Frohsinn“. Sie wollte für diese Feier die „Frohsinn“-Fahne im Museum ausleihen, was von dessen Leiter allerdings vehement abgelehnt wurde. Erst als sie dem Schultes Honig ums Maul geschmiert habe, sei die wertvolle Fahne herausgegeben worden, wusste der Schantle. Glücklicherweise sei sie nicht mit vielen anderen Gegenständen im städtischen Container gelandet, zumal sich im Nachhinein herausgestellt habe, dass die Fahne dem „Frohsinn“ gehört und ans Museum nur ausgeliehen ist.

Nachdenkliches darf sein

Es war ein überaus unterhaltsamer Abend im Städtle, und die Schantle wurden nicht müde, das Stadtgeschehen des vergangenen Jahres amüsant und kurzweilig aufzubereiten. Manches regte auch zum Nachdenken an. Allerdings vergaß man nie den Wahlspruch der Narren: „Jedem zur Freud, aber niemand zum Leid.“