Seit rund 50 Jahren ist die Schäferei am Eckhof Roland Halls Lebensmittelpunkt. Nun musste er den Betrieb krankheitsbedingt abgeben. Dass er überhaupt einen Nachfolger gefunden hat, ist dabei alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
„Landwirtschaft – das muss man wollen. Da muss man Leidenschaft mitbringen“, sagt Matthias Meerwarth, was von Roland Hall mit einem zustimmenden Nicken quittiert wird. „Das ist ein 365-Tage-Job“, sagt der 64-Jährige, der seine Schäferei zum Jahreswechsel an Nachfolger Meerwarth übergeben hat.
Rahmenbedingungen sind immer schwieriger
Roland Halls Vater Walter ist schon seit den 1960er-Jahren mit der Schäferei am Eckhof verbunden. 1976 stieg Roland Hall als Lehrling in den Familienbetrieb ein. Ab 1978 führte er ihn eigenständig weiter.
Seitdem hat sich viel verändert, wie er findet. Ihm komme es immer mehr so vor, als wolle die Politik die Landwirtschaft niedermachen, sagt er. Die Rahmenbedingungen würden immer schwieriger. Und viele stellten sich unter dem Beruf „Schäfer“ einen lockeren Job vor, bei dem man den Großteil des Tages auf einer Wiese liegend verbringen könne, sagt Hall kopfschüttelnd.
Blauzungenkrankheit hielt in Atem
Wie herausfordernd die Arbeit als Schäfer sein kann, musste Matthias Meerwarth erst kürzlich wieder erfahren. Ursprünglich wollte er die Übernahme der Schäferei im September oder Oktober feiern und sich damit der Bevölkerung vorstellen.
Doch die Blauzungenkrankheit durchkreuzte die Pläne und sorgte dafür, dass der 42-Jährige viele Tiere verlor. Die Feier soll nun 2025 nachgeholt werden.
Matthias Meerwarth kommt ursprünglich aus Bretten bei Karlsruhe. Der gelernte Kfz-Meister war als Schäfer zuletzt ein paar Jahre in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) tätig. Dort seien aber immer mehr Flächen der Gartenschau zum Opfer gefallen, sagt er. Da passte es, dass Roland Hall einen Nachfolger suchte. Für den neuen Standort sei er dankbar, sagt Meerwarth.
Rund 1000 Schafe, Ziegen und Kühe
Nun bewirtschaftet der 42-Jährige mit rund 1000 Tieren, darunter vor allem Schafe, Ziegen und Kühe, die Flächen im Eschachtal und erhält dafür Subventionen vom Staat. „Die Flächen im Eschachtal reichen aber allein nicht zum Überleben aus“, erklärt er. Deshalb ist er auch im Schwarzwald-Baar-Kreis mit seinen Tieren unterwegs. Zudem verkauft er Lämmer an Mast- und Zuchtbetriebe.
Acht Monate pro Jahr in Rottweil
Als Wanderschäfer ist Meerwarth mit den Tieren acht Monate über am Eckhof und in der Umgebung. Sobald es richtig kalt wird, macht er sich mit den Tieren in wärmere Gefilde, ins Rheintal, auf. Das sei deutlich kostengünstiger, erklärt er.
Es werde aber auch immer schwieriger, weil es immer mehr Straßen und Industrie gebe. „Die Wanderschäferei stirbt langsam aus.“
Wenn sich Meerwarth mit den Tieren aufmacht, darf er sie ab dem 11. November auf jeder Wiese grasen lassen, sofern diese nicht mit einem Strohbüschel gekennzeichnet ist, wie er erklärt. In der Regel trifft der Schäfer im April wieder am Eckhof ein. Für den Heimweg legt das Veterinäramt eine tägliche Marschstrecke von durchschnittlich zehn Kilometern zugrunde, sagt Meerwarth.
Das bereitet Probleme
„Mir gefällt an dem Beruf, immer an der frischen Luft zu sein“, sagt der 42-Jährige. Was ihm weniger gefällt, sind freilaufende Hunde, die Gefallen an der Schafherde finden – und uneinsichtige Hundehalter. „Leider fehlt manchmal der Respekt“, kritisiert Meerwarth.
Dabei bedeute ein fremder Hund auch andere Bakterien. Und die könnten dafür sorgen, dass Parasiten auf die Schafe, Ziegen und Kühe übertragen werden. „Dieses Jahr war besonders hart. Ich musste die Tiere fünf Mal entwurmen. Das macht man sonst normalerweise nur zwei Mal“, sagt Meerwarth.
Immerhin: Mancher Hundehalter sehe das ein, wenn man es ihm erkläre. Und es gebe auch viele positive Kontakte. Viele wüssten gar nicht, wie eine Schäferei funktioniere, und seien sehr interessiert.
Modernisierung geplant
Gern würde der Schäfer den Stall am Eckhof modernisieren, ist dafür aber auf Fördergelder angewiesen und möchte die Stadt mit ins Boot holen. Ihr gehören die Weiden rund um den Eckhof.
Wer eine Anregung für den Schäfer hat oder ihm Bescheid geben möchte, dass eines seiner Schafe auf Wanderschaft ist, der trifft ihn entweder beim Schafstall hinter dem Eckhof an oder kann ihn per E-Mail an info@schafhaltung-meerwarth.de kontaktieren.