Helmut Ebner mit seinem Kinobuch, das als Titelbild ein alter Tonfilmprojektor Bauer-B6 ziert, im gespenstisch leeren Saal des ehemaligen Weiler Cinema, in dem lediglich die markante rote Wandverkleidung und die Retro-Lampen noch vorhanden sind. Foto: Monika Merstetter

„Historische Kinos – Lörrach, Weil & Kandern“ lautet der Titel des neuesten Werks von Helmut Ebner aus Schallbach.

Was ein einziger Besuch im Kanderner Kino auslösen kann, ist mehr als eine vergnügliche Anekdote. Der Schallbacher Helmut Ebner hat seither viel weniger Freizeit und genießt das offensichtlich. Er war so begeistert von der Atmosphäre im nunmehr 70 Jahre alten Lichtspieltheater, dass er spontan dem Förderverein beitrat und kurze Zeit später die Betreuung der Internetseite übernahm.

 

Doch damit nicht genug: Da es ihm schon lange ein Anliegen ist, Erinnerungen an frühere Firmen, Gaststätten oder andere Institutionen festzuhalten, setzte sich in ihm schnell der Wunsch fest, die Anfänge der Lichtspielhäuser in der Region bis zum Niedergang vor ungefähr 40 Jahren in einem Buch festzuhalten. Erfahrung für die Vorgehensweise hatte er dabei bereits mit seinen Büchern über die Maschinenfabrik Kern, die Laufenmühle oder über historische Gaststätten in Lörrach gesammelt.

So forschte Ebner rund drei Monate lang nicht nur in den städtischen Archiven in Lörrach, Weil am Rhein und Kandern, sondern richtete seine Anfragen auch an Personen, von denen er annahm, dass sie über die einzelnen Einrichtungen noch Unterlagen hätten oder etwas dazu erzählen könnten. Dabei war er selbst überrascht, wie viele Menschen er in dieser Zeit kennenlernte, weil nicht wenige ihm weitere entscheidende Quellen nennen konnten.

Seit Januar liegt das druckfrische Buch „Historische Kinos – Lörrach, Weil & Kandern“ vor. Es ist reich bebildert, gespickt mit Anekdoten sowie Wissenswertem und wird alle Kinoenthusiasten begeistern.

Anfänge der Kinotechnik

Es beginnt mit den Anfängen der Kinotechnik über die 1920er-Jahre, als die ersten Lichtspielhäuser gebaut wurden, der Stumm- zum Tonfilm wurde, über die Boom-Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, bis vor etwa 40 Jahren, als nach und nach die Lichter in den großen Kinosälen wieder ausgingen und Multiplexkinos gebaut wurden.

Von allen Häusern sind die Baupläne im Buch zu sehen. Und es ist beeindruckend, wie viele Sitzplätze es in den einzelnen Kinosälen gab: im Lörracher Hirschen in zwei Räumen 700 oder 530 im Weiler Bali. Ebner holt aus ab 1910, vom ersten „Cinematographentheater zum Löwen“ in Lörrach, dessen erste Aufführung von der Polizei auf Sittlichkeit überwacht wurde. Es geht dann weiter über das alte Union an der Turmstraße, dem Hirschen, dem Wallbrunn, der Camera bis zum neuen Union im Königsbau am Bahnhofsplatz.

In den 1980er-Jahren gingen die Lichter aus

In Weil gab es erste Filmvorführungen in Kinoqualität provisorisch im alten Central-Festsaal ab Ende der 1920er-Jahre. Einen richtigen Kinosaal gab es erst 1954 mit den Bahnhofslichtspielen (Bali) im Anbau des Bahnhofhotels Hermann. Und zwei Jahre später folgte, jedoch nur kurze Zeit, die Camera im Gebäude des „Kaufhaus für Alle“. Das Cinema wurde 1964 im Central-Bau eröffnet. Das Bali wurde später zum Pam, und in den 1980er-Jahren gingen alle Lichter aus.

In Kandern beginnt die Kinogeschichte 1907 mit dem „Glob Kinematograph“ im Schiller-Saal der Krone. Es folgte 1948 Lichtspiele Kandern im umgebauten Saal der „Schnecke“, was sich später Camera nannte. 1956 wurden die Blumen-Lichtspiele eröffnet. Dieses Kino ist das einzige, das – zwar zwischendurch immer mal kurzfristig geschlossen – von den beschriebenen Kinos noch betrieben wird, heute als Kino Kandern.

Noch heute ein Kino

Es hat alles überdauert, was für viele dieser Einrichtungen das Ende bedeutete – wie die Einführung des Fernsehens oder die Erfindung der VHS-Kassette und die Eröffnung von Videotheken, sogar als Willy Brandt 1967 den berühmten roten Knopf zum Start des Farbfernsehen drückte. Damals wurde im Gasthaus „Blume“ der erste Farb-TV mit PAL-System aufgestellt, und auch vor dem Elektrogeschäft Langholz am Blumenplatz stand oft eine Traube Menschen vor dem Schaufenster, um sich die Welt in Farbe anzusehen.

Mit der Übernahme der Immobilie durch die Stadt, wobei eigentlich der Abriss geplant wurde, um einer Verbindungsstraße Platz zu machen, und dem rührigen Förderverein erlebt die Institution eine wahre Blüte. Mit der Filmauswahl, dem Ambiente und dem Service wird der Geschmack eines breiten Publikums im ganzen Umkreis getroffen. Nicht selten ist das mit 257 Plätzen ausgestattete Filmtheater voll besetzt.

Das alles und noch viel mehr ist ausführlich beschrieben in Ebners Werk, genauso wie eine Menge zur Filmtechnik – vom Celluloid-Streifen über die Kohlenbogenlampe bis hin zum Digital-Projektor mit DCP. Ein besonderer Hingucker sind die vielen alten Filmplakate und Zeitungsannoncen, die Erinnerungen wecken.

Das Buch ist im Eigenverlag von Helmut Ebner per E-Mail an ebnerh@gmx.de für 13 Euro zu bestellen.