So schnell wird sich die Discokugel im Okay nicht wieder drehen. Ralf Bürger und sein Team bleiben aber trotzdem zuversichtlich. Foto: Büttner

"Uns wird es nächstes Jahr noch geben." Diesen Satz äußerte Ralf Bürger, Betreiber des Donaueschinger Tanzlokals Okay, im Juli 2020 gegenüber der Zeitung. Daran habe sich nichts geändert, sagt er heute. Verärgert ist Bürger darüber, "dass irgendjemand ständig das Gerücht in die Welt setzt, dass es das Okay nicht durch die derzeitige Corona-Krise geschafft hat".

Donaueschingen - In einem Facebook-Beitrag wandte er sich an seine Party-Gemeinschaft. Ihm zufolge häufen sich Anrufe, nicht nur von Gästen, sondern auch von Lieferanten, ob man denn noch mit ihm rechnen könne.

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Von "ungerechtfertigten Gerüchten" spricht auch Geschäftsführerin Gabriella De Felice. "Das Telefon steht nicht still, eine Flut von Nachrichten und Mails von besorgten Mitarbeitern und Gästen erreichen uns", führt sie aus. Das Team wisse nicht, woher diese Äußerungen kommen; es sei "ziemlich anstrengend und nervig". Ralf Bürger erklärt: "Noch gibt es uns." Wenn es mit der Corona-Pandemie im Herbst besser aussieht und die harten Einschränkungen ein Ende finden, werde das auch definitiv so bleiben. Aber klar sei auch, dass er nicht mehrere Jahre in die Zukunft blicken könne.

"Ewig kann man das nicht tragen, immer privat alles aufzufangen", sagt Ralf Bürger. Immerhin nimmt er seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr ein. Ob es die Überlegung gab, aufzuhören? Mit dem Gedanken setze er sich natürlich auseinander: "Als ordentlicher Kaufmann muss man alles durchdenken." Aber das Okay sei eine Herzenssache. Und seine Entscheidung, daran festzuhalten, sei glasklar.

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Der Okay-Betreiber setzt große Stücke auf das Impfen: "Ende des Jahres hat sich das durch die Impfungen hoffentlich erledigt", bleibt er zuversichtlich. Die gesamte Branche müsse sich auf den begehrten Piks verlassen und sich voll darauf stützen. "Wir haben nichts anderes. Denn mit Abstand und Maske können wir nichts machen, da macht ein Discothekenbetrieb keinen Sinn", so Bürger. Gabriella De Felice sagt: "Wir sind fest davon überzeugt, vielleicht nicht im Sommer oder im Herbst, dann eben im nächsten Jahr die Türen wieder zu öffnen." Sie spricht von einer sehr schwierigen Zeit für alle Branchen: "Discotheken und Clubs werden wohl die letzten sein, die wieder öffnen dürfen", vermutet die Geschäftsführerin. Und ergänzt: "Aber Gesundheit geht vor. Ich hoffe, dass diese verrückte und unfassbare Zeit bald ein Ende hat."

Von negativen Gedanken möchte Ralf Bürger sich nicht entmutigen lassen: "Wenn Betriebe geschlossen sind, gibt es keine Einnahmen. Natürlich geht es keinem gut, aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Und langsam ärgert es mich, wenn jeden Tag jemand anderer jammert."

Gefahr einer Zweiklassengesellschaft

Ob er eine Öffnungsperspektive sieht? Oder ist eine verlässliche Planung nach wie vor unmöglich? In der Branche kursiere der Herbst als möglicher Termin. Man hoffe auf September, doch er selbst halte das für unrealistisch. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel sollen bis dahin alle ein Impfangebot bekommen. "Aber ich glaube nicht, dass sich jeder impfen lässt", sagt Bürger.

Und dann sehe er die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft auf uns zukommen: "Das wäre fatal, wenn wir nur Geimpfte reinlassen dürfen", blickt er voraus. Eine Normalität wie vor Corona hält der Okay-Betreiber bis auf Weiteres nicht für möglich: "Vielleicht gibt es diese sogar erst 2022."

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Was Ralf Bürger kritisiert, ist die aus seiner Sicht Ungleichbehandlung des Staates bei den Hilfen. "So toll die November- und Dezemberhilfen auch waren, aber das ist der falsche Ansatz. Egal, ob du ein großer Konzertveranstalter bist, der bei Festivals aktiv ist, oder ein Kleinbetrieb: Jeder hat 75 Prozent des letzten Umsatzes bekommen", sagt er. "Man sollte sich immer am Ertrag orientieren, nicht am Umsatz." Sein Vertrauen in die Politik habe schwer gelitten, doch jetzt laute die Devise: durchhalten.

Am 28. Januar schreibt Okay-Betreiber Ralf Bürger unter anderem: "Ja, die derzeitige Herausforderung ist heftig, aber das Okay hat schon ganz andere Sachen gemeistert und wir werden auch das schaffen. Wir haben ein gutes Team hinter uns und treue Gäste und vor allem den festen Willen, es so nicht enden lassen zu wollen. Daher verspreche ich, dass wir uns wieder sehen werden. Haltet durch, wir tun es auch und bleibt gesund."

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