Bereit für die Schur. Foto: Erb

In Friedrichstal waren – salopp gesagt – die Schafe los. Drei ausgebildete Schafscherer befreiten rund 400 Tiere von ihrer Winterwolle. Das ging mit jeder Menge Lärm einher.

Baiersbronn-Friedrichstal - Bereits um 7 Uhr morgens heißt es für die Schafscherer und die übrigen Helfer des Teams Zähne zusammenbeißen und Hand anlegen. Jeweils rund um das erste Juni-Wochenende dreht sich bei Bianca Pfitzenmeier und ihrem Lebenspartner Matthias Meerwarth von der Schafhaltung Meerwarth, die ihren Sitz in Bretten hat, alles um das dicke Fell ihrer Schafe.

Schneller fertig alszunächst gedacht

Insgesamt sechs Helfer und drei Scherer befreien bei herrlichem Wetter die Schafe von ihrem Winterkleid. "Jede treibende Hand ist am Ende hilfreich, aber wir sind gut durchgekommen. Ich hätte persönlich damit gerechnet, dass wir erst am Abend fertig sein werden", zieht Pfitzenmeier ein positives Fazit zur alljährlichen Aktion, die schon am Mittag beendet ist.

Dass die Tiere während des Vorgangs auch mal gröber angepackt werden müssten, sei reine Routine und für die Schafe kein Problem. "Das macht denen gar nichts", sagt Bianca Pfitzenmeier. Belastend für die Tiere kann hingegen der Hintergrund der eindrucksvollen Geräuschkulisse sein, die die Schafe mit ihren Rufen erzeugen. So komme es beim Vermischen der Schafe dazu, dass die Lämmer von den Müttern getrennt würden. Die sehnsüchtigen Rufe der Tiere dienten dann ausschließlich dem Wiederfinden. "Abends sieht man dann manchmal ein schwaches Lamm alleine auf der Weide stehen. Das muss ich dann oftmals mit der Flasche aufziehen", erklärt Pfitzenmeier.

Um den Schafscherern die Arbeit zu erleichtern, hängen diese in extra angefertigten Gurten, um den Rücken während der langen Stunden zu entlasten. Die drei Schafscherer, zwei Männer und eine Frau, haben bei 400 Tieren einiges zu tun und mit dem ein oder anderen sturen Schaf es zuweilen auch gar nicht so leicht. Somit ist das komplette Team erschöpft, aber auch glücklich, als der letzte Rasierer verstummt. Nach acht Stunden des Schuftens und Ackerns hat sich in den Tüten einiges an geschorener Wolle angehäuft.

Sie wird über die eigene Facebook- Seite oder über private Kontakte kostenlos weitergegeben. "Die Wolle wird oft für Blumenkübel verwendet, da sie ein guter Dünger ist und Wasser speichert", nennt Pfitzenmeier die Vorteile des biologischen Produkts. Für die Textilproduktion sei die Wolle hingegen nicht zu gebrauchen. Dies liege an der Wollqualität der gehaltenen Schwarzkopfschafe.

Auf Landschaftspflegespezialisiert

Um Wolle zu produzieren, die für Kleidung geeignet ist, müssten Pfitzenmeier und Meerwarth komplett auf Merinoschafe umsteigen. Doch das kommt für das Paar nicht in Frage. "Vereinzelt haben wir auch Merinoschafe. Aber wir haben einfach eine Leidenschaft für unsere Schwarzköpfe. Zudem ist der Markt für Textilwolle auch unmöglich billig geworden", so die Betreiberin.

Die Schafhaltung Meerwarth konzentriert sich hauptsächlich auf Landschaftspflege. Dabei kommen die Schafe und Ziegen als ökologische Rasenmäher in Hangbereichen zum Einsatz. Die Ziegen kümmern sich um Verbuschungen und die Bereiche um Bäume. Die Schafe fressen dagegen das Gras. Somit stellen Schafe und Ziegen das optimale Team zur Landschaftspflege dar, erklärt Pfitzenmeier.

Doch auch die Pflege von Ebenen gehört zum Betrieb, erläutert sie: "Dadurch bekommen wir das Winterfutter für unsere Tiere." Neben Friedrichstal beweidet der Betrieb auch Flächen in Obertal, Mitteltal sowie Baiersbronn. "Wir kommen eigentlich mehr aus dem badischen Bereich, doch nun sind wir durch die Gemeinde Baiersbronn hier tätig", so Pfitzenmeier, die mit ihrem Partner in Mitteltal wohnt.

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