Stadtschäfer Karl-Martin Bauer und Anette Wohlfahrth, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes, informierten den Wildberger Gemeinderat über die Probleme der Schäfer in Baden-Württemberg. Foto: Uwe Priestersbach

Im Vorfeld des Wildberger Schäferlaufs informierte sich der Gemeinderat Wildberg über die aktuelle Situation der Schäferei in Baden-Württemberg.

„Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, machte Bürgermeister Ulrich Bünger mit Blick auf den Schäferlauf vom 17. bis 20. Juli deutlich. Das große Heimatfest wird alle zwei Jahre von der Stadtverwaltung sowie den örtlichen Vereinen und Schulen organisiert.

 

Um auch wieder mal die fachliche Seite der Schafhaltung zu beleuchten, hatte der Rathauschef vor dem Hintergrund des bevorstehenden Wildberger Schäferlaufs einen Bericht der Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes, Anette Wohlfarth, und des Wildberger Stadtschäfers Karl-Martin Bauer auf die Tagesordnung des Gemeinderats gesetzt.

Bürokratie statt Romantik

Die einst gerühmte Freiheit und Romantik der Schäferzunft gehört längst der Vergangenheit an, und die Schäfer leiden unter einer überbordenden Bürokratie, Nachwuchsproblemen und einem Fachkräftemangel, wie es in der Sitzung hieß. Vom „Produkt“ können die Schäfer schon lange nicht mehr leben, wie aus den Ausführungen von Anette Schäfer hervorging.

So wurden in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr 7692 Betriebe gezählt, darunter 110 hauptberufliche Schafhalter. Die Zahl der Schafe im Land bezifferte die Geschäftsführerin auf rund 273.000 Tiere. Fast zwei Drittel der Einnahmen sind mittlerweile Prämien aus der Landschaftspflege, und nur noch gut 33 Prozent der Einkünfte stammen aus dem Verkauf der Lämmer.

Geringer Stundenlohn

Die jährliche Arbeitszeit eines hauptberuflichen Schäfers betrage 3575 Stunden, während es ein Angestellter im Jahr auf etwas mehr als 1529 Stunden bringe. Eine Reduzierung der Arbeitsleistung sei jedoch kaum möglich, da das Hüten einen großen Anteil an der Arbeitszeit einnehme. Mit einem Stundenlohn zwischen sieben und 14 Euro liegen die Schäfer oft weit entfernt vom gesetzlichen Mindestlohn – und ohne die nicht entlohnten Familienarbeitskräfte kämen viele Betriebe gar nicht über die Runden.

Unterm Strich sei die wirtschaftliche Situation der Schäferei im Hinblick auf Entlohnung und Arbeitszeit nicht befriedigend. Und das, obwohl die Schafhaltung eine hochwertige regionale Lebensmittelerzeugung mit wichtigen ökologischen Leistungen für das Landschaftsbild und den Erhalt der Kulturlandschaft verbinde.

„Wer ein Schäfer ist, muss es gerne machen“, unterstrich Anette Schäfer, dass trotz aller schönen Seiten der Schäferei unheimlich viel Idealismus dazu gehöre. Dabei zähle der Landkreis Calw mit rund 8000 Tieren zu den schafstärksten Landkreisen in Baden-Württemberg.

Herausforderung der Hanglagen

Wie Stadtschäfer Karl-Martin Bauer anmerkte, sei die Bewirtschaftung in den Wildberger Hanglagen eine echte Herausforderungen mit „hohem Zeit- und Arbeitsaufwand“. Gleichwohl seien die Schäfer stolz, „dass wir als Berufsstand so ein Fest wie den Schäferlauf haben – und dass die Stadt dahintersteht“.

„Was die Schäfer für die Allgemeinheit leisten, ist aller Ehren wert“, betonte Bürgermeister Ulrich Bünger. Rolf Dittus (Freie Wähler) ergänzte, dass „viele Leute gar nicht wissen, was hinter der Schäferei steckt“. In seinen Augen ist die Schafhaltung „die natürlichste Form der Landschaftspflege“. Wie CDU-Rat Gerhard Ostertag unterstrich, „gehört die Schäferei zur Wildberger DNA“.